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Brieftaube trifft auf Smartphone

Erzieherin Angelika Droge (l.) und Jugendfarmleiterin Liane Semjank mit einigen der Ferienkinder und mit der Taube in den Händen, die die Mädchen und Jungen von Nahem betrachten durften.
Erzieherin Angelika Droge (l.) und Jugendfarmleiterin Liane Semjank mit einigen der Ferienkinder und mit der Taube in den Händen, die die Mädchen und Jungen von Nahem betrachten durften. FOTO: K. Demczenko/dcz1
Hoyerswerda. Warum Tauben nützlich und doch ein Ärgernis haben Ferienkinder auf der Hoyerswerdaer Kinder- und Jugendfarm erhalten. Und sie bekamen auch gleich noch Ratschläge für den Umgang mit Handys. Katrin Demczenko / dcz1

Auf der Kinder- und Jugendfarm des Christlich-Sozialen Bildungswerkes Sachsen haben dieser Tage 18 Ferienkinder von zwei Hoyerswerdaer Horten gehört, dass Tauben schon vor 2000 Jahren Nutztiere waren. Anhand eines Films mit Peter Lustig erfuhren sie, dass Taubenmist ein wertvoller Dünger ist, dass das Fleisch der Tiere gegessen wurde und sie vor Jahrhunderten als Brieftauben dienten. Sie sind auch seit biblischen Zeiten ein Friedenssymbol, wohl weil die Paare gemeinsam ihr Nest bauen und die Jungen großziehen.

Heute fliegen Zuchttauben 600 Kilometer in sieben Stunden und finden mithilfe eines inneren Kompasses immer zu ihrer Voliere zurück. Die Tiere tragen einen Ring am Bein, quasi einen Personalausweis, und mit einem GPS-Sender sind sie zu orten, solange sie kein Raubvogel frisst, sagte Jugendfarmleiterin Liane Semjank. In Großstädten sind Tauben meist ein Ärgernis, weil sie überall hinkacken und Krankheiten übertragen, erklärte sie den Kindern weiter. Es ist nicht gut, sie zu füttern, denn so vermehren sich die Vögel noch stärker, erfuhren die Jungen und Mädchen.

Der Höhepunkt dieses Teils der Veranstaltung war, als Liane Semjank eine der farmeigenen Tauben aus dem Taubenschlag holte, die die Kinder vom Nahen betrachten und kurz anfassen durften.

Doch während der Ferienveranstaltung ging es auch um das allgegenwärtige Handy, wobei die bis zu acht Jahre alten Teilnehmer vom CSB-Hort "Kinderhaus am Zoo" noch keine eigenen besitzen. Jeannine Giebner von der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt Hoyerswerda fragte sie, wofür sie die Geräte der Eltern oder älterer Geschwister benutzen und hörte als Antworten vor allem Spielen und Fotografieren. Die ursprüngliche gedachte Verwendung zum Telefonieren trat dahinter zurück.

Paul sagte stolz, dass er mit dem Handy bei Gefahr unter der Telefonnummer 112 die Feuerwehr erreicht. "Richtig", bestätigte ihm Jeannine Giebner. Die Zweitklässlerin Paula wusste, dass Apps aus dem Internet heruntergeladen werden können, über die sich einkaufen und spielen lässt. Jeannine Giebner hakte sofort ein und bat um Vorsicht bei solchen Aktionen, denn nicht alle Apps sind kostenlos. Das gilt auch für Wallpapers und Klingeltöne, deren Nutzung mitunter bezahlt werden muss, informierte die Awo-Mitarbeiterin.

Beim Fotografieren muss die abgebildete Person erst gefragt werden und das Bild gehört nur nach Absprache mit ihr ins Internet, gab Paula ihr Wissen weiter. Jeannine Giebner bestätigte die Aussage des Mädchens und ergänzte, dass niemand, auch keine Erwachsenen, Gewaltvideos ins Internet stellen oder weiterverschicken dürfen.

Auf die Frage, ob sich die Kinder eine Welt ohne Handy vorstellen könnten, kam ein klares Nein. Anders reagierten Liane Semjank und andere Erwachsene, die sich manchmal einen Tag ohne ständige Erreichbarkeit wünschen würden.