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| 02:41 Uhr

Briefliteratur dokumentiert Zeitgeschichte

Sabine Wolf blättert in Unterlagen in der Brigitte-Reimann-Begegnungsstätte.
Sabine Wolf blättert in Unterlagen in der Brigitte-Reimann-Begegnungsstätte. FOTO: K. Demczenko/dcz1
Hoyerswerda. Christa Wolf hat neben Büchern rund 15 000 Briefe geschrieben. 483 davon finden sich in dem Buch "Christa Wolf – Briefe von 1952 bis 2011 – Man steht bequem zwischen allen Fronten" wieder. dcz1

Sabine Wolf, stellvertretende Direktorin des Archivs der Akademie der Künste Berlin und Leiterin des dortigen Literaturarchivs, hat sie ausgewählt. Sabine Wolf - übrigens nicht verwandt mit der Schriftstellerin - sprach bei der jüngsten Veranstaltung des Hoyerswerdaer Kunstvereins im Zoocafé "Sambesi" über ihr Buch.

Die veröffentlichten Briefe zeigen die Entwicklung im Leben und Schreiben Christa Wolfs. Sabine Wolf las in Hoyerswerda einige Texte, von denen einer im Zusammenhang mit der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976, gegen die Christa Wolf und ihre Kollegen offen protestiert hatten, an Staatschef Erich Honecker ging. Die Ansichten der Autorin kollidierten seit den späten 1960er-Jahren immer öfter mit denen der DDR-Oberen, so Sabine Wolf. Christa Wolf hatte über PEN-Club-Tagungen im westlichen Ausland Kontakte zu Günter Grass und Heinrich Böll und durch Lese- sowie Lehrmöglichkeiten in der Bundesrepublik und später den USA einen anderen Blick auf die DDR. "Nachdenken über Christa T." erschien 1968 in kleiner Auflage und wurde kritisiert, weil Marcel Reich-Ranicki es gelobt hatte und der Luchterhand-Verlag das Buch 1969 druckte. Damals wusste Christa Wolf auch vom Berufsverbot ihrer tschechischen Freundin und Kollegin Franti{scaron}ka Faktorova. 1973 schrieb sie ihr: "Liebe Franci, ..., könnte Dir noch manches erzählen, was man besser beredet." Das bedeutete, so Sabine Wolf, dass die Schriftstellerin von ihrer Briefüberwachung durch die Stasi wusste.

Sie blieb im Land, während Wolfs Freunde, die Lyriker Sara und Rainer Kirsch und Künstler wie Manfred Krug nach der Biermann-Ausbürgerung ausreisten. In den 1990er-Jahren musste Christa Wolf, die vor ihrer Autorentätigkeit kurz für die Stasi gearbeitet hatte, damit umgehen, als DDR-Staatsdichterin beschimpft zu werden, sagte der Berliner Gast.

Freitagfrüh besuchte Sabine Wolf die vom Kunstverein betriebene Brigitte-Reimann-Begegnungsstätte und hörte, dass diese Autorin Christa Wolf nach Hoyerswerda geschickt hatte. So begann die über 40-jährige Freundschaft von Christa Wolf mit Martin und Helene Schmidt, den Kunstvereinsgründern. Begeistert las Sabine Wolf diesen Briefwechsel und lobte die "total verdienstvolle Arbeit" der Begegnungsstätte.