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Brezans Lebenswerk und Wirken in neuem Buch aufgearbeitet

Günter Wenk aus Driewitz lässt sich die neue Jurij Brezan-Biografie vom Autor Dietrich Scholze (r.) signieren.
Günter Wenk aus Driewitz lässt sich die neue Jurij Brezan-Biografie vom Autor Dietrich Scholze (r.) signieren. FOTO: hir1
Lohsa. Der Bautzener Literaturwissenschaftler Prof. Dr. sc. Dietrich Scholze hat als erster eine Biografie über den sorbischen Schriftsteller Jurij Brezan (1916-2006) geschrieben. Das Werk wurde jetzt im Lohsaer Zejler-Smoler-Haus vorgestellt. Etwa 25 Literaturinteressierte kamen. Heinz Hirschfeld/hir1

Autor Dietrich Scholze leitete noch vor einigen Monaten das Sorbische Institut in Bautzen. Die Lesung in Lohsa war als gemeinsame Veranstaltung zwischen dem Domowinaverlag und dem Förderverein "Zejler-Smolerhaus" vorbereitet und fand aus gutem Grund in Lohsa statt: Denn Jurij Brezan hatte für einige kurze Zeit in Lohsa gewohnt und war mehrfach auch zu Buchvorstellungen im Zejler-Smolerhaus zu Gast.

Seine Biografie über den sorbischen Schriftsteller hatte Dietrich Scholze im März auf der Leipziger Buchmesse erstmals vorgelegt. Sie erschien noch rechtzeitig zum 100. Geburtstag von Jurij Brezan in diesem Jahr.

Brezan wurde der erste sorbische freiberufliche Schriftsteller in der DDR. Er hat mit seinem Wirken die Grundlage für die Zweisprachigkeit in der sorbischen Lausitz geschaffen, denn er veröffentlichte seine Werke stets in Deutsch und Sorbisch.

Brezan war eine politisch widersprüchliche Figur. Er wurde - wie es sich für ein sorbisches Kind aus Räckelwitz gehörte - katholisch getauft, war später Ministrant, aber in der DDR auch überzeugtes SED-Mitglied. Er trat nie aus der Kirche aus. Er fand später seinen Weg zur katholischen Kirche. Noch zu Lebzeiten kaufte sich Brezan eine Grabstelle in Crostwitz. Der Schriftsteller, der bis zuletzt in Horny Hajnk, der Siedlung Dreihäuser mit elf Einwohnern lebte, verstarb am 12. März 2006 im Kamenzer Krankenhaus. 600 Trauergäste begleiteten ihn auf seinem letzten Weg in Crostwitzer Erde. Er hat noch zu Lebzeiten seine drei Enkel zu Erben bestimmt. Sein Haus in Horny Hajnk kann besichtigt werden. Die Erben sind dafür aufgeschlossen. So können Schulklassen sein Arbeitszimmer besichtigen. In dem Zusammenhang erklärte am Freitagabend Peter Thiemann, Lektor beim Domowinaverlag, dass die Domowina bereits mehrere Workshops mit jungen künftigen Literaten im Heim des verstorbenen Schriftstellers durchgeführt hat. Die hochinteressante Buchvorstellung durch den Autor Dietrich Scholze ließ den Eindruck eines exzellent recherchierten, literarischen Werkes zu. Insgesamt hatte der Autor vier Jahre für sein Buch über Jurij Brezan recherchiert.