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Lessinghaus
Braunschweiger trifft in der Lausitz wieder auf Lessing

Klaus Wiegmann zeigt die erhaltene Dachkonstruktion im Lessinghaus.
Klaus Wiegmann zeigt die erhaltene Dachkonstruktion im Lessinghaus. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Klaus Wiegmann erzählt interessante Geschichten über Amtmann Theophilus Lessing. In dessen Haus entstehen Räume für eine Tagespflegeeinrichtung. Von Katrin Demczenko

Das Festprogramm 2018 zur 750. Ersterwähnung von Hoyerswerda ermöglicht bekannteren Veranstaltern wie der Lausitzhalle und ebenso unbekanntere Gruppen wie der Adventgemeinde sich zu präsentieren. Etwas ruhig ist es derzeit im Lessinghaus in der Altstadt, das sein Besitzer Klaus Wiegmann bis September an jedem ersten Mittwoch im Monat öffnet.

In einer Ausstellung und Führungen berichtet er aus Vergangenheit und Gegenwart des 1702 von Wolf Dietrich von Beichlingen errichteten Amtshauses mit Fachwerkbau. Die Reichsfürstin Ursula Katharina von Teschen holte Amtmann Theophilus Lessing den Älteren nach Hoyerswerda, den der junge Gotthold Ephraim Lessing, später weltbekannter Dichter, besuchte. So bekam das Gebäude seinen Namen. 1892 übernahm es Carl Braun, der die Schlossbrauerei Hoyerswerda gründete und für den Betrieb einen Anbau errichtete. Jahrzehntelang wurde dort Bier gebraut, in der späten DDR-Zeit Limonade abgefüllt und 1990 musste der unrentable Betrieb schließen. Die ganze Liegenschaft Lessinghaus gehörte nun der Treuhand, die alles abreißen wollte, erzählt Klaus Wiegmann.

Er war 1991 aus Braunschweig, dem Sterbeort von Gotthold Ephraim Lessing nach Hoyerswerda gekommen und überrascht, dem Dichter in der Lausitz wieder zu begegnen. Klaus Wiegmann übernahm zunächst die Stomatologische Klinik in der Straße am Lessinghaus und baute seine Firma Wiegmann Dentaltechnik auf. Aus Neugier stieg der damals 35jährige durch den aufgelassenen Anbau ins Lessinghaus und entdeckte neben viel Schmutz ein altes Wappen der Brauerei und ein herrliches Kreuzgewölbe im Erdgeschoss. Fortan wollte er das Gebäude erhalten und fand im Hoyerswerdaer Denkmalpfleger Peter Biernath einen Mitstreiter.

Nachdem der 1994 neu gegründete Kulturfabrik-Vereien den Anbau nicht hatte übernehmen können, kaufte Wiegmann die ganze Liegenschaft Lessinghaus. Voraussetzung war, das Anwesen zu sanieren und teilweise öffentlich zu nutzen. Von 1998 bis 2002 riss er den Anbau ab und baute ihn mit Küche und Toiletten neu, um das Erdgeschoss des Lessinghauses als Gaststätte verpachten zu können. Im ersten Obergeschoss, in dem Amtmann Theophilus Lessing der Ältere gewohnt hatte, entstanden Büroräume. Vier Kammern unterm Dach waren schon früher beheizbar und dort entstehen jetzt moderne Wohnungen. Erhalten werden konnte in Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde eine hölzerne Dachkonstruktion aus dem 19. Jahrhundert, freut sich der Hausbesitzer.

Nachdem der Betrieb des Erdgeschosses als Gaststätte nicht wie erhofft funktioniert hat, wird nun der Pflegepark Fischer & Salowsky Hoy­erswerda die behindertengerecht zugänglichen Räume als Tagespflegeeinrichtung nutzen, sagt Pflegedienstleiter Eberhard Nerlich. Weitere 20 Menschen sollen, geplant ab 1. März, dort betreut werden.

Am 7. März von 14 bis 18 Uhr öffnet Klaus Wiegmann das Lessinghaus wieder und hofft auf neugierige Besucher.