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| 19:29 Uhr

Energiefabrik Knappenrode
Braunkohle-Agenten für Knappenrode

Hier wird es sein, das Herzstück der Energiefabrik. Der Besucherparkplatz vor der großen Eingangshalle ist bereits zu sehen. Auf dem Fabrikgebäude soll eine 
37 Meter hohe Aussichtsplattform entstehen, die ganzjährig barrierefrei zugänglich ist.
Hier wird es sein, das Herzstück der Energiefabrik. Der Besucherparkplatz vor der großen Eingangshalle ist bereits zu sehen. Auf dem Fabrikgebäude soll eine 37 Meter hohe Aussichtsplattform entstehen, die ganzjährig barrierefrei zugänglich ist. FOTO: LR / Anja Hummel
Knappenrode. Die Energiefabrik zeigt, wie moderne Unterhaltung mit historischen Originalen einhergehen kann. Von Anja Hummel

Schauspieler als wiederauferstandene Bergmannsleute, durchsichtige Glasplatten als Infotafeln, Lichtstrahlen als Wandbemaler: Die Energiefabrik in Knappenrode will sich bis 2020 neu erfinden und ihren „Braunkohleduft“ dabei trotzdem nicht verlieren. Wie das funktioniert? „Altes bleibt erhalten, Neues hebt sich ab“, erklärt Museumsleiterin Kirstin Zinke kurz und knapp das Konzept. Authentizität ist die große Überschrift des Zehn-Millionen-Euro-Vorhabens. Und zwar von außen wie von innen. Fassade, Türrahmen, Fensterfronten – alles bleibt erhalten. Gerade entsteht eine neue Straße inklusive Bushaltestelle vor der Pforte des künftigen Haupteinganges. Denn Verwaltung und Ausstellung ziehen in eine Fabrikhalle. Der Umbau der weitläufigen Museumslandschaft zu einer kompakten Dauerausstellung läuft in vollem Gange.

 Das neue alte Innenleben: eine Komposition aus historischen Originalen und modernster Technologie. „Wir werden ganz viel mit Licht arbeiten. Das ist ein tolles Medium“, erklärt Kirstin Zinke. Warum? „Weil man mit Licht die Flächen bespielen kann, ohne sie zu zerstören.“ So soll beispielsweise ein Besucherleitsystem direkt auf die Wände projiziert werden. „Und wir arbeiten mit durchsichtigen Glasplatten“, verrät Zinke vorab.  Nur, wenn Besucher direkt davor stehen, erscheinen darauf Informationen zur Ausstellung. Somit bleibt der Raum optisch erhalten. Interaktionen, wie die Auswahl der Sprache, werden auch möglich sein. Tschechisch, Englisch, Polnisch, Sorbisch und Deutsch werden zur Auswahl stehen.

Für echte Emotionen zwischen Förderbändern und Öfen sollen künftig „Agenten“ sorgen. „Das sind Schauspieler, die Menschen darstellen, die tatsächlich in dieser Zeit gelebt haben“, so die Museumsleiterin. Keine Kunstfiguren. Es geht um pure Authentizität, emotionale Unterhaltung und spannende Interaktion.

„Von der Fabrik bis hin zu den Figuren ist die Ausstellung nicht inszeniert“, verspricht die Leiterin eine atemberaubende Atmosphäre auf dem Areal. Bis 1993 wurden hier Briketts aus Rohbraunkohle produziert. Etwa 25 000 Menschen kommen jährlich in die Energiefabrik. Mit dem Umbau sollen die Zahlen weiter in die Höhe schnellen: 2030 wird mit 75 000 Besuchern gerechnet. Unter ihnen sollen auch immer mehr jüngere Menschen sein. „Zum Bildungsauftrag eines Museums gehört es, besonders junge Leute zu erreichen und ihnen einen Denkanstoß zu geben.“ Kirstin Zinke ist sich sicher, dass dem Energiemuseum dieser Auftrag gelingen wird. „Die Gefahr, dass man Leute mit Informationen überfrachtet, ist aber groß“, weiß die 54-Jährige. Digitale Technik soll die Gefahr bannen. Kompakte Wissensvermittler soll es geben, „eine Art Wikipedia für die Fabrik“. Über Berührungsbildschirme können Filme und Audios abgespielt werden. Wer weniger konsumieren, lieber mehr erleben möchte, läuft weiter. „Wo kann man sich in einer Produktionsstätte so frei bewegen“, fragt Kirstin Zinke. Sie hofft, dass die Besucher die Zusammenhänge der Lausitz, „warum die Dinge hier so sind, wie sie sind“, verstehen.  „Wir haben einen gesellschaftlichen Auftrag. Wir möchten mit der Fabrik unseren Teil dazu beitragen, dass man die Transformationsprozesse in der Lausitz begreift.“ Seit 2012 ist Kirstin Zinke im Team der Energiefabrik, hat die Pläne mitgestaltet,  viele Diskussionen geführt.  Ende des Jahres soll der Bau innerhalb der Fabrik starten, im Besucherinformationszentrum wird man sich durchweg über das Baugeschehen informieren können. Schon jetzt hängen große Plakat im Außenbereich, die die enormen Umgestaltungspläne erklären. Viele Leute, sagt Kirstin Zinke, hätten Angst, dass Originale verschwinden, Mauern abgerissen werden. „Aber so ist es nicht“, verspricht sie.  Auf Anmeldung bietet sie Baustellenführungen an. Der Wendehammer für Busse ist schon fertig, auf der Fabrikhalle wird demnächst eine Aussichtsplattform entstehen. 37 Meter hoch soll sie sein und einen „gigantischen Blick auf den Knappensee direkt nebenan offenbaren“, so Zinke. Beste Aussichten, all das barrierefrei und ganzjährig bei Wind und Wetter nutzbar. Von Hoyerswerda aus wird es einen Radweg direkt bis zur Energiefabrik geben, am Besucherleitsystem arbeitet die Stadt derzeit.

Bereits 2020 – pünktlich zum Jahr der Industriekultur Sachsens – soll das Museum endgültig im neuen modern-authentischen Glanz die Pforten für die Besucher öffnen. Schon am 4. Dezember wird die neue Straße eröffnet und erstmalig mit dem Namen „Werminghoff“ geschmückt. Direkt im Anschluss startet er dann, der Innenausbau. Die Zeit, bis die Braunkohle-Agenten in Persona über das Leben von damals in Knappenrode berichten, ist absehbar.

Kirstin Zinke zeigt den Entwurf für das neue Eingangs-Foyer. Es mutet futuristisch an, soll dennoch authentisch bleiben.
Kirstin Zinke zeigt den Entwurf für das neue Eingangs-Foyer. Es mutet futuristisch an, soll dennoch authentisch bleiben. FOTO: LR / Anja Hummel
Energiefabrik Knappenrode
Energiefabrik Knappenrode FOTO: LR / Anja Hummel
Energiefabrik Knappenrode: Die neue Straße soll den Namen Werminghoffstraße tragen.
Energiefabrik Knappenrode: Die neue Straße soll den Namen Werminghoffstraße tragen. FOTO: LR / Anja Hummel
FOTO: LR / Anja Hummel