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| 01:00 Uhr

Botschaft von Liebe und Erlösung

Martin Schmidt, Vorsitzender des Kunstvereins Hoyerswerda, schreibt zum jüngsten Gespräch am Kamin: Der 800-seitige Roman von Fjodor Dostojewskis „Raskolnikow“ stand auf dem Programm. Thomas Köhler

Angelika Leonhardi aus Radebeul vermittelte die Handlung erzählend und durch wohl gewählte Zitate.
Die Gliederung des Vortrags wurde unterstützt durch klassische Musik. Ruhe und Spannung bestimmten zugleich den Abend. Denn Literaturkenner zählen das Werk des russischen Schriftstellers zu den wichtigsten Kriminalromanen. Dies entspricht auch der Haltung mancher Übersetzer, die dem Buch den Titel „Schuld und Sühne“ oder „Verbrechen und Strafe“ gaben, während Dostojewskij den Namen der Hauptperson „Raskolnikow“ wählte.
Angelika Leonhardi formulierte - durchaus im Sinne Dostojewskijs, wie Auszüge aus Briefen an seinen Bruder beweisen - das Anliegen des Buches und als einen möglichen Titel: „Liebe und Erlösung“ .
Sie untermauerte ihre Haltung mit einem kurzen Abriss des Lebens des Autors, der 1849 wegen der Beteiligung an einem Aufstand gegen den Zaren in St. Petersburg zum Tode verurteilt wurde und bereits vor dem Erschießungskommando stand, als die Begnadigung zu vier Jahren Zwangsarbeit anstelle des Todes verkündet wurde. "Eine Dreiviertel stunde stand ich heute vor dem Tode, lebte mit diesem Gedanken, war ich schon in meinem letzten Augenblick. Und jetzt lebe ich noch einmal…" schrieb er an seinen Bruder.
Im Gefängnis und in der Strafkolonie lernte er viele jener Menschen kennen, die er dann in seinen Werken als "Erniedrigte und Beleidigte" beschrieb, die er wegen ihrer Haltung im Leben bewunderte. Aus diesen Erfahrungen lebt auch sein Roman "Raskolnikow".
Bewundernde Stille und in sich gekehrtes Nachsinnen folgten dem Vortrag und manchem Besucher mochte es scheinen, als wäre das milde Sonnenlicht des farbenfrohen Herbsttages in den Saal des Schlosses zurückgekehrt. Angelika Leonhardi hatte die Herzen und Sinne ihrer Zuhörer erreicht.