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| 08:46 Uhr

Land hilft bei Bekämpfung
Borkenkäferalarm in Sachsen: Schlimmster Befall seit dem Zweiten Weltkrieg

 Unter der Rinde im Kambium, dem Wachstumsgewebe vom Holz, bohren die Borkenkäfer auch in Sachsen ein Netz aus Kammern und Gängen. Hier zeigt Förster Erik Bartmann das Dilemma.
Unter der Rinde im Kambium, dem Wachstumsgewebe vom Holz, bohren die Borkenkäfer auch in Sachsen ein Netz aus Kammern und Gängen. Hier zeigt Förster Erik Bartmann das Dilemma. FOTO: LR / Rita Seyfert
Es ist laut Experten die schlimmste Massenvermehrung seit dem Zweiten Weltkrieg. Jetzt hilft Sachsen den Waldbesitzern bei der Bekämpfung des Borkenkäfers. Von Rita Seyfert

Wenn der Borkenkäfer die Rammelkammer einrichtet, ist der Baum schon dem Tode geweiht. Das Zentrum des Brutsystems befindet sich unter der Rinde im Wachstumsgewebe vom Holz. Hier begatten die Männchen ihre Weibchen und graben ihre Gänge durch die Leitungsbahnen, während der Baum stirbt.

Jetzt, Ende März, geht es wieder los - und zwar rasant. Die Borkenkäfer schwärmen aus und vermehren sich exponentiell. Ein Weibchen bringt 40, in der zweiten Generation bereits 800 Nachkommen hervor; in der dritten sind es sogar schon 16 000. Schnelles Handeln ist also gefragt. Denn der Freistaat Sachsen erlebt derzeit die größte Massenvermehrung von Borkenkäfern seit dem Zweiten Weltkrieg.

Borkenkäfer beschäftigt Waldbesitzer in Sachsen

 Löcher über Löcher: So sieht die Rinde einer Kiefer mit Borkenkäferbefall von Außen aus.
Löcher über Löcher: So sieht die Rinde einer Kiefer mit Borkenkäferbefall von Außen aus. FOTO: LR / Rita Seyfert

Fast täglich klingelt bei Förster Erik Bartmann (23) vom Revier Elsterheide das Telefon. „Die besorgten Waldbesitzer fragen, wie sie dem Borkenkäfer zu Leibe rücken können“, erzählt er. Der Westhang vom Petzerberg in Schwarzkollm ist massiv vom Borkenkäfer befallen und größtenteils abgestorben. Auf dem Kubitzberg ebenso wie in Lauta und Torno sieht es ähnlich aus.

 Im Zweifel rät Revierförster Erik Bartmann (23) immer zum Holzeinschlag. Auch in diesem Wald waren die Kiefern nicht mehr zu retten.
Im Zweifel rät Revierförster Erik Bartmann (23) immer zum Holzeinschlag. Auch in diesem Wald waren die Kiefern nicht mehr zu retten. FOTO: LR / Rita Seyfert

Während in der Region Hoyerswerda bereits leichte Panik ausbricht, hatte Försterin Annett Hornschuh vom Revier Schleife noch keine Anfrage. „Ich sehe das Problem entspannt“, sagt sie. Die Holzschäden in den Wäldern um Bad Muskau, Gablenz und Krauschwitz hielten sich demnach in Grenzen.

„Ab und zu sieht man mal eine braune Krone“, sagt sie. Ganze Wälder sind in der Region um Schleife bislang nicht betroffen. „Mit fortschreitender Vegetationszeit ist sicher mit einer Zunahme zu rechnen.“

 Diese Kiefer ist dem Untergang geweiht. Mehr als die Hälfte der Nadeln in der Baumkrone sind schon bräunlich, einige fallen bereits aus.
Diese Kiefer ist dem Untergang geweiht. Mehr als die Hälfte der Nadeln in der Baumkrone sind schon bräunlich, einige fallen bereits aus. FOTO: LR / Rita Seyfert

Frischer Borkenkäferbefall nicht sofort erkennbar

Ein frischer Borkenkäferbefall lässt sich nicht sofort erkennen. Allerdings gibt es bestimmte Hinweise. Einbohrlöcher und erhöhter Harzfluss können Indizien dafür sein, aber auch vom Specht abgeschlagene Rinde oder braune Nadeln.

„Erst werden die Nadeln immer heller, gelber, irgendwann sind sie braun.“ Waldbesitzer können ihre Bäume kontrollieren. Ein Blick mit dem Fernglas zeigt, ob der Baum im Wipfel vermehrt Harz absondert.

„Befallene Bäume mit intakter Rinde sollten jedoch sofort raus“, darüber sind sich die Förster einig. Bereits komplett trockene, tote Bäume sind als Brutmaterial unattraktiv und können liegen bleiben. Gesunden Bäumen können die Borkenkäfer nichts anhaben. Doch der Geruch von geschwächtem Holz lockt sie an.

Ideale Bedingungen für den Borkenkäfer

Trockenheit, Hitze, aber auch starke Unwetter setzen den Bäumen zu. Orkantief „Friederike“ im Januar 2018 war der Beginn des Übels. Der viel zu heiße und trockene Sommer im vergangenen Jahr, aber zuletzt auch Sturm „Eberhard“ schufen ideale Bedingungen für den Borkenkäfer.

Um die weitere Verbreitung einzudämmen, werden Sachsens Waldbesitzer ab sofort mit Fördermitteln bei der Borkenkäferbekämpfung unterstützt.