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| 13:50 Uhr

Elsterheide und Spreetal
Der Borkenkäfer ruiniert den Holzmarkt

 Für die Papierindustrie eigentlich viel zu schade: Rolf Schlichting (40), Revierleiter der unteren Forstbehörde im Landkreis Bautzen, zeigt das gute Bauholz, das jetzt ins Zellstoffwerk nach Stendal geht.
Für die Papierindustrie eigentlich viel zu schade: Rolf Schlichting (40), Revierleiter der unteren Forstbehörde im Landkreis Bautzen, zeigt das gute Bauholz, das jetzt ins Zellstoffwerk nach Stendal geht. FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Der Borkenkäfer frisst den Wald um die Gemeinden Elsterheide und Spreetal. Die Waldbesitzer sind am Ende, denn die Plage treibt den Holzpreis in den Keller. Nun droht der Lausitz die große Holzkrise. Von Rita Seyfert

Fast täglich zeichnet Förster Rolf Schlichting (40) neue schwarze Kreuze in seine Landkarte. Damit markiert er die Flurstücke, in denen er Borkenkäfer entdeckt hat. „Noch sehen die Punkte aus wie schrotschussartige Befallsherde“, sagt er. Doch wenn man jetzt nicht handelt, könnten in sechs Wochen ganze Flächen befallen sein.

Zahlen belegen, dass es sich um die schlimmste Massenvermehrung seit dem Zweiten Weltkrieg handelt. „Normalerweise bekommt der Rindenbrüter pro Jahr nur ein bis zwei Generation durch“, so Schlichting.

Doch im Hitze-Sommer 2018 brütete der Borkenkäfer teils vier Mal und vermehrte sich exponentiell. Während ein Weibchen 40 Nachkommen hervorbringt, sind es in der zweiten Generation bereits 800; und in der dritten sogar schon 16 000.

Borkenkäfer-Plage 2019 noch schlimmer als im Vorjahr

Eine gesunde Kiefer hat eigentlich genug Wasser, um Harz zu produzieren. In dem klebrigen, giftigen Wundverschlussmittel würde der Borkenkäfer ertrinken, sobald er sich in den Stamm bohrt. Doch wegen des mangelnden Regens im Frühjahr trotzen die Borkenkäfer inzwischen auch dieser Barriere. Deswegen könnten wir 2019 sogar noch schlechter dastehen als im Vorjahr, fürchtet Forstmann Schlichting.

 Winzig, gefräßig und robust: Borkenkäfer legen ihre Eier unter der Rinde. Schon nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven.
Winzig, gefräßig und robust: Borkenkäfer legen ihre Eier unter der Rinde. Schon nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven. FOTO: LR / Rita Seyfert

Schnelles Handeln ist also gefragt. Die befallenen Bäume müssen so schnell wie möglich aus dem Wald. „Jede Maßnahme ist jetzt besser als gar keine“, sagt Förster Schlichting. Als Revierleiter der unteren Forstbehörde im Landkreis Bautzen ist er derzeit fast täglich im Wald rund um die Gemeinden Elsterheide und Spreetal unterwegs. Die braunen Baumwipfel, erzählt er, seien oft schon aus dem Autofenster sichtbar.

Bestätigt sich der frische Borkenkäfer-Befall, dann muss der Waldbesitzer das Schadholz laut forstpolizeilicher Allgemeinverfügung entfernen. Haben die Rindenbrüter gerade erst Eier abgelegt, bleiben dafür sechs Wochen Zeit. Zeigen sich beim Schälen der Rinde jedoch schon größere, weiße Larven, dann muss das Holz binnen vier Wochen aus dem Wald.

Feuerwehr Tätzschwitz im Einsatz gegen Borkenkäfer-Plage

Wenn der Waldbesitzer nicht aktiv wird, dann vergibt der Landkreis den Auftrag an eine Firma. Die Kosten trägt der Waldbesitzer. Das Ausmaß dieses Verwaltungsverfahrens ist enorm. Allein aus der Gemeinde Elsterheide fließen gerade 10000 Festmeter Holz ab. Ziel sei es, so Schlichting, die Borkenkäfer-Population zu drücken.

 Da fliegen die Holzspäne. Thomas Kittel (52), Forstwirt vom Landkreis Bautzen, zersägt den Kiefernstamm in kurze Stücke. Das Holz soll austrocknen, damit der Borkenkäfer stirbt.
Da fliegen die Holzspäne. Thomas Kittel (52), Forstwirt vom Landkreis Bautzen, zersägt den Kiefernstamm in kurze Stücke. Das Holz soll austrocknen, damit der Borkenkäfer stirbt. FOTO: LR / Rita Seyfert

Auch die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr Tätzschwitz haben sich der Sache bereits angenommen. Die Jungs leisten Nachbarschafthilfe mit der Kettensäge. Je kleiner die Stücken, umso schneller kann das Holz abtrocknen und die Borkenkäfer sterben.

Im Gegensatz zum klein gesägten Brennholz trocknen die Zwei-Meter-Stämme in den Poltern wesentlich länger. Je nach Holzlänge und Feuchtigkeitsgrad würde das Holz den Borkenkäfern für mindestens zwei oder drei weitere Generation als Brutstätte dienen. Deshalb müssten die Baumstämme eigentlich so schnell wie möglich ins Sägewerk. Doch dort lagert schon das billigere Holz aus der Slowakei.

Holzpreis sinkt drastisch, Waldbesitzer sind am Ende

Die Holzlager sind voll, die Kapazitäten der Holzwirtschaft längst erschöpft. Seit 2017 fielen europaweit etwa 120 Millionen Festmeter Schadholz an. Allein in Sachsen verdoppelte sich der Holzschlag durch Stürme, Schneebruch, Trockenheit und den Borkenkäfer auf 4,2 Millionen Kubikmeter.

Der Holzmarkt ist gesättigt, der Holzpreis im Keller. Vor zwei Jahren lag der Raummeter-Preis bei 23 Euro, dieses Jahr bei 18 Euro. Allerdings gebe es inzwischen auch schon Dumping-Angebote für fünf Euro.

„Die Waldbesitzer sind am Ende“, sagt Revierleiter Schlichting. Der Holzeinschlag sei defizitär. Durch den Verkauf werden kaum noch die Kosten für den Harvester gedeckt.

Alternativen gibt es durchaus. Denn die Lebensbedingungen der Borkenkäfer lassen sich nicht nur durch Austrocknen verschlechtern, sondern auch durch Beregnen. Dadurch würde der Käfer verschimmeln.

In Sachsen-Anhalt, Bayern und Baden-Würtemberg wurden bereits erste Nasslager-Plätze eingerichtet. Eine Möglichkeit dafür gäbe es, so Schlichting, auch in Schwarze Pumpe auf dem Gelände der Leag. Bislang blieb es aber nur bei der Idee.