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| 17:24 Uhr

Prozess um Bluttat von Bautzen
Mörder ihrer Tochter bat: „Stich mir in den Kopf“

 Der Angeklagte hält sich eine Akte vor das Gesicht. Gegen den 33-Jährigen wird am Landgericht Görlitz wegen Mordes an seiner Freundin verhandelt.
Der Angeklagte hält sich eine Akte vor das Gesicht. Gegen den 33-Jährigen wird am Landgericht Görlitz wegen Mordes an seiner Freundin verhandelt. FOTO: LR / Stephan Meyer
Bautzen/Görlitz. Sie fand ihre tote Tochter blutend in der Badewanne – und deren mutmaßlichen Mörder. Zum Prozessauftakt um die Bluttat von Bautzen hat nun erstmals die Mutter des Opfers ihre Erlebnisse geschildert. Von Stephan Meyer

Vergangenen November wurde die 30-jährige Elisa H. von ihrer Mutter Sylvia H. leblos und blutüberströmt in der Badewanne ihrer gemeinsamen Wohnung in Bautzen gefunden. Nun begann am Landgericht Görlitz die Verhandlung gegen den Beschuldigten Marcus W. – den damaligen Lebensgefährten von Elisa

Die Erinnerung an das Geschehen bedrückt Sylvia H. so sehr, dass sie während der Verlesung der Anklageschrift den Gerichtssaal kurzzeitig verlassen muss. Auch als sie sich als Zeugin zum Sachverhalt äußern soll, zögert sie zunächst, sagt sie könne das nicht. Dann rafft sie sich auf, beantwortet Fragen zu dem Tag, an dem ihre Tochter Elisa gewaltsam zu Tode kam sowie zum Zusammenleben mit deren Lebensgefährten, den Beschuldigten Marcus W.

Erst fand sie den blutenden Lebensgfährten

Sylvia H. (50) erzählt, sie sei an einem Mittwochabend Anfang November von ihrer Arbeit nach Hause gekommen. Durch die Glasscheibe ihrer Wohnungstür sah sie, dass Licht im Flur brannte. Dort fand sie Marcus W., den Lebensgefährten ihrer Tochter Elisa, blutüberströmt auf dem Boden liegen. Sofort hatte sich den Verdacht: „Der Marcus hat sich wieder einmal die Pulsadern aufgeschnitten“.

Schnell griff sie zum Telefon, rief den Notruf an. Währenddessen ging sie ins Bad und machte die nächste schreckliche Entdeckung. Auch ihre Tochter war bewusstlos, sie lag in der Badewanne, ebenfalls blutüberströmt. Sylvia H. versuchte, sie wiederzubeleben. Das blieb jedoch erfolglos. Später eintreffende Notärzte konnten nur noch ihren Tod feststellen. Jedoch kam Marcus W. zu Bewusstsein, der Sylvia H. kurz darauf bittet „Stich mir in den Kopf“.

Marcus W. versuchte, sich das Leben zu nehmen

Die Staatsanwaltschaft legte dem zum Tatzeitpunkt 32-Jährigen zur Last, Elisa H. getötet zu haben. Marcus W. hatte offenbar versucht, sich nach der Tat das Leben zu nehmen. Der eintreffende Notarzt konnte den Tatverdächtigen erfolgreich reanimieren. Marcus W. musste daraufhin unter Polizeibewachung ins Krankenhaus gebracht werden. Schon gegen die Rettungsversuche der Sanitäter wehrte er sich mit allen Kräften – er wurde daher mit Fesseln fixiert.

Die Staatsanwaltschaft hat am Dienstagnachmittag gegen den Beschuldigten ein Sicherungsverfahren mit dem Ziel eröffnet, ihn in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Er soll seine Lebensgefährtin mit mindestens 15 Messerstichen, vorwiegend in Kopf- und Halsbereich, getötet haben. Weil das Opfer arg- und wehrlos gewesen sei, sei das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt.

Marcus W. kann sich nicht erinnern

Da Marcus W. unter einer paranoiden Schizophrenie leidet, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass er wegen seiner Erkrankung nicht zu einer Strafe verurteilt werden könne. Dennoch sei er für die Allgemeinheit gefährlich und müsse daher in einem Krankenhaus untergebracht werden.

Zum Auftakt der Verhandlung wollte sich Marcus W. nicht zur Sache äußern. Seine Verteidigerin gab ein Statement ab, dass ihr Mandat keine Erinnerung an die Tat habe, es ihm jedoch leid tue und er auf ewig mit der Schuld leben müsse.