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| 17:05 Uhr

Naturschutz
Tote Lausitzer Seeadler sind oft bleivergiftet

Hoyerswerda. Das ergibt eine Untersuchung von Naturschutz-Experten und Wissenschaftlern. Die Jäger sind dagegen skeptisch.

Innerhalb von zwölf Jahren sind in Sachsen 55 tote Seeadler intensiv untersucht worden. Bei 44 Prozent der Vögel hat eine Bleivergiftung zu ihrem Ableben geführt. Diese Zahl ist das Resultat einer umfangreichen Untersuchung des Leibniz-Institutes für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) unter Betreuung der Sächsischen Vogelschutzwarte Nesch­witz unter Federführung des sächsischen Umweltministeriums. Fast alle Tiere, so sagt Dr. Joachim Ulbricht von der Vogelschutzwarte, stammen aus der Oberlausitz, wo der allergrößte Teil der Seeadler im Freistaat lebt. Aktuell gibt es in Sachsen 80 bis 90 Brutpaare, 60 bis 70 davon in der Oberlausitz, Tendenz leicht steigend.

In früherer Zeit waren in der Jägerschaft bleihaltige Schrotgeschosse gang und gäbe. Durch die von den Waidmännern häufig zurückgelassenen Innereien von Enten, Gänsen und Co. gelangte das Schwermetall in die Mägen der Seeadler. Dort sorgt Blei für die typischen Vergiftungserscheinungen. Nach Gesetzesänderungen ist für die Wasserjagd nur noch bleifreie Munition erlaubt, sagt Thomas Markert, Vizepräsident des Landesjagdverbandes Sachsen. Stattdessen verwenden die Jäger nunmehr Stahlschrot. Dieser habe allerdings weniger Durchschlagskraft. Die Innereien geschossener Wildtiere, waidmännisch als Aufbruch bezeichnet, würden nunmehr im Boden vergraben, um ein Auffressen durch Seeadler und andere Aasfresser zu verhindern.

Doch da gibt es immer noch die bleihaltigen Büchsengeschosse, die sich nach wie vor im jagdlichen Gebrauch befänden. Die Vogelschützer bemühen sich indes um deren Verbot. Allerdings, so stellt Joachim Ulbricht klar, machten die Adler nicht vor den Grenzen nach Polen und Tschechien halt, wo bleihaltige Geschosse noch immer an der Tagesordnung seien. Die Jäger sehen das Problem indes anders. „Dazu gibt es unterschiedliche Ansichten“, kommentiert Thomas Markert. Viele Waidmänner hielten die Thematik für „hochgespielt“.

Darüber hinaus haben die Wissenschaftler vom Berliner IZW weitere Todesursachen bei den Seeadlern ermittelt. Platz zwei nähmen unbekannte Faktoren ein, Rang drei Revierkämpfe der Tiere. Dann folge bereits die Eisenbahn. Mit zwei Prozent sei der Anteil der Windräder an der Todesrate verhältnismäßig niedrig.

Laut Joachim Ulbricht wird das Forschungsprojekt fortgesetzt. Seeadler gehören zu den größten Raubvögel Mitteleuropas. Sie stehen unter strengem Naturschutz.