Lars Eibisch, Mathias Bielich und Thomas Berndt besuchen sich einmal im Monat gegenseitig, wobei die Gastgeberschaft stets wechselt. Die Leiter des Ausländeramtes, des Jobcenters sowie der Arbeitsagentur Bautzen kommen zusammen, um ein wichtiges Thema zu besprechen: Wie gelingt es, möglichst viele Migranten mit einem bestätigten Aufenthaltsstatus in den Arbeitsmarkt zu integrieren?

"Es sagt sich so einfach, dass die vielen Zuwanderer dabei helfen können, den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Bis das allerdings tatsächlich zutrifft, ist es ein weiter Weg", erklärt Mathias Bielich, Leiter des Jobcenters Bautzen. Denn die übergroße Mehrheit der Menschen, die tagtäglich in Deutschland eintreffen, verfüge nicht über die Voraussetzungen, um hier einer qualifizierten Tätigkeit nachzugehen.

Dies beginne schon bei der grundlegendsten Voraussetzung - der Sprache. Deshalb besteht die vordringlichste Aufgabe darin, möglichst vielen Migranten zumindest grundlegende deutsche Sprachkenntnisse zu vermitteln.

"Wir haben dazu alle infrage kommenden Bildungsträger angesprochen und erreicht, dass derzeit 900 Menschen an einem Sprachkurs für die Stufe A1 teilnehmen können", berichtet der Leiter der Arbeitsagentur Bautzen, Thomas Berndt. "Das ist immerhin knapp die Hälfte der erwachsenen Zuwanderer." Dieser Abschluss bedeute, dass sich die Absolventen in alltäglichen Situationen verständigen können. Als Voraussetzung für eine berufliche Tätigkeit genüge er jedoch bei Weitem noch nicht.

Die nächsten Schritte sind die Vermittlung weitergehender Sprachkenntnisse sowie ein "Profiling". "Darunter verstehen wir die Ermittlung der Fähigkeiten und Kenntnisse, die ein Migrant für eine mögliche berufliche Tätigkeit mitbringt", erläutert Mathias Bielich. Erst danach käme eine betriebliche Ausbildung in Betracht.

Wie eng dieser "Flaschenhals" ist, zeigen die nackten Zahlen: Laut Thomas Berndt verfügen derzeit 30 Personen über Sprachkenntnisse, die einen beruflichen Einstieg ermöglichen könnten. 25 suchen bereits gezielt nach einer Ausbildungsstelle. Vier junge Migranten werden ab September eine betriebliche Ausbildung antreten. "Weniger als 20 Unternehmen" haben demnach ihre Bereitschaft bekundet, junge Zuwanderer auszubilden, wobei diese Zahl "seit den Ereignissen von Köln in der Silvesternacht zurückgegangen ist."

Ein System der überbetrieblichen Ausbildung, wie es in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit in der einheimischen Bevölkerung etabliert war ("Umschulung"), scheitere an den fehlenden Kapazitäten: "Die infrage kommenden Bildungsträger sind alle ausgebucht."

Nicht einfacher wird die Aufgabe der Behördenchefs und ihrer Mitarbeiter angesichts der Tatsache, dass mit der Zuerkennung eines Aufenthaltsstatus die Zuständigkeit wechselt: "Sobald dieser Status vorliegt, wechselt der Betreffende in den Rechtskreis des Sozialgesetzbuches und kommt damit aus der Zuständigkeit der Arbeitsagentur in die des Jobcenters", erläutert dessen Leiter Mathias Bielich.

Immerhin konnte durch die enge Zusammenarbeit erreicht werden, dass begonnene Maßnahmen von der Arbeitsagentur "durchfinanziert" werden. "Die Integration von Migranten ist noch immer eine freiwillige Aufgabe, der sich der Landkreis Bautzen mit der Bildung des entsprechenden Sachgebietes vor etwa einem Jahr gestellt hat", betont der Leiter des Ausländeramtes, Lars Eibisch.