| 02:40 Uhr

Biosphärenreservat erhält für weitere zehn Jahre Unesco-Titel

Musik gehört zum bunten Programm des Herbst-Naturmarktes in Wartha. Der findet am Sonnabend statt.
Musik gehört zum bunten Programm des Herbst-Naturmarktes in Wartha. Der findet am Sonnabend statt. FOTO: Karsten Nitsch
Wartha. Die Urkunde wird während eines Festaktes im Rahmen des Herbst-Naturmarktes in Wartha überreicht. Bereits am Freitagabend gibt es ein Konzert. red/dh

Der traditionelle Herbst-Naturmarkt im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ist am Sonnabend, 9. September, im Malschwitzer Ortsteil Wartha zu erleben.

Bereits am Vorabend, 8. September, erklingen im Festzelt ab 19 Uhr klassische Werke sorbischer, tschechischer und deutscher Komponisten. Das von Liana Bertok konzipierte Eröffnungs-Konzert trägt den doppelsinnigen Titel "Zeitenwende - W zmìnje èasow". Einerseits steht er für den im September stattfindenden Jahreszeitenwechsel, andererseits zeigt er die Verwandlung der Musik über vier Jahrhunderte, erklärt Mareen Kuhn vom Biosphärenreservat. Es erklingen Werke von Jan Paul Nagel, Detlev Kobjela, Bjarnat Krwac, K. A. Kocor. Der Eintritt ist frei.

Für Samstag, 10 bis 17 Uhr, laden die Biosphärenreservatsverwaltung, die Domowina (Bund Lausitzer Sorben e.V.) mit dem Sorbischen Heimatverein Radi{scaron}ka sowie Händler, Handwerker und Vereine zum bunten Markttreiben ein.

"An diesem Tag gibt es viele Gründe zum Feiern", so Torsten Roch, Leiter der Reservatsverwaltung: "Der Deutsch-Sorbische Herbst-Naturmarkt jährt sich zum 20. Mal, das Reservat erhält für weitere zehn Jahre den Titel Unesco-Biosphärenreservat und das Haus der tausend Teiche bekommt ein Fassaden-Logo in sorbischer Sprache. Ich freue mich sehr, Staatsminister Thomas Schmidt und das Man-and-Biosphere-Nationalkomitee, vertreten durch Margret Brahms, hier in Wartha begrüßen zu dürfen."

Bei einem Festakt um 13 Uhr wird Margret Brahms dem sächsischen Umweltminister Thomas Schmidt die Unesco-Anerkennungsurkunde für eine erfolgreiche Evaluierung übergeben. Anschließend enthüllt er gemeinsam mit David Statnik, Vorsitzender der Domowina, den sorbischen Schriftzug "Informacija Dom Tysac Hatow" an der Fassade des Informationszentrums.

Mehr als 70 Händler bieten ein breites Angebot regionaler Produkte und lassen sich bei deren Herstellung über die Schulter schauen. Dabei werden traditionelle Handwerkstechniken wie Drechseln, Sensendengeln, Töpfern und Spinnen vorgestellt. Ein Sattler aus Bautzen präsentiert die Herstellung von sorbischem Osterreiterzaum und die dazu gehörigen Stahl- und Messingverzierungen. Eine Trachtenschneiderin aus Räckelwitz entführt den Marktbesucher in die Welt der sorbischen Bräuche. Die Sorbische Kulturinformation aus Schleife präsentiert sich unter anderem mit Blaudrucken.

Bei der Apfelsorten- und Pilzausstellung können Besucher mitgebrachte Früchte bestimmen lassen. Die Fotoausstellung "20 Jahre Herbst-Naturmarkt" spannt den Bogen vom ersten Warthaer Naturmarkt im Jahr 1998 bis heute.

Auf der Bühne im Festzelt können die Gäste ein buntes Kulturprogramm erleben. Um 11.30 Uhr beginnt das Programm "Kinderlieder Stickel & Schulze". Präsentiert werden moderne Kinderlieder mit Gesang und Gitarre zum Thema "Regenbögen, Wind, Sonne, Mond". Ab 14 Uhr tritt die Sorbische Kinder- und Volkstanzgruppe aus Schmerlitz auf.

Für die kleinen Gäste gibt es Mitmachangebote wie Basteln, Kinderschminken, Reiten und eine Hüpfburg. Am Infostand der Reservatsverwaltung dürfen sich die Abenteuerlustigen zusammen mit dem Team von Geotrail (Klettergarten am Bautzener Stausee) beim Kistenklettern ausprobieren.

Für das leibliche Wohl sorgen Bäckereien, Fleischereien und Hofläden von Land- und Fischwirten aus der Oberlausitz. Zudem erhalten alle Besucher kostenfreien Eintritt in die multimediale Ausstellung im Haus der tausend Teiche.

Zum Thema:
Das Unesco-Biosphärenreservat präsentiert exklusiv zum Herbst-Naturmarkt das neue Bier aus alten Sorten: das "Oberlausitzer Heidebräu". Entstanden ist die Idee aus einem besonderen Projekt heraus, bei dem der Anbau und die Verwendung alter Braugerste-Sorten im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft im Fokus stehen, wie dieses mitteilt. Hier werden seit 2007 alte Getreidesorten wie "Jägers Norddeutscher Champagner-Roggen" angebaut und verwendet. Das von der Biosphärenreservatsverwaltung initiierte Projekt diene der Förderung der Vielfalt in Landwirtschaft und Ernährung. Den Akteuren gehe es um die Unterstützung der Landwirte und Braumeister bei der Erzeugung von regionalen Spezialprodukten aus begrenzt verfügbarem Saatgut. So würden heute wieder alte Sorten angebaut und verarbeitet - ein geschlossener Kreislauf vom Anbau über Verarbeitung bis zur Vermarktung sei entstanden. Das Besondere an den alten Sorten: Sie seien anspruchslos an Boden und Klima, vertrügen zum Teil Trockenheitsstress besser und böten ein volles Geschmackserlebnis durch eine reichhaltige Palette an Aromen und einem höheren Eiweißgehalt. Die derzeit im Reservat angebauten Braugerste-Sorten seien "Heines Goldthorpe" und "Dr. Francks Grannenabwerfende Imperialgerste" - sie sollen 2018 getestet werden. Das "Oberlausitzer Heidebräu" wurde aus der Chevallier-Gerste gebraut, einer Sorte, die künftig auch im Biosphärenreservat angebaut werden soll. Partner-Brauereien des Projekts seien Brauhaus Obergurig und die Bautzener Brauerei.