„Als bei den DDR-Bürgern große Mode wurde, den Keller zum Party-Raum umzubauen, haben wir Balken angefertigt“ , erinnert sich Dr. Hans-Joachim Jeschke. Die sahen Holz täuschend ähnlich und waren so leicht, dass die handwerkliche Arbeit - zumindest, was das Gewicht betraf - zum Kinderspiel wurde. „Schaumstoffe sind außerordentlich beständig, bruchsicher und verrottungsfest - ein idealer Werk stoff für den Innenausbau“ , resümiert der Experte. Der große Vorteil: Auf Zwei-Komponenten-Basis wurde er erst auf der Fertigungsmaschine für das jeweilige Produkt als Kunststoff hergestellt.
Natürlich gab's auch Bar-
Tische und -Stühle in „SYS-pur“ . „Kühlschränke und -truhen ohne Polyurethan-Isolierung existieren praktisch nicht“ , klärt der Verfahrenstechniker über eine weitere der vielen Einsatzmöglichkeiten auf. Feder-Elemente für Autos, Kopfstützen und Lenkräder ( „Jeder, der einen Trabi sein Eigen nennen konnte, wollte eins haben.“ ), Spritzguss-Artikel und Blumentöpfe - „wir konnten alles herstellen. Nur Kunden mussten wir haben“ , plaudert Hans-Joachim Jeschke aus dem Nähkästchen. Das staatlich festgelegte Soll von fünf Prozent an Konsumgütern (gemessen an der jährlichen Warenproduktion im Betrieb) war für das Synthesewerk überhaupt kein Problem, sagt der ehemalige Kombinatsdirektor. „Wir hatten ja Polyurethane“ , erklärt er viel sagend. Im Wert von 100 Millionen Ost-Mark wurden auch sofort verkaufsfähige Produkte hergestellt. Jeweils ein Drittel für den West-, den Ost- und den DDR-Markt. Sie gingen weg wie warme Semmeln.
„Anfang der 80er-Jahre haben wir begonnen, Gehäuse für Barometer zu produzieren“ , erzählt Jeschke. Holz war knapp. Dem sächsischen Hersteller der Messgeräte fehlten die sicheren Hüllen. „Auch unsere Messwarten hatten die Instrumente“ , erinnert sich Jeschke. „Da haben wir die Gehäuse eben aus Polyurethan gemacht. Das war ein super Geschäft zum gegenseitigen Vorteil“ , schätzt er ein.
Kurzlebige Konsumgüter gab es bekanntlich kaum. Die Wegwerf-Gesellschaft überrollte den ostdeutschen Normal-Bürger erst nach Öffnung der Grenzen. Zur Fußpflege wurden - als Bimsstein-Ersatz - Hartschwämme auf den Markt gebracht, „die in Unmengen verkauft wurden“ . Das unverwüstliche Material hat eine viel feinere Struktur als heute wieder aktuelle
Hygiene-Artikel der Art. „Und es eignet sich auch hervorragend, um die Autoscheiben vom Fliegendreck zu befreien“ , nennt Jeschke - durchaus ernst gemeint - einen weiteren praktischen Wert. (KaWe)