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| 01:03 Uhr

Bildungslandschaft im Umbruch

Hoyerswerda.. Der demographische Wandel vollzieht sich in Hoyerswerda noch schneller, als vor drei Jahren angenommen.

Weil die Zahl der Schüler rascher als erwartet sinkt, weil Wohngebiete großflächiger als angenommen zurückgebaut werden, hat die Stadt jetzt - zwei Jahre früher als geplant - ihre Schulnetzplanung überarbeitet. Das Ergebnis hat der Stadtrat am Dienstagabend einstimmig beschlossen: Die Ebert-Mittelschule und die Erich-Kästner-Grundschule sollen in den nächsten Jahren geschlossen werden.
Die Schülerzahlen, das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Insek) und die materielle Ausstattung der Schulen - das sind die drei großen Kriterien, die bei der Fortschreibung der Schulnetzplanung als Messlatte angelegt wurden. Dass zügig Entscheidungen gefällt werden, war Bildungsbürgermeister Thomas Delling wichtig, denn: „Man kann kaum rechtfertigen, dass wir Geld in Schulen stecken, die wir dann nicht mehr brauchen.“ Planungssicherheit sollte her und so kamen insgesamt 19 Schulen in der Stadt auf den Prüfstand.

Investitionsstau in der Schule
Die Kästner-Grundschule fiel auf. Zum einen herrsche an der Einrichtung „Investitionsstau“ , so Delling. Vieles müsste erneuert werden, aber das Geld fehlt. Zum anderen seien an keiner anderen Schule die Betriebskosten pro Schüler höher als an der Einrichtung im WK X, erklärte Delling. Dritter Punkt: Laut Insek ist vorgesehen, weite Teile des WK X, IX und VIII zurückzubauen. Dadurch gehen der Schule wesentliche Teile ihres Einzugsbereiches verloren. Trotz Schließungsplänen für Juli 2009: „Wir wollen der Schule die Chance geben, bis zu diesem Zeitpunkt Schüler aufzunehmen“ , betonte Delling. Aus diesem Grund werde man die Zügigkeit an anderen Grundschulen reglementieren. Die Möglichkeit, dass die Kästner-Schule doch nicht geschlossen werden muss, wenn sich - wider Erwarten - die Zahl der Kinder in Hoyerswerda erhöhen sollte, wollte Delling nicht unerwähnt lassen. „Dann wäre es durch die vorzeitige Fortschreibung der Schulnetzplanung möglich, die Schule weiterzuführen“ , erklärte der Bürgermeister.

Problem: Randlage
Mit den Folgen ihrer Randlage hat auch die Ebert-Mittelschule zu kämpfen. „Wegen ihrer Größe ist sie ein sehr hoher Kostenfaktor bei den Betriebskosten“ , erklärte Delling. Mit den derzeitigen Schülerzahlen sei das Gebäude nicht mehr ausgelastet. Die Mittelschüler sollen nach derzeitigen Plänen vorrangig auf die 1. Mittelschule „Am Stadtrand“ , einige Klassen möglicherweise aber auch auf die 3. Mittelschule „Am Planetarium“ aufgeteilt werden.
Keine Einschnitte sieht die Schulnetzplanung bei den Gymnasien vor. „Ich würde Chancen sehen, dass es uns gelingt, drei Gymnasien zu erhalten“ , erklärte Delling. Wichtig sei aber, dass sich die Schulen durch Profilbildung ein eigenes Standbein sicherten. Da es das Sprachprofil bereits am Foucault-Gymnasium und Johanneum gebe, „sehen wir keinen Sinn darin, dass das vom Lessing-Gymnasium auch noch eingeführt wird“ , erteilte Delling eine Absage.

Gemeinsame Führung geplant
Die beiden Beruflichen Schulzentren (WK X und Ratzener Straße) sollen erhalten bleiben, aber „näher zusammenrücken“ . Die räumliche Trennung beider Einrichtungen soll vorerst beibehalten werden - auch wenn der Schulleiter des Zuse-BSZ die Leitung des BSZ II mit übernehmen soll, wenn der dortige Leiter seinen Ruhestand antritt. (ck)

Zum Thema Die Veränderungen
 Folgende Veränderungen sind im Schulnetzplan festgeschrieben:
Die Friedrich-Ebert-Mittelschule an der Herrmannstraße in Hoyerswerda wird zum 31. Juli 2007 geschlossen. Ab kommendem Schuljahr soll keine neue fünfte Klasse mehr gebildet werden.

Die Erich-Kästner-Grundschule wird zum 31. Juli 2009 geschlossen. Ab dem Schuljahr 2008/09 werden dort keine Abc-Schützen mehr eingeschult.

Das Berufliche Schulzentrum II (Ratzener Straße) wird zum Schuljahr 2007/08 seinen Standort in das Gebäude der derzeitigen 6. Mittelschule verlegen.