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Lausitzer Seenland
Mühseliger Weg zum Badestrand

Die erste Badesaison am Scheibe-See ist Geschichte.
Die erste Badesaison am Scheibe-See ist Geschichte. FOTO: Catrin Würz / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Hoyerswerda. Ende Oktober endet in Hoyerswerda wieder die offiziell genehmigte Zwischennutzung des Strandbereiches am Scheibe-See. Die allererste Badesaison hat zumindest eine Menge Erfahrungen für die Stadt gebracht.

Sie war kurz und nicht besonders heftig – aber sie war da: Zum ersten Mal gab es am Scheibe-See in diesem Jahr eine offizielle Badesaison.  Ab Mitte August wurden 140 Meter Strand ganz regulär für Sonnenanbeter und Badefreunde geöffnet. Zwar ist die Saison in diesen kühlen herbstlichen Tagen nun schon rein wettertechnisch längst Geschichte. Aber erst am 31. Oktober endet dann auch diese erstmals behördlich erteilte Genehmigung zur öffentlichen Nutzung des Strandbereiches. Am 1. November erlischt die Zwischennutzung wieder. Und wer nach diesem Datum seinen großen Zeh in die Fluten hält, tut das wieder illegal.

Denn noch steht das Gewässer, das einmal Hoyerswerdas Haussee werden soll, unter Bergrecht und in Verantwortung der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV). Zwar hat der Bergbaufolgesee vor fünf Jahren seinen endgültigen Wasserstand erreicht, war seitdem jedoch ohne Nutzung. Für eine erste Eröffnung des Badestrandes hatte das Hoyerswerdaer Rathaus ziemlich lange Anlauf nehmen müssen. Schon 2016 war der Antrag auf Zwischennutzung bei der Landesdirektion Dresden gestellt worden. „Damals bekamen wir eine lange Liste mit Maßnahmen zurück, die für eine Öffnung nötig waren“, erinnert sich Dietmar Wolf, Fachbereichsleiter Bau der Stadt Hoyerswerda. So musste ein Schilfbiotop, das im geplanten Strandbereich gewachsen war, fachmännisch umgesetzt werden. Ein aktuelles geotechnisches Gutachten musste noch vorgelegt werden.

Peu á peu wurden auch alle anderen Forderungen abgearbeitet: Taucher absolvierten einen Suchtauchgang nach Gefahren im Unterwasserbereich, der Bade- und Schwimmerbereich wurde mit Tonnen markiert. Ganz zum Schluss fehlte noch ein geltender Nutzungsvertrag zwischen dem jetzt noch Grundstückseigentümer LMBV und der Stadt Hoyerswerda. Die Einigung darüber zog sich wegen unterschiedlicher Rechtsauffassungen lange in den Sommer hinein – und deshalb konnte die Badestrand-Eröffnung auch erst spät im August und damit lange nach dem Ende der sächsischen Schulferien verkündet werden.

Dafür gab es Kritik, nicht zuletzt aus der Stadtratsfraktion der Wählervereinigung Stadtzukunft  Die hatte im August schon zum zweiten Mal ein Bürgergespräch am Strand veranstaltet. „Die Stadt kommt nicht aus dem Knick“, monierten die Freien Wähler damals.

Dass es in der Tat ein schwieriger und langwieriger Prozess sei, räumte Bau-Fachbereichsleiter Dietmar Wolf ein. „Wir haben nach dieser ersten Zwischennutzung eine Menge gelernt“, erklärte er gegenüber der RUNDSCHAU. Für das nächste Jahr will Hoyerswerda nun erneut eine Zwischennutzung für das Baden beantragen – dann gleich für zwei Jahre 2018 und 2019. Dafür muss noch einmal ein geotechnisches Gutachten vorgelegt werden. Bauliche Anlagen auf dem Strand werden aber auch dann noch nicht möglich sein.

Parallel sollen die Planungen für den Strand- und Uferbereich am Scheibe-See-Westufer weitergehen, bestätigt Wolf. Die LMBV wird am Strand eine Steganlage und eine ­Slip­anlage für das Einlassen von Booten errichten. Außerdem soll der See einen barrierefreien Zugang bekommen, den ebenfalls die LMBV bauen muss. Wolf hofft, dass die Arbeiten dafür 2018 starten.

Die Stadt Hoyerswerda hat den Bau von Parkplätzen und sanitären Anlagen im Plan. Die erste Saison wurde mit einem ToiToi überbrückt – das wird sich auch im nächsten Jahr nicht vermeiden lassen. Ob die insgesamt 40 ins Auge gefassten Parkplätze ausreichen werden, will die Stadt noch überdenken.

Begonnen hat indes die medientechnische Erschließung für den Uferbereich. Versorgungsleitungen für Strom, Wasser, Abwasser sollen in den kommenden zwei Jahren an den See geführt werden. Hoyerswerda will bis dahin auch seinen Bebauungsplan für ein Areal oberhalb des Strandes abschließen. Die Fläche gehört zu insgesamt acht Hektar Uferbereich, die im Eigentum der Stadt Hoyerswerda sind. „Momentan sind wir mit drei Investoren im Gespräch“, sagt Dietmar Wolf. Welche Projekte diese genau verfolgen, wird wegen der laufenden Verhandlungen noch nicht öffentlich gemacht. Im weitesten Sinne sind es freilich Vorhaben zur touristischen Erschließung des Sees, so Wolf.