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| 17:31 Uhr

Hoyerswerda
Bibo sucht „Literaturlieferanten“

Seit 2010 versorgt Maritta Knothe Bibliotheksnutzer aus Hoyerswerda und der Umgebung mit Medien frei Haus. Sie packt nicht nur Bücher in ihren roten Literaturkorb, sondern auch Spiele, CDs und Magazine. Um den Service zu nutzen ist lediglich eine Bibo-Mitgliedschaft für 15 Euro pro Jahr notwendig.
Seit 2010 versorgt Maritta Knothe Bibliotheksnutzer aus Hoyerswerda und der Umgebung mit Medien frei Haus. Sie packt nicht nur Bücher in ihren roten Literaturkorb, sondern auch Spiele, CDs und Magazine. Um den Service zu nutzen ist lediglich eine Bibo-Mitgliedschaft für 15 Euro pro Jahr notwendig. FOTO: Anja Hummel / LR
Hoyerswerda. Bücher, Spiele und CDs frei Haus: Ehrenamtliche Bücherboten können in der Stadtbibliothek Hoyerswerda aushelfen. Von Anja Hummel

Das kaputte Knie, die gerade fertig gestrickten Socken, der ausstehende Besuch der Enkelkinder – wenn Maritta Knothe mit ihrem Bücherkorb unter dem Arm durch die Wohnzimmer Hoyerswerdas tingelt, philosophiert sie längst nicht nur über Krimischurken und Romanhelden. „Die meisten freuen sich über jede Abwechslung“, weiß Maritta Knothe. Seit vielen Jahren ist sie die Bücherbotin der Stadtbibliothek Hoyerswerda. „Leser, die die Bibliothek aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht mehr aufsuchen können, versorgen wir mit ihren Wunsch-Medien frei Haus“, erklärt die 57-Jährige. Bis zu 25 sorgfältig ausgewählte Bücher verstaut sie für jeden Hausbesuch. „Vorher kläre ich mit den Nutzern natürlich ihre Interessen ab“, sagt Maritta Knothe, die im kommenden Monat die Stadtbibliothek verlassen wird.

Jetzt sucht das Bibo-Team dringend nach ehrenamtlichen Nachwuchs-Bücherboten. Die Stellenbeschreibung in Kurzfassung: Die freiwillig engagierten Bücherboten machen Hausbesuche und bringen gehandicapten, dauerhaft hausgebundenen oder hochbetagten Menschen in einem regelmäßigen Rhythmus Bücher und andere Medien aus dem Bestand der Bibliothek in die eigenen vier Wände.

Was ein Bücherbote mitbringen sollte? Bibliotheksleiterin Annekathrin Trojahn macht es kurz: „Ein ruhiges Gemüt und ein offenes Ohr.“ Denn: Der Austausch zwischen Bücherbote und Leser soll sich nicht nur auf den Medienwechsel beschränken, sondern auch die Möglichkeit bieten, über die gelesenen Bücher oder Privates zu plaudern und sich kennenzulernen.

Wie wichtig das ist, davon kann Maritta Knothe ein Lied singen. „Der Bedarf nach Gesprächen ist sehr groß.“ Dann geht es um Gott und die Welt und manchmal werden die Bücher ganz und gar zur Nebensache. Aber das mache den Bücherhausdienst auch aus. „Der Kontakt zu den Leuten ist das Schöne“, erzählt Maritta Knothe.

Wer also weder Berührungsängste noch Zeitnot hat, der ist als Bücherbote ideal geeignet.  Ein Grundinteresse an Büchern wäre außerdem recht hilfreich. „Aber man muss nicht übermäßig belesen sein. Wir übernehmen auch das Packen der Literaturkörbe“, verspricht Annekathrin Trojahn.

Am Ende soll dank der Helfer ein ehrenamtlicher Bücherhausdienst entstehen. „In anderen Bibliotheken, zum Beispiel in Dresden, hat sich das schon etabliert“, sagt Chefin Trojahn. Es ginge schließlich auch darum, allen Bürgern eine Anteilnahme am kulturellen und sozialen Leben zu ermöglichen – mittels aktueller Informationen und Unterhaltungsmedien. „Wir liefern nicht nur Bücher, sondern auch CDs, Gesellschaftsspiele, Zeitungen oder Hörbücher“, betont Maritta Knothe.

Trotz des breiten Angebotes wird der Bücherhausdienst aber noch nicht so stark genutzt. „Die Leute wollen so lange es geht selbstbestimmt handeln können. Sie möchten die Bücher lieber selber auswählen“, mutmaßt Maritta Knothe. Dass der Bücherhausdienst in Hoy­erswerda aber absolut gerechtfertigt ist, zeigt allein die Altersstruktur der Stadt, wie Annekathrin Trojahn sagt. „Die Menschen müssen sich nicht schämen, wenn sie diese Hilfe in Anspruch nehmen.“  Drei engagierte neue Bücherboten hat Annekathrin Trojahn schon in Aussicht. „Wir schulen sie und koordinieren die Besuche.“ Eine jährliche Aufwandspauschale gibt es genauso wie einen Bücherhausdienstwagen zum Ausliefern. Einzig zwei Dinge sollten die Nachwuchs-Lieferanten selber mitbringen: Zeit und Offenheit.