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Bewusstsein für den Frauentag bleibt lebendig

Die quergestreifte Andrea Kulka verteilt Kleidungsknöllchen an quergestreifte Zuschauerinnen.
Die quergestreifte Andrea Kulka verteilt Kleidungsknöllchen an quergestreifte Zuschauerinnen. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Hoyerswerda. 900 Frauen haben in diesem Jahr die Einladung der Hoyerswerdaer Gleichstellungsbeauftragten und der KulturFabrik zum Frauentagskabarett angenommen. Den Ist-Stand der Frauenrechte aber beobachtet Angela Donath mit Sorge. mft1

Auf zum Frauentagskabarett in die KulturFabrik. Wie in jedem Jahr. Schöne Veranstaltung. Nach vier Vorstellungen in 2016 dieses Mal sogar in fünf Auflagen. Zwei zum Tag, zwei vorgestern und eine zum Ausklang der kleinen KuFa-Frauenfesttagswoche am heutigen Freitag. Alle jeweils 180 Plätze sind restlos ausverkauft. Auch wie in jedem Jahr. Beziehungsweise eher aufsteigend, da der Bedarf schier unstillbar scheint.

Dieses Mal ist wieder die Entertainerin Andrea Kulka zu Gast. Ihr Lied vom Schabrackentapir wird jeder Frau in Erinnerung geblieben sein, die diese Performance 2015 in der Zwischenbelegung genießen durfte. Doch. Man kann über die selben Gags zweimal lachen. Wenn sie gut sind. Und Kulkas Interpretation zum Schabrackentapir-Plakat, das ihr Mann ihr anstelle der gewünschten Okapi-Posters zum Geschenk macht, ist gut.

Vorfreude also. Aber vorher schnell noch die Frage an Gastgeberin Angela Donath: Was gibt es Neues bei der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt? "Die Frauentagseinladung ist wie immer ein Selbstläufer", freut sie sich. Nur in Zusammenarbeit mit der KuFa, wo so viele Leute einfach helfen ohne zu fragen, sei ein solches Programm zu stemmen. Und ein Blick in Stadt und Umgebung zeige, dass auch an anderen Stellen das Bewusstsein für den Frauentag lebendig sei. Obwohl, und da wird Angela Donath nachdenklich, alles irgendwie zurück zu gehen scheine. Die Arbeit sei schwieriger geworden, weil Frauenthemen wieder weniger eine Rolle spielen. Das fange bei Trump an, den viele weit weg wähnen. Aber Polen sei nah und dort dürfen Frauen nicht mehr abtreiben. Und in Lettland gebe es Berufsverbote für Pfarrerinnen.

Vielleicht müssen deutsche Frauen ja nicht gerade Transparente mit der Aufschrift "200 Jahre Männermacht. Nieder damit!" an Regierungsgebäude nageln. So geschehen vorgestern am Kreml in Moskau. Und auch eine Regierungschefin, wie die russischen Feministinnen sie fordern, ist in Deutschland längst keine Utopie mehr. Doch wenn an einem 8. März 2017 die Anerkennung für die Mitarbeiterin in manchem Büro darin besteht, dass es zwar keine Blume, aber auch keinen Rüffel vom Chef gibt, dann ist wohl auch im Land von Clara Zetkin und Rosa Luxemburg noch längst nicht alles gut.

Aber es sei doch auch nicht alles schlecht, stellt Angela Donath ihrerseits herausfordernd fest. Hätten sich die Frauen 2016 rein rechnerisch noch bis zum 21. März an das Einkommen der Männer heranarbeiten müssen, werde diese denkwürdige Ziellinie in diesem Jahr schon am 20. März überquert.

"Männer an die Macht!", fordert Andrea Kulka unterdessen. "Macht Kaffee! Macht sauber! Macht uns nicht böse!", ruft sie den konsequent abwesenden Herren zu. Angela Donath hält den Frauen zum Abschied traditionell einen Sammelhut entgegen. Der Erlös wird in diesem Jahr dem Sommerfest im Haus der Parität und der Hoyerswerdaer Tafel zugute kommen. Geben ist auch am eigenen Ehrentage seliger denn nehmen. Frauen eben.