ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:50 Uhr

Lesung
Ein unglaublich realistisches Gedankenexperiment

Hoyerswerda. Bettina Wilpert liest in der Stadtbibliothek Hoyerswerda aus ihrem Roman „Nichts, was uns passiert“.

Zu einer Lesung von Bettina Wilpert wird in die Brigitte-Reimann-Stadtbibliothek Hoyerswerda für Freitag, 26. Oktober, 18 Uhr, eingeladen. Bettina Wilpert, geboren 1989 in Eggenfelden, aufgewachsen bei Altötting, arbeitet als Trainerin für Deutsch als Fremdrache in Leipzig. „Nichts, was uns passiert“ ist ihr Debütroman. Anna und Jonas, zwei junge Menschen im Leipziger Universitäts-Milieu, lernen sich kennen und kommen sich näher, haben unverbindlichen Sex. Wie auch bei einer weiteren, alkoholisierten Begegnung der beiden auf der Party eines Freundes.

Doch dieses Mal meint Anna – allerdings erst nach drei ins Land gegangenen Monaten – sie hätte Nein gesagt. Jonas ist fassungslos. In seiner Erinnerung gab es kein Nein. Juristisch gesehen hat Anna keine Chance. Aber darum geht es auch nicht wirklich, in Bettina Wilperts Buch „Nichts, was uns passiert“. Es geht auch nicht wirklich um Schuld oder Nichtschuld. Es geht darum, was der Vorwurf einer Vergewaltigung mit den „Beteiligten“ macht.Denn beteiligt sind daran ja nicht nur Opfer und Täter, sondern alle, die davon erfahren: Bekannte, Freunde, Verwandte, und, durch die Behörden, auch die Gesellschaft an sich. Zunächst stehen zwei Menschen vor den Trümmern ihres Lebens: einer Opfer und einer Täter. Ein Vergewaltigungsopfer und ein Täter? Oder eine infame Verleumderin und ihr Opfer? Wem sollen die Freunde, die Kommilitonen, die Familie glauben. Auf wessen Seite soll man sich stellen, wenn man gar nicht weiß, welches die „Richtige“ Seite ist. Muss man sich dann überhaupt auf eine Seite stellen? Und gibt es diese eine richtige Seite überhaupt? Gibt es eine subjektive Wahrheit? Darf sich Anna denn missbraucht fühlen, wenn Jonas sicher war, das auch Anna den Sex wollte? Denn für Jonas ist es das gesellschaftliche Aus. Zumindest kann es dazu werden. Nichts und niemand im Leben der beiden bleibt unberührt davon.

Bettina Wilpert wirft in ihrem Buch Fragen auf, die weit über das hinausgehen, was man mit einer solchen Tat in Zusammenhang gebracht hat, kündigt die Stadtbibliothek die Lesung an. Und doch ist Frau Wilperts Gedankenexperiment unglaublich realistisch. Man hat nur nie darüber nachgedacht. Denn, das was Jonas Anna möglicherweise angetan hat, ist ja „Nichts, was uns passiert.“ Der Eintritt ist frei.