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| 02:39 Uhr

Besondere Aufmerksamkeit für Menschen mit Demenz

Ein bekanntes und praxisnahes Demenz-Projekt heißt "Die Handtasche gehört ans Bett". Eine mit Utensilien gefüllte Handtasche unterstützt demenzerkrankte Patienten im Klinikum, die eine Weglauftendenz haben.
Ein bekanntes und praxisnahes Demenz-Projekt heißt "Die Handtasche gehört ans Bett". Eine mit Utensilien gefüllte Handtasche unterstützt demenzerkrankte Patienten im Klinikum, die eine Weglauftendenz haben. FOTO: Laura Thieme
Hoyerswerda. In der Bundesrepublik leiden etwa 1,5 Millionen Betroffene an einem krankhaften Gedächtnisverlust. Pro Jahr kommen rund 250 000 Neuerkrankungen hinzu. red/dh

Bis zum Jahr 2025 werden etwa 2,5 Millionen Menschen an Demenz leiden. Die Statistiken zeigen einen Trend auf, der in unserer immer älter werdenden Gesellschaft zu einer immer größeren Herausforderung wird - auch für Krankenhäuser, die Betroffene versorgen und behandeln. Im Rahmen des Programms "Demenz-Lotse+" wurden daher in jedem Haus der Sana Kliniken AG Pflegekräfte speziell geschult, um gezielt im Umgang mit dementen Patienten eingesetzt zu werden, wie das Lausitzer Seenland Klinikum mitteilt.

"Für Menschen mit Demenz stellen Krankenhausaufenthalte oftmals eine besonders große Herausforderung dar", erklärt Birgit Wolthusen, Pflegedirektorin im Lausitzer Seenland Klinikum. "Denn sie verlassen ihre vertraute Umgebung, kommen mit fremden Menschen in Berührung und werden mit ungewohnten Tagesabläufen konfrontiert. Der Krankenhausaufenthalt, bedingt durch die fremde Umgebung, das Fehlen von Bezugspersonen oder die allgemeine Reizüberflutung, kann sich für Menschen mit Demenz schnell zu einer Krisensituation entwickeln", so Birgit Wolthusen.

Zunehmende Desorientierung, Unruhe, Aggression oder Angst sind die Folgen, was beispielsweise dazu führt, dass Essen und die Einnahme von Medikamenten abgelehnt oder medizinische Untersuchungen gar verweigert werden. Diese Situationen stellen für Angehörige sowie Pflegekräfte und Ärzte eine Ausnahmesituation dar.

"Rund fünf Prozent unserer jährlich 64 000 Patienten leiden an Demenz. Darauf haben wir reagiert und schulen unsere Gesundheits- und Krankenpfleger im Umgang mit Menschen mit Demenz", sagt Geschäftsführer Jörg Scharfenberg. "Die ,Demenz-Lotsen+' sensibilisieren dann wiederum ihre Kollegen, damit der Beziehungsaufbau zwischen Patienten und Pflegepersonal erleichtert, den Betroffenen Sicherheit vermittelt sowie die Durchführung notwendiger Pflegemaßnahmen - unter Einbeziehung der Angehörigen - harmonisch ermöglicht wird."

Das Schulungsprogramm biete Hilfestellung, geeignete Maßnahmen für den Umgang und die Arbeit mit demenziell erkrankten Patienten zu entwickeln und anzuwenden. Auf dem Lehrplan stünden beispielsweise Lerneinheiten für Weglauftendenz, herausforderndes Verhalten oder Unterstützung bei Aktivitäten des täglichen Lebens.

Am Lausitzer Seenland Klinikum wurde Pflegebereichsleitung Karla Kretschmer als erfahrene "Demenz Lotsin+" benannt. "Gemeinsam mit den Angehörigen erörtern wir die Biografie der Patienten und lernen deren Handlungen zu verstehen", sagt sie und erzählt von einem Fall: "Eine Patientin musste vor dem Schlafengehen immer erst Treppen steigen, weil sie es ein Leben lang gewohnt war, über Treppen in ihre Schlafkammer zu gehen." Mit einfachen Alltagshilfen unterstützt sie die Mitarbeiter und sensibilisiert sie. Die Maßnahmen werden individuell an die Patienten und die Station angepasst. Bereits seit dem Jahr 2015 hält das Klinikum eine etablierte Arbeitsgruppe zum Thema Demenz unter Leitung von Sandy Heinze vor.

Derzeit sind im Sana Konzern rund 100 "Demenz Lotsen+" weitergebildet worden. Ziel des Projekts ist es, dass sie im ersten Schritt als Multiplikatoren viele Mitarbeiter auf den Stationen im Umgang mit kognitiv eingeschränkten Patienten schulen und zukünftig die Nachhaltigkeit sichern. "Denn unsere Erfahrung hat gezeigt, wenn gut ausgebildetes Pflegepersonal sich um die besondere Versorgungssituation demenziell erkrankter Menschen in Zusammenarbeit mit den Angehörigen sorgt, können Ängste und Unsicherheiten beim Patienten reduziert werden. Dies führt unter anderem zu weniger Stürzen oder zu einer reduzierten Weglauftendenz während des Klinikaufenthalts", so Pflegedirektorin Birgit Wolthusen.