| 02:37 Uhr

Deutscher Preis für Denkmalschutz
Bernsdorfer wird in Basel geehrt

Bodendenkmalpfleger Johannes Scheller (l.) und Manfred Kegel beim Freilegen eines Grabs aus der Zeit der Lausitzer Kultur.
Bodendenkmalpfleger Johannes Scheller (l.) und Manfred Kegel beim Freilegen eines Grabs aus der Zeit der Lausitzer Kultur. FOTO: Kegel/privat
Hoyerswerda. Manfred Kegel ist als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger in Tagebauvorfeldern auf der Spur alter Besiedlungen. Er wird mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz 2017 ausgezeichnet. Katrin Demczenko / dcz1

Eine Silberne Halbkugel soll Manfred Kegel bekommen. Der Bernsdorfer ist einer von zehn Einzelpersonen beziehungsweise Personengruppen, die mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz 2017 am 13. November in Basel ausgezeichnet werden. Mit diesem Preis ehrt das Präsidium des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz jährlich besonders engagierte, ehrenamtlich tätige Menschen, die das baukulturelle sowie archäologische Erbe schützen, pflegen und erhalten. In diesem Jahr erhielt die Jury 70 Anträge aus allen Bundesländern.

Manfred Kegel ist seit vielen Jahren als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger im Auftrag der unteren Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes Bautzen tätig. Seine Aufgabe besteht unter anderem darin, größere Veränderungen an bekannten Fundorten von zumeist vorgeschichtlichen Objekten zu melden, weil dadurch ein anderer Zugang zu noch im Boden liegenden Funden entstehen könnte. Das geschieht zum Beispiel mit dem Ende der bergbaulichen Nutzung einer Kiesgrube, wenn ein Acker zu Bauland wird oder wenn ein Sturm mehrere Bäume umwirft, erklärt Manfred Kegel.

Schon in den 1980er-Jahren untersuchte der Bauingenieur mit Archäologen Tagebauvorfeldbereiche im Bezirk Cottbus. Sie waren auf der Suche nach steinzeitlichen Lagerplätzen oder Gräberfeldern aus der Lausitzer Kultur.

Der 78-jährige Manfred Kegel geht in der vegetationsarmen Jahreszeit vom Spätherbst bis zum Vorfrühling gern mit einem GPS-Empfänger, einer Landkarte und einer Tüte für Funde auf Pirsch nach unbekannten Bodendenkmälern. Vor allem auf umgebrochenen, nass geregneten Äckern sind mit etwas Glück zum Beispiel interessante Tonscherben zu finden, die unter Angabe der GPS-Daten an das Landesamt für Archäologie Sachsen weitergegeben werden. "Je unscheinbarer die Scherbe ist, desto eher ist anzunehmen, dass sie sehr alt ist", erklärte der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger. Immer entscheiden Fachleute aufgrund des Fundes, ob an dieser Stelle eine wissenschaftliche Grabung Sinn macht.

Spannend ist für Manfred Kegel, wenn er wie im August 2017 als Helfer an dem neuen wissenschaftlichen Projekt des Museums der Westlausitz Kamenz teilnehmen kann. Lausitzer Burgen aus vorgeschichtlicher Zeit werden erforscht, wozu auch das seit den 1980er-Jahren bekannte "versunkenes Schloss" im Dubringer Moor zwischen Hoyerswerda, Wittichenau und Bernsdorf gehört. Dort wurden bei denkmalpflegerischen Sicherungsmaßnahmen viele Scherben gefunden, die zu neuen Erkenntnissen führten. Der Platz diente nicht, wie bisher geglaubt, nur als Fluchtburg. Nein, es gab im Dubringer Moor eine dauerhaft bewohnte Siedlung.

Manchmal werden Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie Sachsen oder des Museums der Westlausitz Kamenz auch von Unternehmen benachrichtigt, die beim Errichten von Häusern, Straßen und Radwegen im Erdreich interessante Objekte finden. Als zum Beispiel kürzlich ein neuer Radweg bei Kamenz gebaut wurde, konnten 2500 Jahren alte Grabbeigaben aus der Zeit der Lausitzer Kultur geborgen werden, erzählt Manfred Kegel, der auch an dieser Grabung als Helfer teilnahm.