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| 02:42 Uhr

Bernsdorfer Schule als Anker für die Region

Ministerpräsident Stanislaw Tillich überzeugte sich mit eigenen Augen von der modernisierten Unterrichtsausstattung der Freien Oberschule. Mit Schulleiterin Ilka Kügler "huschte" er kurz in den Informatik-Kurs. Hier wird längst mit interaktiver Tafel gearbeitet.
Ministerpräsident Stanislaw Tillich überzeugte sich mit eigenen Augen von der modernisierten Unterrichtsausstattung der Freien Oberschule. Mit Schulleiterin Ilka Kügler "huschte" er kurz in den Informatik-Kurs. Hier wird längst mit interaktiver Tafel gearbeitet. FOTO: Anja Hummel
Bernsdorf. Am Eingang der Freien Oberschule Bernsdorf wartet bereits Leiterin Ilka Kügler. Die, wie sie zugibt, ziemlich aufgeregt ist.Denn der Besuch des Sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich hat einen besonderen Grund: Fast anderthalb Jahre nach Beginn der Sanierungsarbeiten an der Oberschule feiern alle Beteiligten die offizielle Einweihung des nun brandschutzgerechten und modernen Gebäudes. Anja Hummel

Wie modern die Ausstattung ist, davon überzeugt sich der Ministerpräsident höchstpersönlich sogar noch vor seiner öffentlichen Rede. Auf dem Weg zum "Empfangsraum" im Erdgeschoss der Schule, wo bereits Bautzens Landrat Michael Harig, Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel und viele weitere Gäste warten, "huscht" er noch schnell in den Informatik-Raum. Dort steht Neuntklässler Marc vor der neuen interaktiven Tafel und erklärt, wie Programmiersprache funktioniert. Ausnahmsweise ist er heute der Lehrer. Seine Schüler: Viertklässler der Grundschule Bernsdorf. Denn parallel zur offiziellen Einweihung geben die Neuntklässler verschiedene Schnupperkurse für den Nachwuchs - auf dem Programm stehen neben Schulküche und Werken auch der Tanzsport.


Dass sehr viel Engagement, Courage und Wissen in den Bernsdorfer Schülern steckt, davon ist Stanislaw Tillich überzeugt, wie er später in seiner Rede betont. "Genau solchen Nachwuchs braucht die Region zukünftig." So gratuliert der Ministerpräsident zum damaligen Mut, die Lücke der in Bernsdorf fehlenden öffentlichen Oberschule zu schließen. "Mit ihrem eigenen Profil ergänzt die Schule die Bildungslandschaft des Kreises", sagt Tillich und spricht dabei vor allem von der ausgeprägten Berufsorientierung für die Schüler. So lernen sie hier nicht nur kennen, was das Berufsleben bedeutet. "Es werden ihnen gleichzeitig berufliche Chancen in der Umgebung aufgezeigt", sagt Tillich. Denn bereits die Fünftklässler bekommen erste Einblicke in die Arbeitswelt. Ab Klasse sieben lernen die Schüler praxisnah die Arbeit regionaler Unternehmen kennen.

Auch Landrat Michael Harig betont, wie wichtig - gerade bei zunehmender Akademisierung - ein guter Oberschulabschluss für die mittelständischen Unternehmen ist. Die regionale Handwerks-, Industrie- oder Landwirtschaftsbranche brauche genau die Facharbeiter, die an der Oberschule generiert werden. Für Harig ist die Freie Schule deshalb "ein außerordentlich wertvoller Anker im ländlichen Raum".

Voller Tatendrang spricht auch Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel vor den Gästen, unter denen auch Ingenieure und Handwerker der am Bau beteiligten Unternehmen sind. Noch bevor das symbolische rote Einweihungsband auf den Gängen der Schule durchtrennt ist, wirft der Bürgermeister schon die nächsten Pläne in den Raum. Neben der anvisierten Modernisierung des neuen Schulsportplatzes "Am Wirschk" mittels Fördergelder, sollen kommunale Gelder für die Auffrischung der Außenanlage der Oberschule eingesetzt werden. "Investitionen in die Jugend sind Investitionen in die Zukunft", fasst Habel seine Überzeugung in Worte.

In den vergangenen anderthalb Jahren wurden insgesamt 1,3 Millionen Euro in die Sanierung des Schulgebäudes investiert. Sanitäranlagen, Beschallungssystem, Mobilar und Wlan-Ausstattung sind nur einige Beispiele für die Neuerungen des teilweise 100 Jahre alten Gebäudes. Die Planungen dafür hat Thomas Gröbe, Geschäftsführer des Planungsbüros Bauhoys, übernommen. "Mit dem vorgegebenen Budget war es schon eine gewisse Herausforderung." Neben dem Einhalten von Brandschutzregelungen musste sich der Planer zusätzlich mit dem Denkmalschutz auseinandersetzen.

Während sich der Ministerpräsident gleich zum Anfang seines Besuches von der modernen technischen Schulausstattung überzeugen durfte, wartet auf dem Rückweg zum Wagen noch ein kleines kulinarisches Schmankerl auf ihn - ein Hefevögelchen vom Koch-Schnupperkurs der Schüler, der gerade zu Ende gegangen ist. Für Schulleiterin Ilka Kügler war das "Schmankerl" des Tages wohl eher die Gästeliste: "Der hohe Besuch hat uns gezeigt, wie groß die Anerkennung der Schule ist. Das ist eine totale Aufwertung", sagt sie stolz, während sie längst erste Ideen für die anstehende Schulhofgestaltung hat.

Mehr Bilder gibt es im Internet unter www.lr-online.de/bilder

Zum Thema:
Im Schuljahr 2015/16 existierten im Freistaat Sachsen insgesamt 385 Schulen in freier Trägerschaft. Darunter sind 61 Oberschulen, 35 Gymnasien und 80 Grundschulen. Seit 1993 hat sich die Anzahl der Schulen in freier Trägerschaft in Sachsen mehr als versiebenfacht. Den Freien Schulen standen 2016 insgesamt 1368 Schulen in öffentlicher Trägerschaft gegenüber. Das zeigt die aktuellste Statistik des Sächsischen Freistaates. Nachdem die staatliche Oberschule in Bernsdorf im Sommer 2007 schließen musste, folgte im August 2009 die Neueröffnung in freier Trägerschaft des Schulvereins. Heute wird die Schule von 137 Schülern von der fünften bis zur zehnten Klasse besucht, die von 13 festangestellten Lehrern unterrichtet werden. Die Finanzierung erfolgt über staatliche Zuschüsse, einen Elternbeitrag sowie Sponsorengelder.