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| 16:55 Uhr

Stadtumbau in Bernsdorf
Zinkweißbrache: Erste Etappe geschafft

 Das Zinkweiß-Gelände heute: Insgesamt 73 Gebäude sind abgerissen worden. Das denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude bleibt stehen.
Das Zinkweiß-Gelände heute: Insgesamt 73 Gebäude sind abgerissen worden. Das denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude bleibt stehen. FOTO: LR / Sascha Klein
Bernsdorf. Am Bernsdorfer Ortseingang ist die Industrieruine verschwunden. Bürgermeister Harry Habel träumt bereits von einer Entwicklung. Vorher stehen aber weitere Arbeiten auf dem Zinkweiß-Gelände an. Von Sascha Klein

Es gibt etwas zu feiern auf dem Areal der alten Zinkweißhütte in Bernsdorf. Der Bauhof grillt Bratwurst, an einem Baucontainer hängen Skizzen. Mittendrin: Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel (CDU) und Projektmanager Uwe Röllich aus Torno. Gefeiert wird der Abschluss einer Riesen-Baumaßnahme.

In den vergangenen 45 Kalenderwochen hat das Abbruchunternehmen Frauenrath die 25 Jahre leerstehende Industriebrache am Ortseingang von Bernsdorf abgeräumt. Nur das denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude ist geblieben. „Wer ein kleines Wohnhaus braucht, kann sich gerne bei uns melden“, scherzt Bürgermeister Habel. Das Haus durfte nicht abgerissen werden. Wer es künftig nutzen soll: noch unklar.

 Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel (r.) stellt mit Projektmanager Uwe Röllich auf der fertigen Baustelle den Ist-Stand vor.
Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel (r.) stellt mit Projektmanager Uwe Röllich auf der fertigen Baustelle den Ist-Stand vor. FOTO: LR / Sascha Klein

Habel: Areal war Riesengefährdung

 November 2018: Damals war das Zinkweiß-Gelände am Ortseingang aus Richtung Hoyerswerda ein Schandfleck für Bernsdorf.
November 2018: Damals war das Zinkweiß-Gelände am Ortseingang aus Richtung Hoyerswerda ein Schandfleck für Bernsdorf. FOTO: LR / Anja Hummel

Was klar ist: Für Bernsdorf ist der Abriss der Zinkweißbrache ein Meilenstein. „Das war eine Riesengefährdung“, sagt Harry Habel mit Blick auf die bis vor kurzem stehende Mini-Geisterstadt nahe der Ortsumfahrung. „Das war ein Abenteuerspielplatz für die Jugend“, so der Bürgermeister. Dieser Abenteuerspielplatz ist jetzt Geschichte.

27000 Tonnen Abfall entsorgt

Projektmanager Röllich zählt auf, was in den vergangenen elf Monaten abgerissen und entsorgt worden ist: 73 Hochbau-Objekte sind gefallen, die Straßen zwischen den Gebäuden sind zurückgebaut worden. Insgesamt sind laut Röllich etwa 1100 Quadratmeter Fläche wieder entsiegelt worden. Dabei sind Abfallmassen angefallen. Rund 27 000 Tonnen Abfälle sind vom Gelände gekarrt worden. Uwe Röllich macht es plastisch: Wenn ein normaler Straßenkippsattelzug 25 Tonnen Abfall fassen kann, brauchte es bei der Zinkweiß-Sanierung 1070 Lastwagen-Ladungen. Stellt man 1070 Lastwagen Stoßstange an Stoßstange, dann erreicht man eine Länge von knapp 13 Kilometern. Also von der Zinkweißhütte bis zum Hoyerswerdaer Globus-Markt oder von der Zinkweißhütte bis zum Kamenzer Standort der Kreisverwaltung in der Macherstraße, sagt Röllich. Ein Problem bei den anfallenden Abfällen: Rund 13 000 Tonnen sind kontaminiert gewesen, mussten also speziell entsorgt werden.

Neue Heimat für Fledermäuse

 Ein Blick ins Trafohäuschen: Dort können jetzt Fledermäuse nisten. Der Umbau hat 16.000 Euro gekostet.
Ein Blick ins Trafohäuschen: Dort können jetzt Fledermäuse nisten. Der Umbau hat 16.000 Euro gekostet. FOTO: LR / Sascha Klein

Doch es ist nicht nur abgerissen worden. Auch für die Umwelt ist etwas getan worden. In einem alten Trafohaus ist eine neue Nistmöglichkeit für Fledermäuse entstanden. Kosten: 16 000 Euro. Darüber hinaus gibt es auf dem gesamten Gelände mehrere neue Nistkästen für Vögel.

Das Projekt ist günstiger geworden als gedacht. Die Kosten belaufen sich auf 1,728 Millionen Euro, hat Bürgermeister Habel im Stadtrat bekanntgegeben. 2,13 Millionen Euro waren geplant. Die Differenz ergibt sich, weil darin eigentlich auch das Verwaltungsgebäude enthalten war.

 Das Trafohäuschen von außen: Etliche Schlitze machen es möglich, dass die Fledermäuse in das Gebäude kommen. Andere Klein-Tiere schaffen es dort nicht hinein.
Das Trafohäuschen von außen: Etliche Schlitze machen es möglich, dass die Fledermäuse in das Gebäude kommen. Andere Klein-Tiere schaffen es dort nicht hinein. FOTO: LR / Sascha Klein

Weitere Sanierung muss folgen

Dieser Abriss ist allerdings nur der erste große Teil der Sanierung. Ein weiterer muss folgen, weil bereits jetzt klar ist, dass es noch Altlasten auf dem Areal gibt. Bürgermeister Habel betont, laut Schätzungen des Landratsamtes betragen die Kosten drei bis fünf Millionen Euro. Habel will nun klären, wie eine Finanzierung für den nächsten Schritt funktionieren kann. Er ist sich sicher, dass es eine Lösung gibt.

Das Ziel ist klar: Die Stadt Bernsdorf will das Gelände später erwerben und zu einem zwischen sechs und sieben Hektar großen Gewerbegebiet entwickeln. Die Lage sei direkt an der B 97 und an der Ortsumgehung (S 94) ideal, so Habel. Noch gehören die Flächen einer insolventen GmbH, die noch im Grundbuch stehe, aber bereits aus dem Handelsregister gelöscht sei. Die Chancen für die Stadt stünden gut, das Gelände zu bekommen – wenn geklärt ist, wer für die restlichen Arbeiten zahlt, die für die Beseitigung der Zinkweiß-Altlasten nötig sind.

 Rückblick: November 2018 – Sachsens Innenminister Roland Wöller (2.v.l.) kam zum Startschuss für den Zinkweiß-Abriss nach Bernsdorf.
Rückblick: November 2018 – Sachsens Innenminister Roland Wöller (2.v.l.) kam zum Startschuss für den Zinkweiß-Abriss nach Bernsdorf. FOTO: LR / Anja Hummel