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| 16:22 Uhr

Bereit für die Deutschen Meisterschaften
Mit 80 Jahren fit wie ein Turnschuh

 Auf die richtige Wurftechnik kommt es auch beim Speerwerfen an. Der Bernsdorfer Horst Witschaß (80) übt zwar im Garten - allerdings nur Kugelstoßen.
Auf die richtige Wurftechnik kommt es auch beim Speerwerfen an. Der Bernsdorfer Horst Witschaß (80) übt zwar im Garten - allerdings nur Kugelstoßen. FOTO: Rainer Könen
Bernsdorf. Der Bernsdorfer Horst Witschaß ist seit Jahrzehnten mit dem Sport verbunden. Bald kämpft er wieder um Titel. Von Rainer Könen

Wie macht der das eigentlich? Und das in diesem Alter? Horst Witschaß ist das, was man gemeinhin unter einem besonders rüstigen Zeitgenossen versteht. Was irgendwie  abgedroschen klingt. Aber vielleicht liegt man mit dieser Bezeichnung bei dem Bernsdorfer noch nicht einmal richtig. Ist der Mann doch offensichtlich mehr als nur rüstig. Er ist topfit. Was auch daran liegt, dass er sein ganzes Leben lang dem Sport gewidmet hat. Insbesondere der Leichtathletik.

Aber selbst unter diesem Aspekt ist seine Leistung, die er jüngst bei der Leichtathletik-Senioren-Weltmeisterschaft im polnischen Torun ablieferte, ziemlich beachtlich. Im Alter von 80 Jahren errang er beim Speerwerfen einen vierten Platz. Rund 4500 Athleten aus der ganzen Welt hatten bei dieser 40 Disziplinen umfassenden Leichtathletik-Senioren-Weltmeisterschaft in diesem März mitgemacht, darunter auch 470 Deutsche.

In der Altersklasse, in der Horst Witschaß startete, der der 80- bis 85-Jährigen, war die Teilnehmerzahl überschaubar: acht Seniorensportler hatten sich angemeldet. Witschaß, langjähriges Mitglied beim SC Hoyerswerda, war  bei dieser Hallen-Weltmeisterschaft über sich hinausgewachsen, hatte mit 29,26 Metern gleich mal seine persönliche Bestleistung erzielt. Bedauerlich fand er am Ende dieser Veranstaltung, dass es bei ihm nicht mehr für den dritten Platz langte. „Mir haben 49 Zentimeter an Bronze gefehlt“, erzählt der Senior, der auch im heimischen Garten trainiert. Nicht das Speerwerfen, vielmehr stärkt er beim Kugelstoßen seine Armkraft. Zahlreiche Löcher im saftigen Grün weisen auf zahlreiche Übungseinheiten hin.

Der Bernsdorfer ist ein gutes Beispiel dafür, dass mit der Rente für Sportler noch lange nicht Feierabend ist. Dabei hatte der ehemalige Sportlehrer, der vor der Wende beim SC Hoyerswerda als erfolgreicher Leichtathletiktrainer tätig war, sich dem Speerwerfen erst im vergangenen Jahr wieder gewidmet. Der Grund: Vor zwei Jahren erkrankte seine Frau an Demenz, seitdem betreut er sie. Und „da brauchte ich einen Ausgleich “, betont er.

Also kaufte er sich einen Speer, trainierte regelmäßig. Mit dem Erfolg bei der Senioren-Leichtathletik-Weltmeisterschaft blickt er nach vorne, rücken jetzt neue Ziele in sein Visier. Am 1. Juni ist er bei den Senioren-Landesmeisterschaften in Pirna gestartet, für die Mitte Juli stattfindenden Deutschen Meisterschaften hat er sich ebenfalls angemeldet. Mit seinem Erfolg im Speerwerfen gehört der Bernsdorfer Horst Witschaß nun zur europäischen Senioren-Spitzenklasse.

Aber der 80-Jährige ist natürlich Realist, weiß, dass man die körperlichen Auswirkungen des fortschreitenden Alterungsprozesses nicht aufhalten kann, sondern sich mit ihnen arrangieren muss. Man dürfe auf gar keinen Fall den Fehler machen, so der gebürtige Bernsdorfer, sich im zweiten Sportlerleben an früheren Erfolgen zu orientieren. „Man muss damit leben können, dass die körperliche Leistungsfähigkeit kontinuierlich nachlässt“, so Horst Witschaß. Das hat er gelernt. Was für einen so ambitionierten ehemaligen Leistungssportler, der sich früher auch im Handball versuchte, allerdings nicht immer einfach ist. Sein Ehrgeiz hingegen, der ist seit dem Erfolg bei der Senioren-Weltmeisterschaft entfacht. In einem Alter, in dem man seine Altersgenossen manchmal als Methusalem bezeichnet. Ans Aufhören denkt der fitte Bernsdorfer jedenfalls nicht. Warum auch. Er hat ja gerade erst wieder angefangen.