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| 16:56 Uhr

Hoyerswerda
Berliner auf den Spuren von Gundermann

Hoyerswerda. Die Kulturfabrik und der Kunstverein stellten Berliner Gästen Hoyerswerda vor. Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda ist wie gemacht für Bildungsreisen, denn besonders in der Neustadt kann ein Stück ostdeutsche und Weltgeschichte entdeckt werden. Deshalb ist der Verein Helle Panke  Rosa-Luxemburg-Stiftung aus Berlin mit 47 Personen zu Gast gewersen. Sie haben sich über die Autorin Brigitte Reimann und den Rockpoeten Gerhard „Gundi“ Gundermann informiert.

Martin Schmidt, Vorsitzender des Hoyerswerdaer Kunstvereins, seine Frau Helene und Angela Potowski brachten den Besuchern die Aufbauzeit der Neustadt in den 1960er-Jahre nahe. Die in der Bauhaus-Tradition stehenden Architekten Richard Paulick und Rudolf Hamburger, die in Shanghai die Zeit des Faschismus überlebt hatten, entwarfen das neue Hoyerswerda. Dessen Entstehen hat Brigitte Reimann miterlebt und der „zweiten sozialistischen Stadt“ mit ihrem berühmten kritischen Roman „Franziska Linkerhand“ ein Denkmal gesetzt, so Martin Schmidt. Viele moderne Wohnungen für die Beschäftigten des Gaskombinates Schwarze Pumpe entstanden, Orte für die kulturelle Betätigung der Menschen gab es aber sehr wenige. Erfolgreich sorgte Brigitte Reimann 1964 für den Aufbau des heutigen Jugendclubhauses „Ossi“ am Rande des Wohnkomplexes I.

Zu diesem Gebäude, das einst nach dem sowjetischen Autoren Nikolai Ostrowski („Wie der Stahl gehärtet wurde“) benannt war und zum Lebenswerk von Gerhard Gundermann sprach das Mitglied der Kulturabrik (Kufa) Reinhard „Pfeffi“ Ständer. Im Ossi hat Gundermann mit der Liedtheatergruppe Brigade Feuerstein von 1978 bis 1989 geprobt und gespielt. In der Kufa erwarteten die Berliner Gäste noch die von Reinhard Ständer in Gundermanns Schaltzentrale zusammengetragenen Informationen über das Leben und die Musik des Rockpoeten.

Die Vorsitzende des Vereins Helle Panke, Birgit Pomorin, erzählte, sie sei im Juni zur Feier des 20. Todestages von Gerhard „Gundi“ Gundermann dabei gewesen und habe beschlossen, mit ihrem Verein für politische Bildung nach Hoyerswerda zu fahren. Die Energiefabrik Knappenrode und Brigitte Reimann komplettierten das Tagesprogramm, um verschiedene Facetten der Stadt kennenzulernen.

Olaf Teßmann, der mit seiner Brigade am Aufbau des Berliner Neubaugebietes Marzahn beteiligt war, bemerkte am Aussehen der Neustadt sofort den Einsatz des Portalkrans. „Deshalb verlaufen die Straßen rechtwinklig“, erklärte der ehemalige Bauarbeiter, der auch Gundermanns Lieder kennt und hier mehr über ihn erfahren hat. Weil Olaf Teßmann festgestellt hat, „Hoyerswerda ist ein Stück gebaute Geschichte“, will er Berliner Bekannten und Freunden empfehlen, doch mal hierher zu fahren.