ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:40 Uhr

Bergener Spargelbauern
Neue Spargel-Technik spart Arbeitskräfte

 Alles für die frühe Ernte! Mit Thermofolie heizt Spargel-Chef Roland Nuck seinen Erddämmen ein.
Alles für die frühe Ernte! Mit Thermofolie heizt Spargel-Chef Roland Nuck seinen Erddämmen ein. FOTO: LR / Rita Seyfert
Bergen. Der gesetzliche Mindestlohn zwingt die Bergener Spargel-Bauern zum Umdenken. Von Rita Seyfert

Frischer Ackerduft weht durch die Luft. In Schrittgeschwindigkeit fährt Traktorfahrer Stephan Wolschke (29) übers Feld. Immer 400 Meter hin und zurück. Hinter ihm gräbt sich die Spargeldammfräse sanft in die Krume. Erdwall reiht sich an Erdwall, etwa 80 Reihen sind es insgesamt. Die schwere Technik bringt den Boden in Form. Fünfeinhalb Hektar Dämme hat der Landwirt diese Woche umgebrochen. Nun können die Folien gezogen werden.

Für diese Saison hat sich Roland Nuck (50), Geschäftsführer der Bergener Landwirtschaftsgesellschaft, etwas Neues überlegt. Mit einem doppelten Tunnel-System aus schwarzen und durchsichtigen Folien möchte der Spargel-Chef dem Boden einheizen. Denn je wärmer die Erde ist, umso früher sprießt der Aspargus, so der lateinische Name für das Edelgemüse.

„Die Wurzelballen treiben erst ab einer bestimmten Bodentemperatur“, erklärt er. Um die Sonnenkraft noch effizienter zu nutzen, setzt er auf die Gesetze der Physik. Schwarze Folie assimiliert die Sonnenwärme. Eine zweite, durchsichtige Hülle soll die Temperatur halten.

 Roland Nuck (50), Spargel-Chef in Elsterheide, bespricht mit Traktorfahrer ­Stephan Wolschke (29) die Form der Dämme.
Roland Nuck (50), Spargel-Chef in Elsterheide, bespricht mit Traktorfahrer ­Stephan Wolschke (29) die Form der Dämme. FOTO: LR / Rita Seyfert

Auch M-Bögen gehören zum Foliensystem. Sie stehen alle zweieinhalb Meter längs des Spargel-Damms und bilden mit der aufliegenden Thermofolie einen Tunnel. Dank dieser Isolierung kühlt die Erde nachts nicht aus. Ziel ist ein früher Erntestart. Mitte April könnte es soweit sein.

Doch wenn der Spargel-Bauer an den heißen Sommer 2018 denkt, macht er sich so seine Gedanken. Anders als in den Vorjahren war das quittengelbe Spargelkraut nur halb so hoch. Dadurch konnten die Wurzelballen im Herbst weniger Nährstoffe aus der Photosynthese speichern. Heißt: Die Triebkraft ist geschwächt. Möglich also, dass diese Saison nicht den ganz großen Ertrag bringt.

 Die Bergener Landwirtschaftsgesellschaft mbH hat in neue Technik investiert - hier zeigt Chef Roland Nuck auf seinem Hof eine von sechs neuen Spargelspinnen.
Die Bergener Landwirtschaftsgesellschaft mbH hat in neue Technik investiert - hier zeigt Chef Roland Nuck auf seinem Hof eine von sechs neuen Spargelspinnen. FOTO: LR / Rita Seyfert

Jetzt ist der Bergener Spargel-Chef aber erst einmal gespannt, wie sich sein Doppelfolien-System in der Praxis bewährt. Zehn mit schwarzer Folie bezogene Reihen schickte er in der vergangenen Woche bereits zum Testen ins Rennen.

Andererseits lässt sich die Reifezeit aber auch verzögern – und zwar mit weißer Folie. Denn anders als Schwarz reflektiert Weiß die ankommende Wärmestrahlung. Deswegen möchte Spargel-Chef Nuck auch zehn Reihen mit weißer Folie beziehen, damit dieser Spargel dann etwas später in den Ertrag geht. „Wenn wir Glück haben, kommen wir damit bis Johanni“, sagt er.

Insofern die Rechnung aufgeht, könnte sich der doppelte Folien-Aufwand im Spargel-Preis niederschlagen, hofft der Landwirt. „Aber nur in den ersten Tagen“, sagt er. Ansonsten lehnen sich die Kosten an die vom Vorjahr an. Natürlich ist „Spargel-König“ Nuck auch klar, dass der Kunde nicht gewillt ist, jedes Jahr steigende Preise zu akzeptieren.

Damit das Verhältnis der Einnahmen und Ausgaben dennoch stimmt, musste sich die Bergener Landwirtschaftsgesellschaft vor dem Hintergrund des gesetzlichen Mindestlohns von derzeit 9,16 Euro pro Stunde jetzt was einfallen lassen. Die Firma investierte in Technik. Spargelspinnen sollen die Leistung nun verdoppeln.

Die Erntehilfsmaschine ermöglicht das kontinuierliche Abernten von Spargeldämmen unter Folie. Der batteriebetriebene, vierrädrige Wagen fährt langsam über den Spargel-Damm. Dabei wird die Folie abgehoben, über einen Rohrrahmen geleitet und nach der Spinne wieder aufgelegt.

„Ein Mann kann mit einer Spinne etwa 17 bis 18 Kilogramm Spargel pro Stunde stechen“, hofft Nuck. Das ist doppelt so viel wie in den Vorjahren. Dieser neue Durchschnittsertrag wird auf den Mindestlohn umgelegt. Der Spargel-Chef will Anreize für seine Männer schaffen. „Wer mehr erntet, soll auch mehr verdienen“, sagt er.

Sechs Arbeitskräfte aus Polen hat er in diesem Jahr bestellt. Nur noch die schnellsten Erntehelfer arbeiten auf dem Spargelfeld. 2006 halfen mitunter zehnmal so viele Leute mit, darunter auch Langzeitarbeitslose oder körperlich beeinträchtigte Menschen. „Damals konnte ich noch jedem zusagen“, berichtet Nuck. Doch mit dem Mindestlohn fiel der soziale Faktor weg.

So viel steht fest: Trotz aller Veränderungen in der Branche blieb der Geschmack des Bergener Spargels stets mild und zart. Spargel-Bauer Nuck isst das Stangengemüse am liebsten in Oliven-Öl gebraten (aber ohne zu kochen!), dazu eine Scheibe Käse und eine Butterstulle. „Ein Gedicht“, wie er sagt.