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| 17:27 Uhr

Hoyerswerda
Bereit für den Unruhestand

2018 – seine letzten Wochen als Schulleiter. Wolfgang Gössel hat das BSZ Konrad Zuse seit der Eröffnung geführt, war insgesamt rund 28 Jahre Schulleiter. Ende Juni geht er in den Ruhestand.
2018 – seine letzten Wochen als Schulleiter. Wolfgang Gössel hat das BSZ Konrad Zuse seit der Eröffnung geführt, war insgesamt rund 28 Jahre Schulleiter. Ende Juni geht er in den Ruhestand. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Er hat das BSZ Konrad Zuse mit geplant und aufgebaut: Nun gibt Schulleiter Wolfgang Gössel den Staffelstab weiter. Von Sascha Klein

„Wir müssen gut sein. Und alle müssen es wissen“, sagt Wolfgang Gössel und lacht. Einfache Botschaft, klare Ansage: Darauf steht der 64-Jährige. Na klar, als Mathe- und Informatiklehrer geht es für den Mann nicht ohne Logik. Der Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums Konrad Zuse (BSZ) steht auf und holt ein Foto. Darauf zu sehen: eine ausgezeichnete Klasse. Die Französisch-Grundkurse der 12. Klasse haben den zweiten Platz des deutschlandweiten FrancoMusiques-Schulwettbewerbs gewonnen – mit einem Video, in dem sie ihren Platz im System suchen. Dieser Erfolg macht Gössel stolz.

Stolz macht ihn auch die Tatsache, dass „sein BSZ“ im Landkreis Bautzen einen hohen Stellenwert genießt. „Wir haben etwa 400 Bewerber pro Jahr“, sagt er. Sie kommen aus der gesamten Region. Insgesamt werden am BSZ rund 900 Schüler von 85 Lehrern unterrichtet. Er ist weiterhin einer von ihnen, obwohl Gössel seit 1990 Schulleiter ist. „Vier Stunden Mathematik pro Woche habe ich weiterhin gemacht. Ich brauche einfach den direkten Kontakt zu den Schülern. Ich kann nicht nur am Schreibtisch sitzen“, sagt er.

1995: Das Foto stammt aus einer Broschüre des Kreises Hoyerswerda.
1995: Das Foto stammt aus einer Broschüre des Kreises Hoyerswerda. FOTO: LR / Sascha Klein

Tatsächlich ist es irgendwie auch Gössels BSZ. Seit es das Berufliche Schulzentrum gibt, es wurde 1995 eröffnet, sitzt der Maukendorfer auf dem Schulleiter-Sessel. Er war bei der Planung dabei, bei den Entscheidungen, wie das BSZ einmal aussehen soll. Gössel erinnert sich: „Wir haben damals in Baracken im Tausend-Mann-Lager unterrichtet. Das war ein Holzgebäude mit Kanonenofen. Da war die Kohlezange im Winter oft wichtiger als die Tafelkreide. Die Schüler in den ersten Reihen hatten einen roten Kopf vor Hitze, die hinten haben gefroren.“ Schnell war klar: So kann es nicht weitergehen. Also plante der Landkreis Hoyerswerda ein hochmodernes Berufsschulzentrum am Rande des damals fast neuen WK X. „Wir waren damals in Pforzheim und haben uns vergleichbare Berufsschulen angesehen. Da war dann klar: So etwas brauchen wir auch.“ Gesagt, geplant, gebaut. Wolfgang Gössel geht an einen Schrank, holt einen dicken Aktenordner heraus. Es sind die Planungsunterlagen für die Fachkabinette. Abgerechnet natürlich in D-Mark. Noch immer lässt sich lückenlos nachvollziehen, wann wieso welches Kabinett wie ausgestattet worden ist.

So sollte das BSZ Konrad Zuse in Hoyerswerda einmal aussehen. Gebaut worden ist nur der hintere Teil.
So sollte das BSZ Konrad Zuse in Hoyerswerda einmal aussehen. Gebaut worden ist nur der hintere Teil. FOTO: LR / Sascha Klein

In neun Tagen ist das Schuljahr zu Ende. Wolfgang Gössel gönnt sich dann mit seiner Frau zehn Tage Danzig. Doch dieses Jahr ist irgendwie alles anders für den zweifachen Vater und dreifachen Opa. Er kehrt nach den Ferien nicht mehr auf seinen Schulleiter-Posten zurück. Ruhestand. Finale nach 42 Jahren als Lehrer, davon 28 Jahre als Schulleiter. „So richtig konnte ich mich darauf nicht vorbereiten“, sagt er und grinst schelmisch. „Die letzten drei Monate des Schuljahres sind bei uns immer die stressigsten.“ Doch natürlich hat er im Blick, dass das Ende des Berufslebens nah ist. Das bedeutet: Er muss nicht mehr um fünf Uhr aufstehen. Bisher ist das Alltag. „Ich bin eher so ein Frühmensch“, sagt er. „Ich brauche früh meine Ruhe.“ So ist er oft auch im BSZ – nach dem Hausmeister – der Erste vor Ort. Wer Wolfgang Gössel auf dem Chef-Sessel des BSZ Konrad Zuse nachfolgt, ist noch nicht entschieden. Die Entscheidung steht jedoch kurz bevor.

Trotz Ruhestands hat der 64-Jährige viel vor. Nach dem Kurz-Urlaub in Polen wird er Übergabe mit seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin machen. Dann gehen die Planungen für den 165. Geburtstag in der Familie Gössel los. Er wird 65, seine Frau 60, die ältere Tochter 40. Die Fete in Maukendorf dürfte größer werden. „Ab Ende August könnte dann eine scheinbare Ruhe einkehren“, sagt Gössel und lacht. Denn Ruhe kennt er nicht wirklich. Schon seit einigen Jahren macht er mit einer eingeschworenen Truppe wöchentlich einen Englisch-Kurs. Yoga steht auch schon auf dem Programm, dazu kommt der Saunatag einmal pro Woche. Was sich Gössel vorgenommen hat: Er will seine alte Leidenschaft Tischtennis wieder aufleben lassen. „Ich habe früher aktiv gespielt. Tischtennis ist ein guter Sport. Den kann man bis ins hohe Alter machen.“ Nicht zuletzt bleibt mehr Zeit für die Töchter und die drei Enkel. „Das wird eine andere Zeit“, sagt er bedächtig. „Aber ich freue mich darauf.“ Außerdem: Das BSZ sei schließlich nicht aus der Welt. „Ich werde schon noch öfter dort auftauchen – aber nicht als Besserwisser.“ Im kommenden Jahr steht für Wolfgang Gössel und seine Frau eine echte Premiere an: der erste Urlaub außerhalb der Ferientermine. Im Februar geht es per Kreuzfahrtschiff in die Karibik.