In Zeiten großer Sportwettkämpfe werden Geschichten vom Fluch des Lokalmatadoren oft erzählt. Der Druck ist groß, wenn die Zuschauerränge mit Sportkameraden, Familie und Freunden besetzt sind. So ging es wohl Immo vom Weißeritztal, als er in der Schutzdienst-Prüfung seinem Dienstherren Peter Rössel beim Angriff auf den Beißarm des Scheintäters beim Befehl "Aus" den Gehorsam verweigerte. Disqualifikation. Mit einem Hauch Übermotivation ist womöglich auch zu erklären, dass der zweite Starter aus der Ortsgruppe Lohsa Udo Witschas das kurze Aufjaulen seines Unox vom Balaktal beim Abschlusstraining am Donnerstag nicht so ernst nahm wie gewöhnlich und ihn am Samstag noch durch die Prüfung im Fach Unterordnung führte. Das ist ein Fehler gewesen, stellt Witschas im Nachhinein mit Bedauern fest, ging es für ihn und Unox doch noch am Samstagabend in die Tierklinik, wo eine leichte Stauchung des Rückens diagnostiziert wurde. Damit war auch Unox aus dem Rennen.

Dabei hatten beide Hunde im Vorfeld bewiesen, dass sie das Programm allemal drauf haben. Um beim Landesgruppenausscheid (LGA) überhaupt antreten zu dürfen, müssen Herr und Hund in der höchsten Prüfungsklasse der Schutzhunde, der IPO 3, immerhin 260 von 300 möglichen Punkten nachweisen. Jeweils 100 Punkte können in den Disziplinen Fährte, Unterordnung und Schutzdienst erreicht werden.

Die diesjährigen Sieger und neuen Landesmeister Jeff vom Weißeritztal mit Halter Jens Welzel erreichten in Summe 288 Punkte. Mit 99 und 96 Punkten dominierte Jeff sowohl den Vergleich auf der Spur im Gelände als auch bei der Unterordnung, die vor den Augen der Leistungsrichter und zahlreicher Zuschauer auf dem Sportplatz absolviert werden musste. Im öffentlich vorgetragenen Zeugnis bescheinigten die Richter Jeff in allen Phasen eine vorzügliche Führigkeit. Mit viel Wucht ginge er in den flüchtenden Helfer. Aktiv und drangvoll zeige er sich in der Bewachung. Nur der "Griff in der Belastung", also das Gepackt halten am Beißarm, müsse noch ruhiger werden. Zur Belohnung gab es für den Freitaler Jens Welzel den Siegerpokal aus den Händen von Staatssekretärin und Schirmherrin Andrea Fischer. Wie übrigens schon 2004, als er an gleicher Stelle Landesmeister und ebenfalls von Andrea Fischer dafür ausgezeichnet wurde. So wiederholt sich Geschichte eben doch ab und an. Die nachfolgenden Plätze belegten Norman Barsch aus Oberlungwitz mit Matti von der Traubeneiche und die besten im Schutzdienst Dieter Petrack aus Markranstädt mit Jupp vom Weißeritztal.

Außer den Glückwünschen für die Besten hatte die Staatssekretärin aber noch 120 000 Euro aus der Sportförderung des Landes im Gepäck. Diese übergab sie feierlich an den OG Hundeclub Lohsa e.V., der gerade auf seinem Gelände in Litschen ein neues Vereinsheim plant.

Zwar stünde die Förderung nicht im Zusammenhang mit der Ausrichtung der Landesmeisterschaft durch den Verein, betont Andrea Fischer, die selbst mit eigenen Hunden schon erfolgreich durch Begleithundeprüfungen gegangen ist. Doch hätte es wohl kaum einen würdigeren Rahmen und einen besseren Beweis für die Schlagkraft des Hundesports in Lohsa geben können.

Für Immo vom Weißeritztal und Unox vom Balaktal aber ist auch sportlich längst nichts vorbei. Die nächste Landesmeisterschaft kommt bestimmt. Und dann sind sie auch den Fluch der Lokalmatadoren los.