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| 12:11 Uhr

Hoyerswerda
Beim Ball geht’s um eine privilegierte Gilde

Friedhart Vogel, seit 2010 Präsident der Prvilegierten Schützengilde Hoyerswerda, in der preußisch-blauen Uniform. Klar, da darf natürlich auch die gute alte Pickelhaube nicht fehlen.
Friedhart Vogel, seit 2010 Präsident der Prvilegierten Schützengilde Hoyerswerda, in der preußisch-blauen Uniform. Klar, da darf natürlich auch die gute alte Pickelhaube nicht fehlen. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Die Kult-Veranstaltung findet am Sonnabend in der Kufa statt. Im Fokus ein erstaunliches Ereignis: das 1000-jährige Bestehen der Stadt Hoyerswerda. Schützen sind gespannt auf die Resonanz. Von Rainer Könen

Er ist mittlerweile nicht nur Kult, sondern auch salonfähig geworden: der von der Kulturfabrik ausgerichtete Filmball. Am Sonnabend, 3. März, ist es wieder soweit.

Wie in jedem Jahr steht er unter einem Motto. In diesem Jahr rückt das 1000-jährige Bestehen der Stadt in den Blickpunkt, welches von den hiesigen Privilegierten Schützen im Jahre 1924, so steht es in der Filmball-Ankündigung, ausgiebigst begangen worden sein soll. Aber Moment mal, wieso 1000-jähriges Ortsjubiläum, wo doch die Stadt in diesem Jahr ihr 750-jähriges Bestehen feiert? Ist da bezüglich der Gründungsdaten was schiefgelaufen? Und weiter: Wird man beim Filmball die Privilegierte Schützengilde paradieren sehen?

Also Nachfrage beim Präsidenten des Vereines. Das ist der Ex-Superintendent Friedhart Vogel, der 2001 zum Ehrenmitglied der Schützen ernannt wurde und seit 2010 den Vorsitz über den derzeit rund 20 Mitglieder starken Verein führt. Der 77-Jährige weiß, dass das Ereignis im Jahre 1924 tatsächlich stattgefunden hat. So stand es am 6.  Juni 1924 im „Neuen Görlitzer Anzeiger“.

In dem Artikel blickt die Gazette auf das Jahr 924 zurück, als die alte wendische Burg gegründet wurde. Für die damaligen Schützen ein Anlass, im Juni 1924 mit großem Tschingderassabum dieses vermeintliche 1000-jährige Ortsjubiläum entsprechend zu begehen. Natürlich berief man sich auf das Jahr 924, auf die Schlacht am Koschenberg bei Senftenberg, in der König Heinrich I. ein Jahr zuvor, 923, die dort lebenden Wenden mächtig verhauen haben soll. Diese Schlacht wird als Gründungsereignis für Hoyerswerda gewertet. Jedoch lässt sich da für Historiker kein offensichtlicher Zusammenhang herstellen. Der  historisch bewanderte Privilegierten-Präsident erzählt, dass die 1702 gegründete Schützen-Gesellschaft erst 1927 in eine Privilegierte Schützengilde umbenannt wurde.

Zurück in die Gegenwart, zum  Filmball am 3. März. Werden Mitglieder der Schützengilde dabei sein? In offizieller Mission jedenfalls nicht, so Vogel. Er ist gespannt, welches Feedback die Gilde nach dem Filmball bekommen wird. Denn der Verein ist über jedes Mitglied froh. Vogel weist darauf hin, dass die Schützengilde 1927 rund 200 Mitglieder in drei Kompanien hatte. Heutzutage müsse man ja um „jedes Mitglied werben“, so Vogel. Früher habe es  keinerlei Nachwuchsprobleme gegeben. Da sei es ein Privileg gewesen, der Schützengilde beitreten zu dürfen. „Das war eine Ehre für alle wohlangesehenen Bürger der Stadt, sich dort zu engagieren“.

Vogel und seine Mitstreiter gelten als Traditionsbewahrer, sie pflegen nicht nur die preußischen Tugenden, sondern zeigen sich auch gerne in ihren schmucken preußisch-blauen Uniformen. Die Uniform, so Vogel, „ist unser Ehrenkleid“, die man mit Stolz trägt. Und traditionsbewusst beteiligt sich die Schützengilde selbstverständlich an den  diesjährigen Festivitäten zum 750. Stadtjubiläum – in der für Schützen klassischen Manier: mit Umzug und Zapfenstreich.