ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:42 Uhr

Bei fünf Grad Celsius in die Fluten

Nur wenige Abenteuerlustige stürzten sich kopfüber in die eisigen Fluten des Dreiweiberner See. Für die meisten war der Bauchnabel die magische Grenze der wagemutigen Abkühlung.
Nur wenige Abenteuerlustige stürzten sich kopfüber in die eisigen Fluten des Dreiweiberner See. Für die meisten war der Bauchnabel die magische Grenze der wagemutigen Abkühlung. FOTO: Mandy Decker/mdr1
Lohsa. Jeder stirbt für sich allein. Diese Weisheit galt beim traditionellen Abbaden am Dreiweiberner See nicht in letzter Konsequenz, stand aber doch so manchem Teilnehmer in die gequälten Gesichtszüge geschrieben. Mandy Decker / mdr1

Zwar sangen fast zweistellige Außentemperaturen an diesem frühen Sonntagnachmittag wahrlich kein Winterlied. Doch der See lud mit fünf Grad Celsius Wassertemperatur auch nicht wirklich zum Bade ein. So dauerte es nach dem Startschuss auch nur geschlagene zehn Sekunden, bis der erste der knapp 50 Teilnehmer das Wasser wieder verlassen hatte. Eine Minute und vierzig Sekunden kühlen Bades gönnten sich dagegen die tapfersten Wasserratten, die sich nach kurzer Erwärmung an der frühlingshaften Luft auch gleich ein zweites Mal in die Fluten stürzten.

Vor dem Sturm auf das eisig kalte Wasser warnte Cheforganisator Jan Frobart, Vorstandsvorsitzender des veranstaltenden SSV Hoyerswerda, die Teilnehmer deutlich: "Wer denkt, er möchte oder kann nicht, soll es lassen!"

Auf den zweifelhaften Spaß verzichten mochten Sabine Schmidt und Charlotte Dörr aber nicht. Nachdem die jungen Frauen sich im vergangenen Winter erstmalig auf das Abenteuer Eisbaden einließen, kamen sie in diesem Jahr nicht nur im SSV-Schwimmdress, sondern in extra für das Event genähten rot-weißen Tutus mit Weihnachtsmützen und passenden Ringelstrümpfen. An den auffälligen Jeckenschuhen hatten die Hoyerswerdaerinnen noch am Vormittag gearbeitet. Ihre Strategie war klar: Ohne Zögern ins Wasser rennen, denn "anders geht es nicht", und dann so kurz wie möglich bleiben. Warum sie sich dem Wahnsinn stellen? "Weil wir es können!", verkünden die Jeckinnen vor dem Start fröhlich. Beide sollten später den Kampf gegen die Kälte gewinnen. Nur eine aber schaffte es auch auf das Gruppenfoto im See.

Im Jahr 2008 sprangen fünf Schwimmer des SSV Hoyerswerda erstmals zum symbolischen Abschluss eines Schwimmerjahres ins kalte Wasser. Seither konnten nur im Ausnahmefall unkaputtbare Eisflächen das wagemutige Ritual verhindern. Das Teilnehmerfeld wurde mit jedem Jahr stärker. Schon bald schlossen sich den Schwimmern auch Biathleten und die Wasserwächtler an. In diesem Jahr verstärkten die KnappenMan-Triathleten das Teilnehmerfeld.

Ihren Spaß aber hatten nicht nur die Sportler. Zahlreiche warm eingemummelte Zuschauer zollten den Badewütigen vom Strand aus ihre Bewunderung. Nicht jeder Schwimmer brachte seine Körpertemperatur durch die Autoheizung wieder auf Normalmaß. Mancher lief oder radelte die zehn Kilometer nach Hoyerswerda zum Freizeitkomplex Ost, um sich dort für seinen an diesem Nachmittag bewiesenen und vielleicht auch im ganzen Jahr 2013 an den Tag gelegten Mut mit heißem Sud und Suppe zu belohnen.