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| 17:52 Uhr

Hoyerswerdaer Tafel
Bei der Tafel wird sogar gegrillt

Einer der Tafelmitarbeiter hat in dieser Woche für die Bedürftigen sogar gegrillt.
Einer der Tafelmitarbeiter hat in dieser Woche für die Bedürftigen sogar gegrillt. FOTO: Anja Guhlan
Hoyerswerda. Die Tafel in Hoyerswerda wird weiterhin rege genutzt. Gerade Schwangere und Familien nutzen das Angebot vermehrt. Von Anja Guhlan

Seit einem halben Jahr kommt Jasmin Peters* regelmäßig jeden Mittwoch zur Hoyerswerdaer Tafel. Die Frau ist schwanger und bekommt in wenigen Monaten ihr zweites Kind. „Lange wollte ich mir meine Bedürftigkeit nicht eingestehen. Ich habe mich regelrecht geschämt. Doch ohne das Angebot der Tafel geht nichts mehr“, sagt sie. Sie verlässt die Räumlichkeiten der Tafel in der Neustadt mit einigen Beuteln voller Obst, Gemüse und Brot. „Etwas Gesundes zu bekommen ist mir wichtig. Besonders Obst und Gemüse“, fügt sie hinzu. Auch eine junge vierköpfige Familie steht vor dem Tafel-Gebäude. Sie ist ebenso auf das Angebot der Tafel angewiesen. „Das Geld reicht einfach nicht. Wir kommen seit etwa zwei Jahren zur Tafel und sind froh hierher kommen zu können“, erklärt der Vater, der die Obst- und Gemüsebeutel in einen Bollerwagen hebt. Der Bollerwagen ist am Ende gut gefüllt. „Das muss für eine Woche reichen“, sagt er.

Im Durchschnitt nutzen  200 Bedarfsgemeinschaften das Angebot der Tafel pro Woche. Manchmal sind das einzelne Personen, oft Familien mit mehreren Kindern, sagt Madlen Krenz, die Leiterin der Einrichtung.  Ihr fällt in letzter Zeit die wirklich hohe Anzahl von Schwangeren und jungen Familien auf. Auch einige Schulabgänger kommen.

Die Zahl der Bedürftigen hält sich zwar seit etwa zwei Jahren in Hoyerswerda stabil, aber generell gilt eine Armutssteigerung. „Viele, vor allem Rentner, scheuen sich noch das Angebot zu nutzen“, sagt Madlen Krenz.  Sie ermutigt jeden Bedürftigen gemeinsam mit Simone Sicksch, die seit 2008 das Projekt der Tafel leitet,  das Angebot zu nutzen. Gerade ältere Menschen mit einer geringen Rente hätten oft einen Anspruch das Angebot zu nutzen. Auch Jüngere, bei denen  oft der Hartz-IV-Betrag nicht ausreicht,  können kommen. Die beiden Frauen versichern, dass die Atmosphäre in der Einrichtung locker und die Tafel auch zum Treffpunkt für Bedürftige geworden sei.

Neun Mitarbeiter unterstützen derzeit die Arbeit der Tafel. Sie sortieren die Lebensmittel, die als Spenden von Discountern und Supermärkten aus der Stadt kommen,  und geben sie an Bedürftige aus. „Gerade im Sommer wird viel Obst und Gemüse nachgefragt“, erklärt Madlen Krenz. Da helfen auch die Spenden von Kleingärtnern. Auch im hauseigenen Tafelgarten wird vor allem Gemüse angebaut, damit die Bedürftigen versorgt werden können.  

Am Mittwoch wurde von den Tafel-Mitarbeitern sogar der Grill angeworfen. Steaks und Bratwürste wurden gegrillt, um den Bedürftigen auch mal etwas Deftiges anzubieten. Gereicht mit Salat oder Brötchen nutzten viele Bedürftige das Angebot. Denn nicht jeder hat das Geld für einen zünftigen Grillabend.  

Neben der reinen Tafel bietet der Verein Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern in Ostsachsen auch eine Suppenküche, eine Umweltwerkstatt, eine Kleiderkammer sowie Alltagsbegleiter für Senioren an.

*Name geändert