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| 17:39 Uhr

Prüfbericht in der Diskussion
Sächsische Gedenkstätten in der Krise

 Die Strahlkraft der Bautzener Gedenkstätte hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen.
Die Strahlkraft der Bautzener Gedenkstätte hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. FOTO: Uwe Menschner
Dresden/Bautzen. Der Prüfbericht für die Stiftung Sächsische Gedenkstätten liegt jetzt vor. Die Vorsitzende des Stiftungsrates sieht in erster Linie positive Bewertungen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Vor allem mit Blick auf Bautzen. Von Uwe Menschner

Die vom Stiftungsrat beauftragte Überprüfung der Stiftung Sächsische Gedenkstätten (StSG) durch das Institut Prognos ist abgeschlossen. „Der Abschlussbericht enthält positive Bewertungen und gibt Hinweise zur Weiterentwicklung in der Stiftung“, erklärt die Stiftungsratsvorsitzende und Ministerin für Kunst und Wissenschaft, Eva-Maria Stange (SPD). „Dem wurde bereits mit dem Doppelhaushalt 2019/2020 des Freistaates Sachsen zum Teil Rechnung getragen.“

Demnach steigen die Zuwendungen des Landes an die Stíftung  von 2,45 Millionen Euro (2018) auf jeweils 3,046 Millionen Euro in den Jahren 2019 und 2020. Dies ermöglicht höhere Ausgaben für das Personal, aber auch für sächliche Verwaltungsaufgaben, für Zuwendungen an Dritte und Investitionen.

Eine der zentralen Aussagen des Prüfberichtes besteht darin, dass die Sächsische Gedenkstättenstiftung in Anbetracht ihrer Aufgaben personell eher knapp ausgestattet ist. Doch auch darüber hinaus zeigt ein tieferer Blick in den Bericht, dass die Reduktion auf „positive Bewertungen“ durch die zuständige Ministerin bestenfalls lediglich die halbe Wahrheit darstellt.

Denn: Die Evaluation zeigt tief greifende Konflikte zwischen den einzelnen Leitungsebenen der Stiftung auf, deren Auswirkungen die inhaltliche Arbeit lähmen. Wichtige Aufgaben wie Bildungsarbeit und Forschung können gar nicht oder nur unzureichend erledigt werden. Von einer „Lagerbildung“ ist die Rede, die Kritiker und Unterstützer des aktuellen Geschäftsführers voneinander entzweie. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Gedenkstätte Bautzen, was sich auch deutlich an deren Arbeitsergebnissen der letzten Jahre ablesen lasse. Die Prognos-Bearbeiter belegen dies mit nüchternen Zahlen. So sei – anders als in den anderen zur Stiftung gehörenden Einrichtungen – die Zahl der Veranstaltungen in der Gedenkstätte Bautzen von 2012 bis 2017 kontinuierlich zurückgegangen: von anfangs 15 auf zuletzt nur mehr noch drei pro Jahr. Die Zahl der Ausstellungsbesucher habe von 2015 bis 2017 um 20 Prozent abgenommen: Von mehr als 100 000 (2015) auf zirca 85 000 (2017). Zahlen für 2018 lagen den Bearbeitern noch nicht vor, seien aber sicher interessant, da in jenem Jahr der neue Ausstellungsbereich zu den Bautzener Haftanstalten in der Zeit des Nationalsozialismus eröffnet wurde.

Prognos bewertet dies wie folgt: „Die rückläufigen Arbeitsergebnisse der Gedenkstätte Bautzen zeigen unter anderem, dass die stiftungsinternen Konflikte zu Auswirkungen auf der Arbeitsebene führen und damit besonderen Einfluss auf die Outputs der Gedenkstätten haben.“  Wo es Konflikte zwischen der Stiftungsleitung und den Leitungen einzelner Gedenkstätten gibt, gebe es diese auch zwischen der Stiftungsleitung und den örtlichen Fördervereinen. Auch hierfür steht der Evaluationsbericht Bautzen exemplarisch.

Doch wie kann das Verhältnis verbessert werden? Prognos sieht unter anderem Defizite bei der Akzeptanz der Stiftung als „übergeordneter Instanz“ der einzelnen Gedenkstätten und empfiehlt, mehr Kraft und Zeit in die Ausprägung einer „gemeinsamen Identität“ in Form eines Leitbildes zu investieren. Bei der Konfliktbewältigung sei Hilfe von Außen in Form einer Mediation nötig. Verbesserungsbedarf gebe es auch bei der Öffentlichkeitsarbeit. Zugleich bestätigt der Bericht die Position des Geschäftsführers, der das „Letztentscheidungsrecht“ habe. Allerdings müsse er seine Entscheidungen begründen und besser kommunizieren. Schuldzuweisungen oder zumindest eine Ursachenforschung der Konflikte unterlässt der Bericht.

Die stellvertretende Geschäftsführerin der Stiftung, Julia Spohr, teilt auf Anfrage mit: „Der Stiftungsrat der Stiftung Sächsische Gedenkstätten hat das Ergebnis der Prüfung zur Kenntnis genommen und im Rahmen seiner Sitzung  die Umsetzung von Handlungsempfehlungen des Evaluators festgelegt.“ So sei das gemeinsame Leitbild zur baldigen Umsetzung empfohlen worden. Die Öffentlichkeitsarbeit soll weiterentwickelt, Vernetzung und Austausch verbessert werden. Bereits Anfang des Jahres sei unter Beteiligung von Beschäftigten aller Bereiche der Stiftungsarbeit mit der Fortschreibung der Entwicklungskonzeption begonnen worden. Die Mediation hingegen wird laut Ratsbeschluss vorerst zurückgestellt. Die Leitungen der einzelnen Einrichtungen sind gegenüber der Öffentlichkeit nicht auskunftsberechtigt und durften sich daher nicht äußern.