ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:03 Uhr

Landkreis Bautzen
Neue Kapriolen beim Kamenzer Hallenbad

Bautzen/Kamenz. Im Rahmen der Planung soll jetzt auch eine Standortanalyse erfolgen. Diese ist nicht nur auf die Lessingstadt begrenzt. Von Uwe Menschner

Die Diskussion um die Zukunft des Hallenbades in Kamenz hat neue Brisanz gewonnen. Der Bautzener Kreistag hat in seiner letzten Sitzung der aktuellen Legislaturperiode einem Beschlussvorschlag der Verwaltung zugestimmt, der vorsieht, im Rahmen der Planung eine Standortanalyse vorzunehmen. Diese Ergänzung war in der nichtöffentlichen, dem Kreistag vorgeschalteten Sitzung des Kreisausschusses fraktionsübergreifend gefordert worden.

„Es wäre das erste Mal, dass wir bei einer Investition von dieser Tragweite keine solche Analyse vornehmen“, erklärte der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Gerhard Lemm. Dabei sei es nicht das vordergründige Ziel – wie im Nachgang der Kreisausschusssitzung kolportiert – eine Standortentscheidung gegen Kamenz und für Radeberg zu erreichen. „Gleichwohl gäbe es Gründe, die für diese Option sprechen“, so Lemm, der selbst Oberbürgermeister von Radeberg ist. „Kamenz ist ein Hauptsitz der Kreisverwaltung, der Landkreis Bautzen betreibt hier zahlreiche Einrichtungen. In Radeberg dagegen ist er nur mit einer Außenstelle der Kreismusikschule präsent.“ In Hoyerswerda gibt es mit dem Lausitzbad auch ein Hallenbad - das gehört jedoch zur städtischen SWH-Gruppe.

Auch der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Matthias Grahl – dessen Meinung sonst selten mit der von Lemm übereinstimmt – plädiert für die Standortanalyse: „Es werden Tatsachen geschaffen, ohne dass die Grundlagen abschließend diskutiert sind“, bemängelt er und gibt zu bedenken: „Vielleicht ist ja ein anderer Standort in Kamenz günstiger als der bisherige? Exakt dort, wo sich die alte Schwimmhalle befindet, kann die neue sowieso nicht gebaut werden, da die alte ja bis zum Schluss in Betrieb bleiben soll.“

Anders, als noch bei der letzten Befassung mit dem Thema, favorisiert der Landkreis jetzt einen Neubau des Hallenbades anstelle der zunächst ins Auge gefassten Sanierung. Den Ausschlag dafür gab die Untersuchung eines Planungsbüros, das festgestellt hatte, dass ein Neubau nur unwesentlich teurer sei als die Sanierung. Die Kosten für den Neubau belaufen sich demnach auf 12 bis 14,5 Millionen Euro, die für die Sanierung auf 10 bis 12,5 Millionen Euro. „Als es noch um eine Sanierung ging, hat sich niemand um die Schwimmhalle gerissen. Jetzt, wo es um einen Neubau geht, ist das plötzlich anders“, wundert sich Matthias Bosch (CDU).

Ralph Büchner (Die Linke) hält die Diskussion über den Standort schlicht für überflüssig: „Wir setzen die in Aussicht stehenden Fördermittel aufs Spiel, wenn wir jetzt noch eine Analyse beauftragen, die eigentlich gegenstandslos ist.“

Denn laut den Förderbedingungen könne nur ein Ersatzneubau bezuschusst werden – der sich in der Nähe seines Vorgängers befinden müsse. Dies wiederum zieht Gerhards Lemm in Zweifel: „Es hat mir noch niemand darlegen können, wie weit ein Neubau vom Vorgängerbau höchstens entfernt sein darf, um als Ersatzneubau zu gelten.“

Die Förderung des Neubaus stellt überhaupt noch einen Unsicherheitsfaktor dar, denn sie ist laut Landrat Michael Harig (CDU) nur aufgrund einer Ausnahmeregelung möglich und noch nicht verbindlich zugesagt. Sollte sie nicht gewährt werden, müsse man doch auf die Sanierung zurückgreifen.

Der für die Linke im Kreistag sitzende Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz erinnert an „das Versprechen, das der Landrat den in Kamenz und Umgebung ansässigen Vereinen und Einrichtungen gegeben hat“ und sieht das Vertrauen der Bevölkerung in die Landkreispolitik gefährdet, falls tatsächlich ein anderer Standort ins Spiel käme. Sein Antrag, die Standortanalyse per Formulierung in der Beschlussvorlage auf Kamenz zu beschränken, fand keine Mehrheit, ebenso wie der Vorschlag der Linken, ganz auf die Untersuchung zu verzichten. „Wir werden die Analyse so rechtzeitig hinkriegen, dass die Gewährung der Fördermittel dadurch nicht gefährdet ist“, versichert Landrat Michael Harig.