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Bautzen hofft auf neue Brücke

So nah und doch so fern: Um von der einen Spreeseite auf die andere zu gelangen, ist ein erheblicher Umweg nötig.
So nah und doch so fern: Um von der einen Spreeseite auf die andere zu gelangen, ist ein erheblicher Umweg nötig. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Bautzen. Die TU Dresden hat eine Studie zu einer Spreequerung zwischen Protschenberg und Ortenburg vorgestellt. Die Finanzierung ist noch unklar. Uwe Menschner / ume1

Bautzen ist nicht nur eine Stadt der Türme, sondern auch der Brücken. Nicht weniger als zwölf Bauwerke überspannen das streckenweise tief eingekerbte Tal der Spree im Stadtgebiet. Doch ist das vielen Bautzenern und Besuchern der Stadt noch nicht genug: Sie wünschen sich eine weitere Brücke an besonders exponierter Stelle. Da, wo die Granithänge am steilsten sind und sich besonders nahe gegenüberstehen, zwischen Protschenberg und Ortenburg, sollen Fußgänger bald auf einem schmalen Steg die etwa 200 Meter Luftlinie überwinden.

Dagegen hätte auch Peter Schindler nichts einzuwenden. Der 68-Jährige ist aus Hildesheim mit seinem Wohnmobil innerhalb einer längeren Tour nach Bautzen gekommen und hat auf dem Großparkplatz an der Schliebenstraße, am nordwestlichen "Einfallstor" nach Bautzen, Quartier bezogen. "Hier passt einfach alles", sagt der Rentner, der mit seinem mobilen Heim schon sämtliche Bundesländer und viele europäische Staaten bereist hat. "Strom, Wasser, Toilette - alles vorhanden. Sogar meinen Klappstuhl kann ich aufstellen und mich wie auf einem Campingplatz fühlen."

Doch etwas fehlt zum Glück: "Wenn man von der Autobahn hier herüber kommt, sieht es aus, als ob sich die Türme unmittelbar hinter dem kleinen Wäldchen erheben und man sie mit einem kurzen Spaziergang erreichen kann. Doch dann ist man da und steht an einem Steilabhang, über den man als normaler Spaziergänger nicht hinüberkommt."

Peter Schindler kann jetzt natürlich über den Scharfenweg oder über die Friedensbrücke gehen und gelangt dann auch in 15 Minuten ins Zentrum. "Sie werden lachen, das habe ich auch schon gemacht", sagt er schmunzelnd. "Und es ist auch eigentlich keine Zumutung. Aber hier direkt rüber - das hätte was."

Nun, dieser nicht ganz neue Wunsch könnte seiner Erfüllung so nah sein wie noch nie. Hat doch die Stadt Bautzen beim Institut für Städtebau der TU Dresden eine Studie in Auftrag gegeben, die verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten der Brücke ausloten soll.

Und das Ergebnis liegt jetzt vor - die Vorzugsvariante zeigt ein schmales Band aus Betonplatten, das von einem hohen Geländer aus Gitterstäben trogförmig eingerahmt wird. Wie die Stützkonstruktion aussieht, ob die Brücke ohne zusätzliche Pfeiler auskommt - dies geht aus dem Entwurf noch nicht hervor. "Fragen der technischen Umsetzung, der Genehmigungsplanung oder der Finanzierung wurden in dieser Studie noch nicht untersucht", dämpft Laura Ziegler von der städtischen Pressestelle dann auch allzu große Euphorie. Doch immerhin - ein Anfang ist gemacht.

Die Brücke bildet allerdings nur einen Teil des Komplexes, mit dem sich die TU-Studenten befasst haben. Dazu zählen auch eine mögliche Erweiterung der Parkplatzkapazitäten an der Schliebenstraße sowie die Gestaltung einer "Bürgerwiese" mit vielfältigen Freizeitangeboten in unmittelbarer Nähe. Dem Bautzener Stadtrat sollen die Pläne am 30. August vorgestellt werden, erste Reaktionen aus den Fraktionen sind durchweg positiv. Die Diskussion in den sozialen Netzwerken lässt allerdings auch eine große Contra-Fraktion innerhalb der Bürgerschaft erkennen. Deren Anhänger stören sich einerseits an den hohen Kosten von (geschätzt) etwa einer Million Euro, andererseits an einer vermeintlichen "Verschandelung" des Stadtbildes an dieser Stelle.

Befürworter hingegen heben den in den letzten Jahren stagnierenden Tourismus in Bautzen hervor, der dringend neue Impulse benötige.