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| 02:42 Uhr

Bauherr: "Ein normaler Prozess”

Die Jakubzburg bleibt weiter Schlichtungsthema in Mortka.
Die Jakubzburg bleibt weiter Schlichtungsthema in Mortka. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Lohsa/Mortka. Die Bebauung auf dem Gelände der Jakubzburg hat erneut zu Debatten im Lohsaer Gemeinderat geführt. Im Januar war der zweite Entwurf zur zweiten Änderung des Bebauungsplanes durch Bürgermeister Thomas Leberecht wegen noch einzuarbeitender Stellungnahmen einiger Träger öffentlicher Belange von der Tagesordnung abgesetzt worden. Mandy Fürst / mft1

Nun sahen aktuelle Beschlussvorlagen die Bestätigung des überarbeiteten Entwurfs und seiner erneuten öffentlichen Auslegung vor.

Er könne sich des Eindrucks nicht erwehren, man würde unter dem Deckmantel des Gemeinderates Dinge schönen und nicht genehmigte Bauten im Nachhinein legalisieren wollen, warf Steffen Mühl (Freie Wähler Knappensee) erneut ein.

Es sei richtig, dass in den Abwägungsbeschluss bereits bestehende bauliche Anlagen eingeflossen seien, um eventuellen Abrissverfügungen zu entgehen, räumte Bauamtsleiter Wolfgang Tietze ein. Das aber sei ein probates Mittel zur nachträglichen Legalisierung und zur Verhinderung eines Rückbaus, erklärte Dipl.-Ing. Berthold Haß, beauftragter Landschaftsarchitekt aus Radeberg.

Außerdem, so Haß, handele es sich nicht um Hochbauten, sondern um Zufahrten. Durch die großflächige Änderung von grünen auf orangene Flächen im B-Plan entstehe der falsche Eindruck, dass viel Neues entstehen würde. Es handele sich aber lediglich um die Befestigung eines Bergungs- und Rettungsweges für die Feuerwehr, relativierte Bauherr Andre Jakubetz. Die Änderung des Bebauungsschlüssels von 0,3 auf 0,8 habe mit der Erweiterung der Anlage um das Mittelalterdorf zu tun. Überhaupt sei die Fortschreibung eines B-Planes im Laufe der Entwicklung eines Standortes ein normaler Prozess, der auch am Hundeplatz in Litschen oder am Dreiweiberner See betrieben wird oder zu erwarten ist, so Jakubetz. Er setze sich gern für die Region ein, wolle aber nicht zum Gegner werden.

Die Nutzung der Wiese als temporäre Park- beziehungsweise Bühnenfläche wird jedoch nach Baugesetzbuch die bisher nicht vorgesehene flächenmäßige Ausdehnung des B-Planes und damit die Änderung des Genehmigungsverfahrens von einem vorhabenbezogenen zu einem allgemein verbindlichen Bebauungsplan nach sich ziehen. Dieser betrifft dann nicht mehr nur den Bauherren, erklärte Berthold Haß, sondern schreibt die Jakubzburg als allgemeine Freizeitanlage fest und führt zur größtmöglichen Beteiligung von Ämtern, Behörden, Verbänden und der Bürger.

Hinzu kommt aufgrund der Ausdehnung in das Biosphärenreservat für eine rechtssichere Nutzung der Wiesenfläche hinter der Burg auch noch eine Umweltprüfung. Man habe sich der Genehmigungsfähigkeit durch Einarbeitung aller vorgebrachten Hinweise bestmöglich angenähert, betonte der Planer.

Umso größer war sein Erstaunen, als in der Versammlung von einem offenbar kurz vor Sitzungsbeginn an die Gemeinderäte und den Bürgermeister gerichteten Beschwerdebrief die Rede war. Die erste öffentliche Auslegung des Entwurfsplanes habe keinerlei Hinweise, Einwände oder Statements von Bürgern zur Folge gehabt, führt Berthold Haß an. Von "Entsetzen, dass es ein solches Schreiben gibt", sprach CDU-Gemeinderat Tino Starost vor dem Hintergrund, dass es vor zwei Jahren intensive Gespräche mit einer vermeintlich nachhaltigen Einigung zwischen Anwohnern und dem Bauherren gegeben habe. Die Hinweise in dem Brief beträfen vornehmlich Aspekte zur Einhaltung von Ruhezeiten, ist aus dem Rathaus zu erfahren. Das Papier sei nicht, wie in der Sitzung erwähnt, von 40 Haushalten, sondern von einer Reihe Privatpersonen unterzeichnet worden. Bürgermeister Thomas Leberecht will nun mit Nachdruck auf direkte Gespräche zwischen den Parteien drängen werde.