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| 13:50 Uhr

Hoyerswerda
Bauer: „Inklusion sollte in zehn Jahren Alltag sein“

Hoyerswerda. 60 Jahre FSG Medizin Hoyerswerda – der Verein lädt zur Diskussion, wie weit es mit der Inklusion ist. Richtig unzufrieden ist niemand – richtig zufrieden aber auch nicht. Ziel ist aber: Einfach machen. Von Sascha Klein

Wie steht es um die Inklusion im Sport in der Region? Diese Frage hat sich die FSG Medizin Hoyerswerda anlässlich ihres 60. Geburtstags gestellt. Das Ergebnis ist überraschend und eher eine Aufforderung an alle, die Sport treiben wollen: „Menschen mit Behinderungen sollten ihre Hemmschwelle überwinden und mehr auf Vereine zugehen und fragen, was sie machen können“, sagt Franziska Pohling, die Behindertenbeauftragte des Landkreises Bautzen, die gar nicht auf dem Podium gesessen hat.

Anke Stefaniak ist 1. Vorsitzende der FSG Medizin.
Anke Stefaniak ist 1. Vorsitzende der FSG Medizin. FOTO: LR / Sascha Klein

Einen speziellen Überblick über Vereine, die Angebote für Menschen mit Handicap machen, gibt es aber nicht, sagt Lars Bauer, Geschäftsführer des Kreissportbundes Bautzen. „Es werden immer mehr Vereine, die sich mit dem Thema beschäftigen“, sagt Bauer. Statistisch belegen lasse sich das aber nicht. Ein Beispiel dafür ist gerade die gastgebende FSG Medizin: „Wir leben Inklusion schon immer – nur eben nicht unter diesem Namen“, sagt Bärbel Wolf, die 2. Vorsitzende des Vereins. Unter anderem gibt es einen Schwimmkurs, bei dem zwei Frauen mit Down-Syndrom mitmachen. „Das ist für alle Teilnehmer normal“, sagt Anke Stefaniak, die 1. Vorsitzende der FSG Medizin.

Lars Bauer ist
Geschäftsführer des Kreissportbundes Bautzen.
Lars Bauer ist Geschäftsführer des Kreissportbundes Bautzen. FOTO: LR / Sascha Klein

Ein großes Problem sei immer wieder der Zustand der Sportstätten. Sachsenweit seien viele in einem schlechten Zustand, sagt Simone Zimmermann, Vize-Präsidentin des Sächsischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes (SBV). Vereine könnten dafür jedoch zum Beispiel die Förderung des Programms „Lieblingsplätze“ nutzen, so Behindertenbeauftragte Franziska Pohling. Bis jetzt seien dort schon eine Million Euro ausgereicht worden. Der Haken: Kommunen seien in der Regel von der Förderung ausgenommen.

Die FSG Medizin versteht sich als ein Verein, der ein breites Sportangebot für Jung und Alt anbietet. „Bei unserem Kurs ‚Fit für die 100’ machen Menschen Sport, die 80 und älter sind“, sagt Anke Stefaniak. Für diese Menschen sei das nicht nur Sport, sondern bedeute auch einen sozialen Aspekt. „Die Leute kommen auch mal raus.“ Nutzen zieht auch das Laurentiushaus von den Angeboten der FSG Medizin: „Wir haben in ihnen einen Partner gefunden, der mitdenkt und vieles möglich macht“, betont Einrichtungsleiterin Silke Eichler. Dort leben Menschen im Alter von 56 bis 101 Jahren.

Deutlich wird: Es ist insgesamt noch ein weiter Weg, um Menschen mit Behinderungen ein breites Spektrum an Teilhabe zu bieten. Mit Blick auf die Situation in zehn Jahren sagt KSB-Geschäftsführer Lars Bauer: „Ich hoffe, dass wir in zehn Jahren nicht mehr über Inklusion sprechen. Inklusion sollte in zehn Jahren Alltag sein.“