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Barocker Glanz erstrahlt wieder

Die Dresdner Restauratorin Barbara Friedrich hat die umfassende Restaurierung des Wittichenauer Rosenkranzaltars geleitet.
Die Dresdner Restauratorin Barbara Friedrich hat die umfassende Restaurierung des Wittichenauer Rosenkranzaltars geleitet. FOTO: Hirschfeld/hir1
Wittichenau. Knapp ein Jahr nach dem Start der umfassenden Restaurierungsarbeiten erstrahlt der wertvolle und sehr alte Rosenkranzaltar der katholischen Pfarrkirche Wittichenau nun pünktlich zum christlichen Rosenkranzfest wieder in neuem Glanz. Bei einem Gottesdienst am Wochenende ist er gesegnet worden. Heinz Hirschfeld / hir1

Zum Schluss musste die Dresdner Restauratorin Barbara Friedrich in ihrer Werkstatt wohl noch einige "Nachtschichten" einlegen, damit der vier Jahrhunderte alte barocke Altar pünktlich zum katholischen Rosenkranzmonat und zum Wittichenauer Rosenkranzfest im Oktober wieder an seinem Platz in der Pfarrkirche nutzbar ist. Doch am vergangenen Freitagabend konnte der restaurierte Altar nun feierlich unter dem einfühlsam dargebotenen "Ave Maria" des deutschen und sorbischen Kirchenchores Wittichenau eingeweiht werden. Pfarrer Dr. Wolfgang Kresak verwies darauf, dass ohne die finanziellen Bemühungen der Stiftung der Ostdeutschen Sparkasse es sicherlich noch sehr lange gedauert hätte, bis das Geld für die Altar-Restaurierung zusammengekommen wäre. Doch die Ostdeutsche Sparkasse Dresden ebnete die Wege, so dass die Sparkassenstiftung Berlin das Geld für die Restaurierung zur Verfügung stellte. Dort sieht man den Rosenkranzaltar als hohes sächsisches und religiöses Kulturgut.

Dieser barocke Altar ist eng mit der 1672 gegründeten Rosenkranzbruderschaft Wittichenau verbunden. In einer Zeit heftiger Konfessionskämpfe erwies sich der damalige Fronleichnamaltar als ein Relikt unerschütterlichen Glaubens im Volk. Für die noch junge Rosenkranzbruderschaft war er eine gewaltige Hilfe im Gebet, genauso wie der Rosenkranz. Im Jahre 1675 wurde der alte Fronleichnamaltar der Kirche zum Rosenkranzaltar umgebaut und die Wittichenauer Rosenkranzbruderschaft stiftete ein Altarbild. Dieses ist das Herzstück des Altars und zeigt die Rosenkränze spendende Madonna. Das Gemälde ist ebenfalls fachmännisch konserviert und restauriert worden.

Die vor knapp 350 Jahren gegründete Rosenkranzbruderschaft gibt es bis heute in Wittichenau. Sie hat 51 eingeschriebene Mitglieder. Das Buch, in welches seit 1672 die Mitglieder eingetragen werden, wurde ebenfalls restauriert. Der Wittichenauer Rosenkranzaltar schaffte es übrigens 1973 bis ins DDR-Fernsehen. Er war Gegenstand einer Folge von "Polizeiruf 110". Der Krimi trug damals den Titel "Eine Madonna zuviel".

Während der Wiedereinweihungszeremonie am Freitagabend wurde der Rosenkranzaltar gesegnet. Für Restauratorin Barbara Friedrich war die Arbeit an diesem historischen Kunstwerk eine ihrer bedeutendsten in mehr als 40 Arbeitsjahren. "Bei den Arbeiten vor Ort habe ich gespürt, dass in Wittichenau eine besonders wohltuende und inspirierende Atmosphäre herrscht. Es gab viele Menschen, die sich für meine Arbeit interessierten und im Rahmen ihrer Möglichkeiten Hilfe anboten. Das ist etwas Besonderes", sagte die Dresdner Restauratorin.

Die Restaurierung des Wittichenauer Rosenkranzaltars wird wohl an die 60 000 Euro kosten. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung wird einen Großteil übernehmen. Bleibt noch ein "Rest", der durch Spenden und Eigenmittel der Wittichenauer Kirche finanziert wird. Dafür besteht die Möglichkeit, einen eigens dafür bestimmten Rosenkranz gegen eine Spende zu erwerben.