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Ballhaus oder Bürgerzentrum?

Noch vor Ostern sollen die Montagearbeiten an der Glasfassade in der Braugasse 1 abgeschlossen sein.
Noch vor Ostern sollen die Montagearbeiten an der Glasfassade in der Braugasse 1 abgeschlossen sein. FOTO: S. Bartholome
Hoyerswerda. Insgesamt 99 Namensvorschläge haben die Stadt Hoyerswerda für das künftige Bürgerzentrum in der Braugasse 1 erreicht. Die Stadträte entscheiden heute Abend darüber, welchen Namen das Gebäude bald tragen wird. Sophie Bartholome

Um für das Haus im Herzen der Altstadt in der Braugasse einen geeigneten Namen zu finden, hatten die Stadtverwaltung Hoyerswerda und die zukünftigen Nutzer im Januar 2014 die Bürger aufgerufen, Vorschläge einzureichen. Das Ergebnis: 99 verschiedene Namen bei insgesamt 23 Einsendungen. Heute Abend werden die Mitglieder des Stadtrates jedoch nicht über den ursprünglich internen Favoriten "Ballhaus Konrad", sondern über den Namen "Bürgerzentrum Braugasse 1" abstimmen. Letzteren hatte der Verwaltungsausschuss jüngst empfohlen.

Aufgrund des einen übereinstimmenden Favoriten der Kulturfabrik und Stadtverwaltung sollte dem Stadtrat vorerst der Name "Ballhaus Konrad" vorgeschlagen werden. Nach den Beratungen des Kultur- und Verwaltungsausschusses im März wurden jedoch durch mehrere Stadträte weitere Vorschläge eingebracht. Die Kritik: Der demokratische Abstimmungsprozess für die Bürger von vor über einem Jahr sei an den meisten vorbeigegangen. "Für mich ist das keine Bürgerbeteiligung. Den Abstimmungsprozess hätte man viel breiter aufstellen müssen", findet Katrin Kiefel (Aktives Hoyerswerda) und ergänzt: "Ich hatte als Bürger fast gar keine Chance mich daran zu beteiligen." Der Bürgeraufruf hätte beispielsweise nicht über den Jahreswechsel stattfinden und präsenter auf der Homepage der Stadt sein sollen, so Kiefel weiter.

Auf "Ballhaus Konrad" hatte sich die Stadtverwaltung mit der Kulturfabrik und dem Natz laut Beschlussvorlage einst geeinigt, da dieser für die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes und den Computervater stehen würde. Nach der geänderten Vorlage hat die Kulturfabik in einem Brief an die Stadtverwaltung und die Räte noch einmal ihre Ansichten klar gemacht und die Bitte geäußert, den Namen erneut zu überdenken. Darin heißt es: "Braugasse 1 ist eine klare Straßen- und keine Objektbezeichnung. Kaum ein Hoyerswerdaer kennt den Namen dieser Gasse, noch weniger die zu erwartenden Besucher aus dem Umland." Zudem würde der Schriftzug an die Fassade im Straßenverlauf Schlossstraße angebracht werden, was zu Irritationen führen würde. Letztendlich könne die Kufa als Mieter nur die Anregung geben, erneut über den Namen nachzudenken, wie Geschäftsführer Uwe Proksch erklärte. Zu den weiteren favorisierten Namensvorschlägen der Stadtverwaltung und den beiden Nutzern gehörten zum Beispiel auch nur "Braugasse", "Ballhaus Z1" oder "Stadtgeist". Stadtrat Ralph Büchner (Die Linke) hatte in den letzten Tagen als Resonanz auf den Brief der Kufa eine Umfrage im sozialen Netzwerk "Facebook" gestartet. Daran hatten sich etwa 70 Bürger beteiligt und anstatt für den Namen "Ballhaus" für den Vorschlag "Bürgerzentrum Braugasse 1" gestimmt. Für Ralph Büchner hätte sich der Begriff "Braugasse 1" in der Vergangenheit auch durch den gleichnamigen Verein, in dem er selbst Mitglied ist, verselbstständigt.

Zum Thema:
Als Ball- und Gesellschaftshaus wurde der Altbau im Jahr 1885 errichtet. 1912 zog dort das "Reform-Real-Gymnasium" ein. Die Umbenennung zum "Lessing-Gymnasium" erfolgte 1937. Während des Neustadt-Aufbaus diente das Haus durch den schnellen Bevölkerungszuwachs auch als Behelfslösung für Schulen. Auch als Pionierhaus "Grete Walter" ist vielen Bürgern das Gebäude noch bekannt. Die Stadt richtete es dort 1975 ein. 1992 wurde es als "Kinder- und Jugendtreff am Markt" weitergeführt. Vier Jahre später erfolgte außerdem die Umprofilierung zum Soziokulturellen Zentrum der Stadt, schon damals in Zusammenarbeit mit der Kulturfabrik. Im Sommer 2000 zogen die Nutzer aus, um Baufreiheit für die geplante Sanierung zu schaffen.