Zahlreiche Jugendliche sind vor wenigen Tagen in die Berufswelt eingetreten und haben ihre Ausbildung in den Betrieben der Region begonnen. Doch wie schwer es mittlerweile ist, geeignete und qualifizierte Kandidaten zu finden, davon kann Mike Polischtschuk, der Niederlassungsleiter der Nerlich & Lesser KG am Standort in Seidewinkel, ein Lied singen. Er hat zwar gute Lehrlinge für dieses Jahr gefunden, dennoch gestaltete sich die Suche bisher noch nie so schwierig und zäh wie in diesem Jahr. Im Schnitt zählte der Niederlassungsleiter stets etwa 20 Bewerber, diese Zahl hat sich 2016 um mehr als die Hälfte reduziert. Und dabei seien Ausbildungsplätze zum Kaufmann für Groß- und Außenhandel gefragt. Seiner Meinung nach würde es die Jugendlichen für den Eintritt in die Berufswelt immer mehr in die Großstädte ziehen.

Im Landkreis Bautzen sind nach Angaben der Agentur für Arbeit derzeit von insgesamt knapp 1570 gemeldeten Ausbildungsstellen noch etwa 650 unbesetzt. Dazu zählen vor allem Stellen als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik, Zerspanungsmechaniker, Einzelhandelskaufmann oder als Anlagenmechaniker für Sanitär- und Heizungs-Klimatechnik. Nicht immer erfüllen die Bewerber die gewünschten Anforderungen der Unternehmen, wohnen nicht in der Nähe des Ausbildungsbetriebs oder haben einfach andere Berufswünsche. "Trotz des Ausbildungsbeginns haben wir noch viele freie Ausbildungsplätze im Angebot. Wer noch auf der Suche ist, sollte sich schnell bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur Bautzen melden. Meine Mitarbeiter kennen den regionalen Ausbildungsmarkt sowie aktuelle Trends und beraten auch zu Alternativen zum Wunschberuf", so Thomas Berndt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bautzen. Im Landkreis würden sich derzeit noch 560 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz befinden. Insgesamt waren seit Oktober bis Juli 1950 Bewerber gemeldet, das sind fünf Prozent weniger als noch im Vorjahr.

Im Autohaus Neustadt in Hoyerswerda hat das erste Ausbildungsjahr ebenfalls mit dem 1. August begonnen. Ein neuer Azubi bereichert seitdem das Team. "Wir würden aber gern ab September noch einen Zweiten einstellen", sagt Niederlassungsleiter Jürgen Hinderer. Für Kurzentschlossene biete sich also hier noch eine Möglichkeit. Gute Umgangsformen und Kommunikationsfähigkeit seien nur einige der Anforderungen, die ein künftiger Automobilkaufmann oder eine -kauffrau mitbringen sollte. Im ersten Moment seien die Bewerber in diesem Jahr vielversprechend gewesen, viele hatten aber letztlich qualitativ nicht so überzeugt, wie es sich das Unternehmen gewünscht hätte, so Jürgen Hinderer. Derzeit lernen im Hoyerswerdaer Autohaus insgesamt drei Azubis. Erst seit wenigen Jahren bildet das Autohaus wieder Lehrlinge aus.

Noch schwerer gestaltet sich die Suche nach Azubis im landwirtschaftlichen Bereich. Roland Nuck, der Geschäftsführer der Bergener Landwirtschafts GmbH, weiß, wovon er redet. Umso mehr freut er sich darüber, dass in diesem Jahr Bewerbungen für die Ausbildung zum Landwirt bei ihm eingetroffen sind. "Im letzten Jahr hatten wir gar keinen Bewerber", erzählt er. Woran das liegt? Jugendliche würden sich immer weniger gern, die Hände schmutzig machen wollen und bevorzugen geregelte Arbeitszeiten, findet Roland Nuck. "Unsere Branche merkt das bei der Ausbildungssuche natürlich zuerst", sagt der Geschäftsführer weiter. Zudem sei es schwer junge Leute für den Beruf des Landwirts zu begeistern, was Roland Nuck nicht verstehen könne, schließlich sei dieser doch "der schönste Beruf der Welt".

Zum Thema:
Die Agentur für Arbeit Bautzen ruft bereits jetzt all diejenigen auf, die im nächsten Jahr die Schule verlassen und eine Ausbildung beginnen wollen, sich rechtzeitig mit der Berufswahl auseinanderzusetzen. "Wir kümmern uns aktuell mit Hochtouren um die jungen Menschen, die ihr Abschlusszeugnis in der Hand haben und vor dem Eintritt in die Berufswelt stehen", sagt Thomas Berndt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bautzen. "Doch gerade weil die Berufswahl eine wichtige und weichenstellende Herausforderung im Leben eines jungen Menschen ist, kann man nicht früh genug damit anfangen. Meine Berufsberater sind dafür die passenden Ansprechpartner - von der Berufsauswahl bis hin zum Ausbildungsplatz", so Berndt. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.dasbringtmichweiter.de oder unter der gebührenfreien Hotline 0800 4 5555 00 für Jugendliche und 0800 4 5555 20 für Arbeitgeber. Zudem informiert ein Berufsberater der Polizeidirektion Görlitz am Dienstag, dem 9. August, um 16 Uhr in der Agentur für Arbeit in Hoyerswerda (Albert-Einstein-Straße 47) über Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten bei der Polizei. Interessierte sind eingeladen.