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Auszeit für die Seenland-Bahn

Der alte Bahnhof in Bernsdorf steht leer und befindet sich in Privatbesitz. Ob hier eine mögliche Seenland-Bahn stoppen könnte, ist bisher noch nicht geklärt. Falls es keine Einigung geben sollte, müsste die Stadt einen eigenen neuen Haltepunkt bauen.
Der alte Bahnhof in Bernsdorf steht leer und befindet sich in Privatbesitz. Ob hier eine mögliche Seenland-Bahn stoppen könnte, ist bisher noch nicht geklärt. Falls es keine Einigung geben sollte, müsste die Stadt einen eigenen neuen Haltepunkt bauen. FOTO: cw
Bernsdorf. In diesem Jahr wird nun doch keine Ferienbahn mehr aus Dresden bis ins Lausitzer Seenland rollen. Aber das Projekt soll ab 2018 neu Schwung holen. Catrin Würz

Einen Rückschlag muss die Seenland-Bahn einstecken. Drei Jahre nach dem Start des hoffnungsvollen Projektes steht die schnelle Schienenverbindung aus der Landeshauptstadt ins Tourismusgebiet Lausitzer Seenland nun wieder vor einem Haltesignal. Denn in diesem Sommer werden vorerst keine Personenzüge aus Dresden über Kamenz, Bernsdorf und Wiednitz auf den nur noch für den Güterverkehr genutzten Schienen nach Senftenberg rollen. Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel (CDU) hätte sich sehr gewünscht, dass wenigstens der angedachte "Testballon" für einen regulären Ferienfahrplan schon in diesem Jahr gestartet wird. Doch die Finanzierung dafür ist nach zahlreichen Verhandlungen beim Landkreis, in Staatsanzlei und Wirtschaftsministerium nicht zustande gekommen.

Nachdem die Seenland-Bahn seit 2014 mit reinen Touristenausfahrten inklusive gebuchten Erlebnis-Angeboten jährlich etwa 180 bis 220 Passagiere anlockte, sollte für 2017 eine neue Qualität erreicht werden. Gedacht war es nämlich, dass jeweils an den sechs Wochenenden der sächsischen Sommerferien regulär einmal pro Tag ein Zug aus Dresden ins Seenland und zurück rollt. "Das sollte zu im Verkehrsverbund üblichen Fahrkartenpreisen erfolgen - und die Gäste könnten dann im Voraus oder vor Ort ganz individuell touristische Angebote im Seenland und in der Bergbaufolgelandschaft dazu buchen", erklärt Harry Habel. So könnten die Bahnverbindung auch Menschen nutzen, die am Ziel nicht den Tagebauausflug oder die See-Rundfahrt machen wollen. Eine Probesaison 2017 sollte eigentlich den Bedarf austesten. "Das ist aber nicht vom Tisch. Wir wollen nun bis 2018 die Sommerferien-Wochenendfahrten festmachen", erklärt Bürgermeister Harry Habel. Weitere intensive Gespräche zwischen dem Landkreis Bautzen und dem Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) seien dafür nötig. Die Region wolle zudem im sächsischen Landtag das Thema anschieben, um zu erreichen, dass die schnelle Bahnverbindung ins vor den Toren Dresdens liegende Tourismusgebiet in den regulären Verkehrsplan ab 2019/20 aufgenommen wird.

Habel ist optimistisch, dass das gelingen kann. "Ich werde jedenfalls nicht aufhören, weiter dafür zu kämpfen", erklärte er Donnerstagabend vor den Stadträten.

Bernsdorf hat freilich zu diesem Thema noch eigene "Hausaufgaben" zu machen. Der alte Bernsdorfer Bahnhof befindet sich derzeit in Privatbesitz und steht momentan wieder zum Verkauf. Damit eine Seenland-Bahn dort überhaupt anhalten könnte, müsste die Stadt eine Einigung mit dem Grundstückseigentümer herbeiführen. Ob das gelingt, ist bislang unklar. Wenn die Stadt den Bahnhof nicht als Haltepunkt für die dringend herbeigesehnte Zugverbindung nutzen kann, dann müsste sie einen neuen Haltepunkt schaffen, was prinzipiell nicht unmöglich ist.