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| 17:17 Uhr

Hoyerswerda
Der alltägliche Schrecken

Kuratorin Christl Wickert (r.) erklärt den Gästen und Schülern den Aufbau der Wanderausstellung. Sie ist bereits an 20 Orten gezeigt worden.
Kuratorin Christl Wickert (r.) erklärt den Gästen und Schülern den Aufbau der Wanderausstellung. Sie ist bereits an 20 Orten gezeigt worden. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Neue Ausstellung im Johanneum zeigt medizinische Versorgung in einem KZ. Von Sascha Klein

Ein erstickender Gestank schon am Eingang des Krankenlagers, überall Blut, Eiter, leidende und stöhnende Menschen. Von diesem unmenschlichen Alltag erzählt die Wanderausstellung „unmöglich, diesen Schrecken aufzuhalten“, die seit Dienstag im Hoyerswerdaer Johanneum zu sehen ist. Sie zeigt die medizinische Versorgung durch Häftlinge im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück zwischen 1939 und 1945.

Diese Ausstellung ist zugleich der Beginn eines neuen Projektjahres von „Wider das Vergessen“. Dabei setzen sich Zehntklässler der Hoyerswerdaer Schulen mit dem Nationalsozialismus und seinen Auswirkungen auseinander. Das Projekt gibt es inzwischen seit 23 Jahren. Eine ganze Generation Hoyerswerdaer Schüler hat sich mit diesem Thema beschäftigt.

Hoyerswerdas Bürgermeister Thomas Delling (SPD) sagte zur Eröffnung, auch heute gebe es Menschen, die den Nationalsozialismus noch immer verniedlichten. Dabei sprach er direkt AfD-Bundessprecher Alexander Gauland an, der die Zeit von 1933 bis 1945 geschichtlich einen „Fliegenschiss“ genannt hatte. „Das hieße ja, die Zeit wäre unbedeutend gewesen“, sagte Delling. „Aber es ist kein Fliegenschiss.“ Der Nationalsozialismus habe eine schwere Zeit über Deutschland und ganz Europa gebracht. Bis zu 65 Millionen Menschen sind während des Zweiten Weltkriegs zu Tode gekommen.

Wie die Kuratorin der Ausstellung Dr. Christl Wickert erzählte, mussten die dort zwangsverpflichteten Schwestern und Ärzte Tag für Tag entscheiden, wer die viel zu wenigen Medikamente bekommt und eine Chance aufs Überleben hat und wem nicht geholfen werden kann. „Ich hätte unter diesen Zwängen nicht entscheiden wollen“, sagte sie.

Die Ausstellung „unmöglich, diesen Schrecken aufzuhalten“ ist noch bis zum 18. September in der Christlichen Schule Johanneum in der Hoyerswerdaer Fischerstraße zwischen 10 und 15 Uhr zu sehen. Besucher sollten sich zuvor im Sekretariat anmelden, so Schulleiter Günter Kiefer.