| 14:19 Uhr

Hoyerswerda
Ausgabe 20 ist da. Und was dann?

Elke Roschmann vom Museum (l.), Oberbürgermeister Stefan Skora und Angela Donath präsentieren das Jubiläumsheft im Rathaus.
Elke Roschmann vom Museum (l.), Oberbürgermeister Stefan Skora und Angela Donath präsentieren das Jubiläumsheft im Rathaus. FOTO: Sascha Klein / LR
Hoyerswerda. Die Neuen Hoyerswerdaer Geschichtshefte erklären die Stadt. Zum letzten Mal hat Elke Roschmann das Zepter dafür in der Hand. Wer ihr nachfolgt, ist noch nicht entschieden. Von Sascha Klein

Geschichte kann eine staubtrockene Angelegenheit sein. Es kommt oft darauf an, wie sie präsentiert wird. Bei Elke Roschmann ist Geschichte immer lebendig und erlebbar. Die wissenschaftliche Leiterin des Stadtmuseums ist so etwas wie das geschichtliche Gehirn der Stadt. Sie kennt viele Geschichten und Mythen über Hoyerswerda. Sie ist es auch, die Jahr für Jahr die Neuen Hoyerswerdaer Geschichtshefte entwickelt und mitgestaltet.

In diesem Jahr hat sie sich dem Hoyerswerdaer Industriegelände gewidmet. Wie hat es funktioniert, neben einer völlig neuen Stadt auch die passende Infrastruktur aufzubauen? „Hoyerswerda hatte im Jahr 1955 eine kleine Molkerei und ein paar Bäcker“, sagt sie am Donnerstag im Rahmen der Vorstellung der 20. Ausgabe der Geschichtshefte im Rathaus. Schnell gab es Versorgungsprobleme. „Backwaren wurden aus bis zu 100 Kilometern Umkreis nach Hoyerswerda gebracht“, sagt sie. Und schon hat Elke Roschmann wieder für Bilder im Kopf gesorgt. Das Industriegelände – das bedeutete große Bushallen, die Wäscherei „Schwanenweiß“, die Molkerei und die Bäckerei „Hoback“.

Doch dieses 20. Heft der Neuen Hoyerswerdaer Geschichtshefte bedeutet auch eine Zäsur. Für Elke Rosch­mann ist es das letzte Mal, dass sie diese Reihe verantwortet hat. Sie geht im kommenden Jahr in Rente. Sie gibt den Staffelstab in Sachen Geschichte weiter.

Aber an wen? Das ist noch nicht klar. Oberbürgermeister Stefan Skora und Angela Donath aus der Pressestelle schauen sich an. „Das werden wir noch besprechen“, sagt Skora schließlich. Was jedoch feststeht: Die Reihe der Neuen Hoyerswerdaer Geschichtshefte soll es weiter geben. „Themen gibt es genug“, sagt Elke Roschmann. Ein Kraftakt sei jedoch Jahr für Jahr die Produktion. Trotz guter Organisation sei es eine Arbeit, die irgendwie neben den anderen Alltags-Aufgaben zu erledigen ist. Es ist eine Aufgabe, an der Elke Roschmann Freude hat. Die aktuelle Ausgabe hat eine Auflage von 400 Stück. Das Heft hat eine feste Fan-Gemeinde, bisher sind zwei Auflagen komplett vergriffen – unter anderem Ausgabe 17. Darin ging es um Hoyerswerda und den Ersten Weltkrieg.

Für Stadt und Stadtmuseum sind die Geschichtshefte ein Lieblingskind. „Ich finde es schön, dass das Heft viele Handschriften hat und teils auch kontroverse Ansichten liefert“, sagt OB Skora. Im aktuellen Heft beschäftigt sich Museums-Mitarbeiterin und Historikerin Diana Schönig mit dem Stadtumbau – in Hoyerswerda ein höchst emotionales Thema. Die Stadt steckt dabei im Zwiespalt zwischen den Erinnerungen und den Heimatgefühlen vieler Hoyerswerdscher und dem wirtschaftlichen Zwang abzureißen.

Für Diskussionen könnte auch das Herzstück der 20. Ausgabe sorgen. Der Münchner Historiker, Politologe und Philosoph Dr. K. Erik Franzen hat sich mit Hoyerswerda als Ort der Migration über gut zwei Jahrhunderte beschäftigt. Die Kernaussage fasst Elke Roschmann zusammen: Hoyerswerda sei eine Stadt mit Migrationsvordergrund. Während der Industralisierung wuchs die Stadt zum ersten Mal von 4000 auf 7000 Einwohner. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe Hoyerswerda rund 1300 Vertriebene aufgenommen, vor allem aus Schlesien, Ostpreußen und Pommern. Das sei ein Fünftel der Gesamtbevölkerung gewesen. Die dritte Welle habe mit dem Bau des Kombinats Schwarze Pumpe und der Neustadt eingesetzt. Die Stadt wuchs auf bis zu 71 000 Menschen. Die vierte Welle seien nun einige Hundert Asylsuchende, aber seit Jahren auch viele Hundert Menschen, die aufgrund der Arbeit in die Region ziehen und neue Einflüsse mitbringen.

Die 20. Ausgabe der Neuen Hoyerswerdaer Geschichtshefte und auch die anderen noch erhältlichen Ausgaben gibt es im Stadtmuseum und an der Zookasse. Sie kosten vier Euro pro Stück.