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| 19:49 Uhr

Porträt
Aus Leidenschaft für Tüftelei und Technik

Keiner kennt sich in der Bibliothek so gut aus wie Wolfgang Kunde (l.). 3000 Bücher werden hier verwaltet. Gerhard Walter sucht hier oft nach Literatur.
Keiner kennt sich in der Bibliothek so gut aus wie Wolfgang Kunde (l.). 3000 Bücher werden hier verwaltet. Gerhard Walter sucht hier oft nach Literatur. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Das Hoyerswerdaer Zuse-Computermuseum hat viele Unterstützer. Zwei Ehrenamtler sprechen über ihre Leidenschaft für Technik und Geschichte. Von Anja Hummel

„Wo hast du das denn her?“, hält Gerhard Walter erstaunt ein kleines blaues, doch recht dickes Schriftstück in der Hand.  „Das ist von einem verstorbenen Diplom-Mathematiker“, antwortet Wolfgang Kunde. Er schlägt „Das kleine Buch der Technik“ auf, es ist aus dem Jahr 1914. Die beiden Männer sind begeistert. „Das wird alles noch in der Datenbank vermerkt“, betont Wolfgang Kunde.

Der 65-Jährige steht mitten in der Bibliothek im Gebäude des Zuse-Computermuseums in Hoyerswerda. Mindestens 3000 Bücher über Rechentechnik und artverwandte Themen verwahrt er hier, hat er akribisch eingepflegt. Ehrenamtlich macht er das, ist Mitglied des Vorstandes im Konrad Zuse Forum. Der Verein fördert seit mehr als 20 Jahren das Vermächtnis des Computer-Pioniers. So sind die gut 50 Mitglieder auch im Museum zugegen, recherchieren, tüfteln, geben ihr Wissen weiter. Gerhard Walter ist neben Wolfgang Kunde einer von den engagierten Aktiven. Nur wenige Minuten zuvor haben die beiden Männer Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange die Hand geschüttelt. Im Zuse-Museum wurden sie von ihr neben 24 anderen Bürgern aus ganz Sachsen für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. „Dank des Museums wird einem überhaupt erst einmal die  Entwicklungsgeschichte bewusst“, fängt Gerhard Walter an zu schwärmen. Die gewaltigen Veränderungen in solch einer kurzen Zeit beeindrucken ihn immer wieder aufs Neue. Diese Begeisterung möchte der 68-Jährige mit anderen teilen. Während sich Wolfgang Kunde aktuell hauptsächlich der Literatur widmet, ist Gerhard Walter eher der Techniker. Stundenlang sitzt er in der Werkstatt, die dem Besucher verborgen bleibt. Hier werden die Exponate gewartet, historische Technik für die Ausstellung vorbereitet. Aktuell befasst sich Gerhard Walter akribisch mit einem Heimcomputer aus DDR-Zeiten. „Der KC 85 funktioniert noch“, verkündet er stolz. Schon als Jugendlicher hat er sich für Elektronik interessiert und das Innenleben von Computern ergründet. Bis heute hat diese Faszination angehalten. Manfred Kunde kann dem nur zustimmen. „Wenn ich durch den Fundus gehe und den Rechner sehe, mit dem ich meine Diplom-Arbeit geschrieben habe, ist das schon etwas ganz Besonderes“, sagt der Informationstechniker. Für ihn ist die ehrenamtliche Arbeit eine sinnvolle Ergänzung zum Rentnerdasein. „Dadurch kann ich in der Heimat etwas bewirken“, erzählt Wolfgang Kunde.

Gut 25 Stunden im Monat verbringen die Männer in den Räumen des Museums. „Und trotzdem habe ich noch nicht alles entdeckt“, ist sich Gerhard Walter sicher. Damit es weiterhin so unendlich viel über die Geschichte der Rechentechnik zu erkunden gibt, bleiben die Männer so engagiert. „Wir möchten den Menschen diese beeindruckende Entwicklung nahe bringen. Deshalb sind wir hier“, sagt Wolfgang Kunde.

Gerhard Walter in der Werkstatt. Hier bringen die Ehrenamtler die verschiedensten Ausstellungsstücke wieder in Schuss.
Gerhard Walter in der Werkstatt. Hier bringen die Ehrenamtler die verschiedensten Ausstellungsstücke wieder in Schuss. FOTO: LR / Anja Hummel
Gerhard Walter (l.) und Wolfgang Kunde werden von Kunstministerin Eva-Maria Stange für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.
Gerhard Walter (l.) und Wolfgang Kunde werden von Kunstministerin Eva-Maria Stange für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. FOTO: LR / Anja Hummel