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| 17:46 Uhr

Boulevard Kirchstraße
Aus Experiment wird Erfolgsaktion

Für das Projekt hat das Citymanagement die Kirchstraße in der Altstadt einladend gestaltet.
Für das Projekt hat das Citymanagement die Kirchstraße in der Altstadt einladend gestaltet. FOTO: Citymanagement Hoyerswerda
Hoyerswerda. Das Projekt „Boulevard Kirchstraße“ in Hoyerswerdas Altstadt ist Geschichte. Jetzt wird ausgewertet. Feststeht: Es gibt eine Wiederholung. Von Anja Hummel

Reges Treiben auf der Kirchstraße: Während die zwei großen Zelte neben der Johanneskirche abgebaut werden, wird auf der anderen Straßenseite ein Pflanzenkübel nach dem anderen weggebracht. Sprüche von Friedrich Nietzsche wie „Man muss das Leben tanzen“ oder „Jedem Anfang liegt ein Zauber inne“ von Hermann Hesse, wie sie in weißen Buchstaben auf den roten Kübeln geschrieben stehen, verschwinden aus dem Stadtbild. Vier Wochen lang haben sie die Hoyerswerdaer Altstadt in der Kirchstraße verschönert. Vier Wochen lang haben Händler, Dienstleister und Gastronomen gezeigt, wie lebendig es zwischen Marktplatz und Fließhof zugehen kann, wie schön es sich schlendern, schlemmen und einkaufen lässt. Sie haben ihre Schaufenster aufgemöbelt, Tische und Stühle nach draußen geräumt. Alles für das Experiment „Boulevard Kirchstraße“, organisiert vom Citymanagement Hoyerswerda und dem Gewerbering Stadtzukunft.

Das erste Fazit: „Es ist auf jeden Fall gut, dass wir es gewagt haben“, sagt Frank Graumüller vom Hoyerswerdaer Citymanagement. Das Angebot sei von der Stadt gut angenommen worden, resümiert er. Und dann spricht er es aus: „Wir möchten das im nächsten Jahr voraussichtlich über einen längeren Zeitraum wiederholen.“ Von Mai bis September schwebe es den Organisatoren vor. „Aber jetzt müssen die Beteiligten erstmal runterkommen und alles auswerten“, so Graumüller.

Für Sylvia Hübner bedarf es da keiner Bedenkzeit. Wenn es nach der Inhaberin des Café Rosalie geht, „könnte das immer so sein“. Sehr viele positive Rückmeldungen habe sie erhalten. „Ich hoffe, dass wir länger davon profitieren und die Leute, die uns vielleicht neu kennengelernt haben, wieder vorbeischauen“, sagt Sylvia Hübner.

Die Vermutung, dass sich das Boulevard-Projekt für die Händler noch als profitabel erweisen wird, hat auch Hoyerswerdas Wirtschaftsförderin Franziska Tennhardt. „Viele Menschen waren aus Neugierde hier. Es ist ihnen wieder bewusst geworden, was die Altstadt zu bieten hat.“ Dieses neue Bewusstsein könnte die Leute auch bei ihrem nächsten Einkauf in die Altstadt locken. Was mit dem Boulevard-Ende ebenfalls schließt: der Testladen im Fließhof. Monique van Nuland hat in dem Leerstandsladen unter anderem Crepes verkauft. Eine „gute Sache“ war das, „aber die Hoyerswerdaer sind schwer zu knacken“, so ihr Resümee. Heißt: Was sie schon kennen, nehmen die Leute gerne an. Neues probieren sei aber nicht so ihr Ding. Insgesamt ein bisschen mehr Herzlichkeit und Offenheit, das wünscht sich Monique van Nuland, die sich ab sofort wieder voll und ganz auf ihr Hofcafé in Bröthen konzentriert. Der Testladen steht indes wieder leer. „E eignet sich für alle, die etwas Neues ausprobieren wollen“, rät sie. Auch hilfreich: Wenn sich mehrere Leute zusammenfinden, um die Räumlichkeit zu nutzen. Während Monique van Nuland für Gaumenfreuden sorgte, stellte Birgit Modler ihre Kunst aus.

Nach innen hingegen werden nun wieder sämtliche Tische, Stühle und Dekorationen gestellt. Denn mit dem Boulevard-Aus erhebt die Stadt ab sofort auch wieder Gebühren für die Nutzung der Außenflächen. In den vergangenen vier Wochen hat die Verwaltung auf die Einnahmen verzichtet. Für das Citymanagement ist das Boulevard-Experiment längst nicht Geschichte: „Wir werten die Umfragebögen der Besucher aus und setzen uns mit den Händlern zusammen“, kündigt Frank Graumüller an. Ab Herbst soll dann die nächste Runde „Boulevard“ geplant werden – für eine noch lebendigere Altstadt im Folgejahr.

Große Vorfreude zum Start vom „Boulevard Kirchstraße“ Anfang Juni.
Große Vorfreude zum Start vom „Boulevard Kirchstraße“ Anfang Juni. FOTO: LR / Sascha Klein
Kunst, Kultur und Musik wurde den Besuchern in der Altstadt geboten - täglich präsentierten sich Vereine, Unternehmen oder Künstler.
Kunst, Kultur und Musik wurde den Besuchern in der Altstadt geboten - täglich präsentierten sich Vereine, Unternehmen oder Künstler. FOTO: LR / Sascha Klein
In diese Kästen konnten die Besucher die Umfragebögen werfen. Die werden nun bis zum Herbst ausgewertet.
In diese Kästen konnten die Besucher die Umfragebögen werfen. Die werden nun bis zum Herbst ausgewertet. FOTO: LR / Anja Hummel