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Aus der Gastronomie wird ein Hort

Ein Ständchen haben Kita-Kinder den Gästen gestern gebracht.
Ein Ständchen haben Kita-Kinder den Gästen gestern gebracht. FOTO: Klein
Wittichenau. Kurz nach neun Uhr und die Hauptperson fehlt noch. Der Ministerpräsident verspätet sich um ein paar Minuten. Macht nichts, das ist eingeplant. Vor der Tür des Alten Bahnhofs in Wittichenau drängeln sich schon die Gratulanten – und spätere Nutzer der neuen Horträume. Sascha Klein

Georg Szczepanski, der stellvertretende Bürgermeister, steht auch in der Runde und ist froh, dass seine Stadt dieses Projekt auf die Beine gestellt bekommen hat. "Wir hatten erst überlegt, neu zu bauen", sagt Szczepanski. Doch seit das griechische Lokal im Sommer 2016 ausgezogen war, stand die städtische Immobilie eh leer. Da kam die Idee auf: Wieso sollten die dringend benötigten Horträume nicht auch im Alten Bahnhof gut aufgehoben sein. Das bedeutet: Statt Gastronomie dann Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Nur der Saal bleibt für Feiern für jedermann frei. "Der Stadtrat hat hinter dieser Idee gestanden", sagt Szczepanski.

Einige Wittichenauer fanden diesen Vorschlag weniger sinnvoll. Ihre Befürchtung: Die Gaststättendichte in der Stadt und damit die Attraktivität könnten leiden. Die Verwaltung habe das abgewogen, sagt der stellvertretende Bürgermeister. "Der Ruf dieses Gaststättenorts war sowieso nicht der Beste", sagt Szczepanski. "Es haben sich hier schon einige versucht. Aber bei keinem ist es richtig geworden." Zudem: In das Gebäude hätte die Stadt sowieso investieren müssen.

Zehn Minuten nach neun und alle Augen wenden sich zu den beiden dunklen Limousinen, die jetzt vor dem Alten Bahnhof parken. Stanislaw Tillich steigt aus. Es gibt eine kurze Begrüßungsrunde mit den Vertretern von Stadt, Vereinen und Verbänden. Dann geht es hinein in die neuen Räume. "Am Anfang mussten wir uns schon ein wenig orientieren", sagt Hortleiterin Simone Posch. Wer die Gaststätte kennt, muss jetzt zweimal hinsehen, denn es hat sich einiges geändert. Was sich für die Kinder ändert: Aus drei Orten, an denen in Wittichenau zurzeit der Hort untergebracht ist, wird einer. Beziehungsweise: Für das kommende Schuljahr werden es noch zwei sein. Die ersten Klassen bleiben vorerst in einem Container in der Grundschule.

Insgesamt hat das Umbauprojekt 360 000 Euro gekostet. 90 000 Euro hat die Stadt Wittichenau investiert, der Rest stammt aus dem Bundesprogramm "Brücken in die Zukunft".

Doch zunächst singt die Zukunft erst einmal: Kitakinder aus Wittichenau singen den Anwesenden ein Ständchen, denn: Die Hortkinder, die trotz Ferien im Hort sind, sind auf einem Ausflug. Sie verpassen die warmen Worte des Ministerpräsidenten. "Hier rundet sich etwas ab, was Wittichenau gut tut", sagt er und lobt gleichzeitig den Träger, das Christlich-Soziale Bildungswerk (CSB).

Anschließend gibt es Gottes Segen - durch Pfarrer Dr. Wolfgang Kresak. Kresak segnet Projekt und Bauleute. Gemeinsam wird gebetet und das Vaterunser gesprochen.

Die Horträume sind über zwei Stockwerke verteilt. Die Zimmer sind modern, funktional, hell, bunt - so, wie die Anforderungen für neue Horträume eben sind. Ganz fertig ist das Projekt allerdings noch nicht. "Wir wollen - möglichst im nächsten Jahr - noch den nächsten Bauabschnitt realisieren", sagt Georg Szczepanski. Dann sollen zu den jetzt 80 Hortplätzen weitere 40 kommen, sodass tatsächlich alle Schulkinder im Alten Bahnhof betreut werden. Diskussionen hat es Szczepanski zufolge im Vorfeld noch um den Weg von der Schule dorthin gegeben. Von der Schule geht es durch die Gartenstraße zum Alten Bahnhof. Die Strecke sei bis auf einen Punkt ungefährlich - bis auf die Straße vor der Schule. Wittichenau möchte gerne einen Überweg. Doch bei diesem Thema haben die Wittichenauer beim Landkreis noch nichts erreicht.