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| 18:44 Uhr

Diskussionen um Kita-Schließung
Auf Suche in der Kita-Landschaft

Hoyerswerda. Hoyerswerda verliert 2019 eine Kita. Die Stadt kündigt den Betroffenen Hilfe beim Umzug an. Von Anja Hummel

Anett Ritsert handelt auf eigene Faust. Die Mutter zweier Kinder möchte sich nicht auf andere verlassen. Den ersten Antrag hat sie längst eingereicht, am Freitag hat sie einen weiteren Termin. Für Tochter und Sohn möchte sie nur das Beste. Genauer gesagt: die beste Kita.

Eigentlich hatte sie die längst gefunden – die Kita „Sonnenblume“ in Hoyerswerdas Neustadt ist unweit der Wohnung, die Betreuung ist spitze, das Umfeld super. Aber: Spätestens in einem Jahr soll es genau diese Kindertagesstätte nicht mehr geben. Das wurde Ende September durch den Stadtrat beschlossen – völlig unerwartet für Eltern und Kita-Träger. Der Grund für die Schließung: Weil es in der Stadt zu viele Kita-Plätze gibt, musste die „schwächste“ Einrichtung dran glauben. Hoyerswerdas Bürgermeister Thomas Delling zufolge hat die Kita in der Neustadt den größten Sanierungsbedarf.

Mit dieser Entscheidung hat die Stadt viele vor den Kopf gestoßen. „Niemand hat vorher mit uns geredet. Zack, bumm und die Entscheidung wurde getroffen. Da kann man sich ja nur aufregen“, sagt Anett Rit­sert eineinhalb Wochen nach dem Beschluss. Auch das Trägerwerk Soziale Dienste (TWSD) als Träger der Kita zeigte sich mehr als überrascht. „Wir werden über Elternabende unser Vorgehen besprechen“, kündigte TWSD-Geschäftsführer Falk Stirner kurz nach dem Beschluss an. Für Ende Oktober hat der Träger die Mütter und Väter nun tatsächlich zu einem ersten „Elternabend“ eingeladen. Anett Ritsert ist gespannt, was sie erwartet. Durch Gespräche mit anderen Eltern weiß sie, dass sie mit ihrer Ungewissheit nicht alleine ist. Ihr Vertrauen in die Stadt nach dem „Holterdipolter-Aus“ für die „Sonnenblume“ aber ist erst einmal weg. „Einerseits sollen neue Leute herziehen und Familien gefördert werden. Auf der anderen Seite lässt man uns in dieser Situation alleine“, beklagt Anett Ritsert.

Alleine lassen möchte die Stadtverwaltung die von der Kita-Schließung betroffenen Eltern aber keinesfalls. „Wie durch Herrn Bürgermeister Delling in der Stadtratssitzung dargelegt, wird die Stadt Hoyerswerda die Eltern, die Erzieherinnen und den Träger bei den Schritten der Platzsuche, des Umzuges und der Schließung begleiten und unterstützen“, erklärt Sprecher Bernd Wiemer auf RUNDSCHAU-Nachfrage.  Wann und wie das konkret erfolgen soll, werde nun „gemeinsam mit den Eltern und dem Träger besprochen und abgestimmt“.  Die Stadt Hoyerswerda hält derzeit 21 Einrichtungen bei elf Trägern vor. Ebenfalls von der Verwaltung angekündigt: Der Umzug kompletter Kita-Gruppen soll den Einschnitt für die Kinder so flach wie möglich halten. Anett Ritsert will sich auf die angekündigte Unterstützung lieber nicht verlassen. „Wer weiß, wann da ein Angebot kommt“, sagt die zweifache Mutter gerade heraus. Sie schaut lieber selber, „wo etwas geht“. Neben der Vollzeitarbeit gestalte sich das aber alles andere als einfach. Spätestens in einem Jahr muss für Kinder, Eltern und Erzieherinnen alles geklärt sein. Geplant ist die Kita-Schließung in den  großen Sommerferien 2019.