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| 17:47 Uhr

Moderne Kriminaltechnik
Auf Spurensuche in Hoyerswerda

Hoyerswerda. „Es ist nicht so wie im Fernsehen“ – wie Kriminaltechniker in Hoyerswerda mit modernster Ausstattung Fingerabdrücke und DNA-Spuren unter die Lupe nehmen. Von Anja Hummel

Thomas Tannenbring hat eine heiße Spur. Akribisch schaut er durch die Lupe auf das verräterische Objekt. Was den Täter überführen könnte? Eine leere Bierflasche. Der Kriminaltechniker sammelt Fingerabdrücke. Es sieht gut aus – für ihn, nicht für den Täter. Es geht um Sachbeschädigung. Die Bierflasche wurde als Beweisstück am Tatort gesichert.

Seit 1993 ist Thomas Tannenbring als Kriminaltechniker in Hoyerswerda im Einsatz. Hautschüppchen, Haare, Fingerabdrücke, Speichel – der 49-Jährige hat schon alles unter die Lupe genommen, abgepinselt, analysiert. Zuständig ist er gemeinsam mit drei weiteren Kollegen für den Bereich des Polizeireviers Hoyerswerda. Sein Büro: das kriminaltechnische Labor. Das ist seit Kurzem bestens ausgestattet in der oberen Etage des Polizeireviers in der Altstadt eingerichtet. Gerade einmal 25 Quadratmeter ist es groß, investiert wurden etwa 200 000 Euro. Labormöbel, säurefester Fußboden und Glasschränke so teuer wie ein Kompaktklassewagen. Was so unscheinbar und steril wirkt, ist für die Aufklärung von Straftaten unabkömmlich. Insgesamt 40 Kriminaltechniker sind im Gebiet der Görlitzer Polizeidirektion im Einsatz. Chef von allen ist Matthias Kubitz. Der räumt gleich mit den Klischees auf: „Es ist nicht so wie im Fernsehen. Der Kriminaltechniker ist mit der Arbeit nicht fertig, sobald er die Spur am Tatort genommen hat. Es hängt vor allem sehr viel Schreibarbeit dran.“ Schließlich müssen die Beweise vor Gericht verwertbar sein. Und trotzdem mag Kubitz Krimi-Serien wie „CSI“. „Die bringen das klasse rüber, was Kriminaltechnik eigentlich ist“. Mit einer Ausnahme: Was dort eine Einzelperson schafft, wird in der Oberlausitz mit 40 Leuten gestemmt, erzählt Kubitz schmunzelnd.

Rundgang durch das Polizeirevier Hoyerswerda FOTO:

Kollege Thomas Tannenbring hat mittlerweile Fingerabdrücke auf der leeren Bierflasche entdeckt. Die Spur wird im Anschluss an die internationale Fingerdatenbank weitergegeben. Die Auswertung gelangt später zum zuständigen Sachbearbeiter. Dann können die Ermittlungen weitergehen. Zusätzlich zum Fingerabdruck sichert Tannenbring auch DNA-Material. „Fingerabdrücke können nicht immer ausgewertet werden. DNA-Spuren hingegen sind unvergleichbar“, erklärt Chef Kubitz. „Mit einer einzigen Ausnahme“, hebt er den Zeigefinger. „Das sind eineiige Zwillinge.“

Von eineiigen Zwillingen kann Thomas Tannenbring nicht berichten. Wohl aber von einer Arbeit, bei der kein Tag dem anderen gleicht. „Manchmal gibt es zwei Tage keinen neuen Tatort, dann bin ich wieder täglich unterwegs.“ Erst kürzlich hat er ganze anderthalb Wochen an einem Tatort zugebracht, um Beweismittel zu sichern. Das Verbrechen: ein Sexualdelikt. Gearbeitet wird im Früh- und Spätdienst. In der Nacht und am Wochenende gibt es Rufbereitschaft. Ein unnatürlicher Todesfall, ein ausgeräumtes Einfamilienhaus mitten in der Nacht – so schnell wie möglich muss ein Kriminaltechniker vor Ort sein und erste Ermittlungsansätze liefern. „Etwa 30 Prozent meiner Arbeitszeit bin ich draußen unterwegs“, schätzt Thomas Tannenbring. Ansonsten analysiert der 49-Jährige die Spuren im Labor und schreibt Berichte. Mit Tätern und Opfern hat er nichts am Hut. Er „kümmert“ sich ausschließlich um die Objekte, befördert Hinweise ans Tageslicht. Mit den Ergebnissen arbeiten, Befragungen durchführen, den Täter tatsächlich überführen – das ist dann Aufgabe anderer Kollegen der Kriminalpolizei. Von dieser Arbeit bekommt Tannenbring nicht allzu viel mit. Unter die Lupe nimmt er lieber andere Sachen.

Die letzten Baumaßnahmen im neuen Polizeirevier Hoyerswerda sind nun abgeschlossen. Sachsens Innenminister Roland Wöller (l.) überreichte den Kollegen des Reviers einen symbolischen Schlüssel. Danach ging es zum Rundgang durch das Haus. Hier wird Zwischenstopp in einem von insgesamt vier Verhörräumen gemacht.
Die letzten Baumaßnahmen im neuen Polizeirevier Hoyerswerda sind nun abgeschlossen. Sachsens Innenminister Roland Wöller (l.) überreichte den Kollegen des Reviers einen symbolischen Schlüssel. Danach ging es zum Rundgang durch das Haus. Hier wird Zwischenstopp in einem von insgesamt vier Verhörräumen gemacht. FOTO: LR / Anja Hummel