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| 15:46 Uhr

Bergen
Auf der Suche nach dem neuen Ich

Geschäftsführerin Claudia Mönch präsentiert den Bergener Spargel. Der soll künftig auch online zu kaufen sein.
Geschäftsführerin Claudia Mönch präsentiert den Bergener Spargel. Der soll künftig auch online zu kaufen sein. FOTO: LR / Sascha Klein
Bergen. Der Landwirtschaftsbetrieb Bergen-Bluno sucht nach einem Weg, sich neu zu vermarkten. Von Sascha Klein

Noch vor zehn Jahren erschien für Landwirtschaftsbetriebe alles ganz geradlinig: Bauern produzieren Milch, Fleisch und Getreide und verkaufen das an Großhändler. Wie der das an den Mann bringt, war nicht mehr das Problem des Produzenten. Doch der Wind hat sich gedreht. Claudia Mönch (55), Geschäftsführerin der Bergener Landwirtschafts-GmbH, sitzt in ihrem Büro und brütet über neuen Vermarktungsideen. Ein Faustpfand des Unternehmens wächst nur ein paar hundert Meter entfernt unter schwarzen Folien – der Bergener Spargel.

Die weißen Stangen sollen nun auch auf Reisen gehen können. Der Bergener Agrarbetrieb hat mit Seenlandgourmet-Lausitz eine Internet-Seite, bindet jetzt aber noch einen Online-Shop daran. Für Claudia Mönch ist diese Entwicklung für ihren Betrieb nur folgerichtig, aber auch mit viel Arbeit verbunden. Eine Frage lautet: Wie kommt der Spargel trotz Transports frisch zum Kunden? Die Antwort hat die Geschäftsführerin bei Florist Matthias Bock in Hoyerswerda gefunden. Er nutzt eine spezielle Verpackung, die Blumen frisch hält. Eine vergleichbare Verpackung gibt es auch für Spargel. So will das Unternehmen nun in der Spargelsaison bis Mitte Juni den Absatz noch einmal steigern.

Der Agrar-Betrieb betritt nicht nur bei der Online-Vermarktung von Spargel unternehmerisches Neuland – seit eineinhalb Jahren verändert sich dort einiges. Zunächst hatten die Geschäftsführer entschieden, die Milchkuhhaltung aufzugeben. Die Folge: Die Ställe und Anlagen am Standort Bergen sind verwaist. Das sollen sie allerdings nicht bleiben. Claudia Mönch und ihre Mitstreiter im Unternehmen wollen das Areal touristisch nutzen. Im Gespräch ist: Der Speisesaal könnte perspektivisch zu einer Art Hostel für Radtouristen werden.

Doch daran hängen weitere Zwänge. Für das Gelände braucht es einen Bebauungsplan. „Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde ist super“, sagt die 55-Jährige. Trotzdem ist sie sich noch nicht ganz sicher, was auf dem Gelände künftig angeboten werden soll. Bislang wird eine große Lagerhalle unter dem Namen „Seenlandservice Lausitz“ als Winterlager für Boote und Wohnmobile genutzt. Zwölf Verträge hatten die Landwirte im vergangenen Jahr geschlossen – ein erster kleiner Erfolg ohne viel Werbung.

Im Februar hat Claudia Mönch die Bergener Anrainer eingeladen. Die Idee war: Ein Teil eines Geländes sollte zum Caravanstellplatz werden. Die Reaktionen auf dieses Projekt seien verhalten gewesen. „Einige haben sich gefragt, ob wir noch einen solchen Platz im Seenland brauchen“, sagt Claudia Mönch. Wieder sind die Verantwortlichen im Betrieb in sich gegangen. Schließlich ist das Unternehmen zurückgerudert.

Eine Überlegung von Claudia Mönch: Sie möchte die Gebäude als eine der größten Ressourcen nutzen. Nun sucht sie nach einer Alleinstellung für die Region. Sie kann sich vorstellen, die Themen Essen, Genuss und Lebensmittelherstellung miteinander zu verbinden. Auch eine Kletterhalle als Freizeit-Attraktion kann sie sich vorstellen. Ob das finanziell zu stemmen ist und ob sich das einmal rentieren könnte: Darüber ist sie sich noch nicht ganz im Klaren. Ihr Ziel ist jedoch: Der Betrieb soll weitergehen – und die 20 Arbeitsplätze mit neuer Ausrichtung erhalten bleiben.