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| 16:08 Uhr

Stadtmarketing
Auch eine reizvolle Stadt vermarktet sich nicht von selbst

Ein zweifellos erfolgreiches Projekt, auf das Amtsleiter André Wucht (2.v.r.) zu Recht stolz ist, stellt der Bautzener Musikpfad dar.
Ein zweifellos erfolgreiches Projekt, auf das Amtsleiter André Wucht (2.v.r.) zu Recht stolz ist, stellt der Bautzener Musikpfad dar. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. Das Bautzener Marketing ist in die Kritik geraten. Dabei hat eine Analyse nicht nur Schwächen, sondern auch Stärken gefunden. Von Uwe Menschner

Diese Situation beschreibt das gegenwärtige Dilemma des Bautzener Stadtmarketings recht gut: Vor etwa einem Jahr war es, als den Bautzener Journalisten innerhalb weniger Tage zwei Einladungen auf den Tisch flatterten. Zunächst rief der ortsansässige Tourismusverein zu seiner obligatorischen jährlichen Pressekonferenz im Vorfeld des Osterfestes mit seinen vielfältigen Aktivitäten. Wenig später lud die Betriebs- und Beteiligungsgesellschaft Bautzen zur Eröffnung des neuen Eingangsgebäudes am Saurierpark Kleinwelka ein. Justament für den gleichen Tag, zur gleichen Uhrzeit! Versteht sich, dass es der ehrenamtlich tätige Verein war, der seinen Termin verschieben musste.

„Die Akteure hier leisten jeder für sich eine gute Arbeit, aber sie ziehen zu wenig am selben Strang“, sagte der Vorsitzende des Tourismusvereins, Dietmar Stange, damals gegenüber der RUNDSCHAU. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt jetzt auch die Dresdner Marketingagentur MinneMedia, die im Auftrag der Stadtverwaltung das Bautzener Stadtmarketing untersucht hat: „Wichtige Akteure kommunizieren nicht“, heißt es in dem von der Agentur erstellten „Handlungshandbuch“.

Doch dies ist bei Weitem nicht der einzige Mangel, den die Dresdener Marketingexperten erkannt haben. „Es gibt eine große Diskrepanz zwischen der realen Stadtentwicklung und dem Image“, so lautet das übergeordnete Resümee. Die Verantwortlichen seien mit gefährlicher Naivität davon ausgegangen, dass sich „die Stadt mit ihren vielen Reizen von selbst vermarktet“. Noch immer hafte Bautzen das Image der „Knast-Stadt“ an, ergänzt durch den neuen Ruf einer Nazi-Hochburg. Die Werbung sei unoriginell und langweilig.

André Wucht, der Leiter des Amtes für Stadtmarketing und Pressearbeit, ist sich der Mängel durchaus bewusst: „Schließlich war die Beauftragung der Agentur MinneMedia durch uns eine Art Hilferuf.“ So habe das dreiköpfige Team seines Amtes nach der Aufgabenübertragung des Stadtmarketings „ohne weitere personelle Verstärkung und ohne nennenswerte finanzielle Mittel auskommen“ müssen: „Das konnte auf Dauer nicht funktionieren.“

Und mehr noch: „Parallel sank die Qualität der Pressearbeit. Wir haben es nicht mehr geschafft, den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt die Verwaltung, unsere Ziele und Projekte zu erklären. Das ist sehr bedauerlich.“

Doch es gebe auch eine andere, positive Seite: „So untätig, wie es derzeit zuweilen dargestellt wird, waren wir keinesfalls“, versichert André Wucht und zählt aus seiner Sicht erfolgreiche Projekte auf: „Publikationen der Stadt erhielten ein komplett neues und frisches Erscheinungsbild. Mit einer Offensive in sozialen Medien spielte Bautzen vor wenigen Jahren deutschlandweit eine Vorreiterrolle.“ Auch das moderne Fußgängerleitsystem und der Musikpfad seien innovative und erfolgreiche Projekte.

Für den Weg aus der derzeitigen Misere sehen sowohl der Amtsleiter als auch die Agentur zwei verschiedene Möglichkeiten: „So könnten Teilbereiche der Arbeit ausgegliedert und einer Agentur oder einer GmbH übertragen werden. Will die politische Führung die Fäden aber komplett selber in der Hand behalten, muss sie sich neu aufstellen. Ganz wesentlich dabei ist die Schaffung einer neuen Stelle für die Koordinierung des Stadtmarketings.“ Eine solche war allerdings erst unlängst im Zuge der Haushaltsdebatte im Stadtrat durchgefallen.

Mit den bisherigen Strukturen, so ist sich André Wucht sicher, können die Defizite jedenfalls nicht ausgeglichen werden. Immerhin hat sich Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) bereits öffentlich zu der neuen Stelle bekannt.