| 01:08 Uhr

Auch die Lausitz kann es treffen

Kamenz.. Der August 2002 hat sich den Menschen in Sachsen unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt.

Wer könnte sie auch vergessen, die Bilder von ganzen Städten und Dörfern, die in den Fluten des Jahrhunderthochwassers versanken? Die Westlausitz blieb, mit Ausnahme der Gegend zwischen Radeberg und Pulsnitz, von der Katastrophe verschont. Und das, obwohl es auch hier teils sintflutartige Regenfälle gab. „Diese waren allerdings nichts im Vergleich zu den Wassermassen, die beispielsweise in Zinnwald-Georgenfeld vom Himmel stürzten“ , sagt Dr. Thomas Scholle. Der Stolpener Geologe war am Dienstagabend im Museum der Westlausitz zu Gast, um mit dem Abstand eines Jahres über die Jahrhundertflut zu referieren.

Hautnah miterlebt
Scholle hat, obwohl er selbst in sicherer Höhe wohnt, das Hochwasser hautnah miterlebt. Zum einen besucht seine Tochter das Pirnaer Gymnasium und konnte die Stadt mit dem letzten Bus verlassen, der noch fuhr: „Sonst wäre sie in eines der Notlager gebracht worden.“ Zum anderen hat er als Inhaber eines Ingenieurbüros sehr viele Bauvorhaben in Dresden und Pirna aus wassertechnischer Sicht betreut.
„Zur Erinnerung: Der bisherige Höchststand der Elbe in Dresden war mit 8,77 Metern im Jahre 1849 registriert worden. Im August 2002 erreichte der Fluss einen Stand von 9,40 Meter. Das macht verständlich, dass alle Schutzvorkehrungen nutzlos wurden.“
Ein langfristig noch größeres Problem sei jedoch der Anstieg des Grundwasserspiegels um zum Teil mehr als zwei Meter. „Bis heute ist das Grundwasser an einigen Stellen auf dieser Höhe verblieben“ , erklärt Dr. Thomas Scholle. Manche Häuser, deren Keller man zu zeitig leer gepumpt hatte, wurden durch den Druck einfach „hoch gehoben“ .
Seine Informationen über den aktuellen Hochwasserstand bezog Dr. Scholle größtenteils aus der tschechischen Republik. „Bereits eine Woche zuvor wurde vom tschechischen Wetterdienst für Dresden eine Pegelhöhe von 9,30 m prognostiziert. Hätte dies irgendjemand registriert, dann wäre den Dresdenern einiges erspart geblieben.“ So kam es zu teils panischen Rettungsaktionen in letzter Minute.
Dass die Lausitz von der Jahrhundertflut verschont blieb, ist ein reiner Glücksumstand. „Eine Wetterlage, wie sie im August 2002 über dem Erzgebirge und über Westböhmen vorherrschte, kann sich auch ohne weiteres weiter östlich entwickeln“ , meint Dr. Thomas Scholle. Bei Niederschlägen in ähnlichen Größenordnungen würde es auch in Kamenz großflächig Land unter heißen, vom „Flachland“ bis hin nach Hoyerswerda ganz zu schweigen.

Wiederholung denkbar
„Aus geographischer Sicht gibt es nichts, was solch ein Szenario ausschließen könnte“ , so der Fachmann. Und dass es solche extremen Wetterlagen in Zukunft häufiger geben wird, hält er für wahrscheinlich. Den zuständigen Stellen bleibe also nichts weiter übrig, als vorbereitet zu sein - und enger mit den Tschechen zusammenzuarbeiten, die in Sachen Hochwasserwarnung den Sachsen ein ganzes Stück voraus zu sein scheinen, so das Fazit des Geologen. (um)