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Arbeitswelt weit abseits der grauen Theorie

Iris Paul stellte den Mädchen auch verschiedene Körperschutzmittel vor. Und Jessica Nagler probierte sogar einmal die fast komplette Montur, wie sie bei Großeinsätzen getragen wird.
Iris Paul stellte den Mädchen auch verschiedene Körperschutzmittel vor. Und Jessica Nagler probierte sogar einmal die fast komplette Montur, wie sie bei Großeinsätzen getragen wird. FOTO: Ulrike Herzger/uhz1
Hoyerswerda. 77 Schüler aus vier Schulen haben am Donnerstag den "Zukunftstag" in Hoyerswerda genutzt, um sich über ihre Traumberufe zu informieren. Die Mitarbeiter des Regionalteams im Landkreis Bautzen haben 21 Unternehmen dafür gewinnen können, sich viel Zeit für die jungen Leute zu nehmen. Ulrike Herzger

Waren diese Berufsorientierungen einst nur unter der Rubrik "Girls-Day" bekannt, hat der bundesweite "Zukunftstag" diese Grenzen aufgeweicht. Beibehalten wird am Zukunftstag aber die Auseinandersetzung mit traditionellen Geschlechterrollen. Das wurde auch am Donnerstagmorgen beim gemeinsamen Auftakt im Foyer der Musik- und Volkshochschule in der Lausitzhalle noch einmal hervorgehoben. Von dort aus schwärmten die jungen Leute mit ihren Begleitern in die Betriebe aus. Die Jungen gingen beispielsweise in die Bibliothek, das "Laurentius"-Haus, zur PSW- Tagespflege, der Systemgastronomie im Lausitzbad, Kind-Hörgeräte, Bock Blumen, der Bergener Landwirtschaftsgesellschaft, ins Katholischen Kinderhaus "Sankt Elisabeth", die IB-Kita West in Lauta und die Lausitzer Werkstätten, die Mädchen zur Berufsfeuerwehr, der Polizei, dem Vermessungsbüro Martak, der Firma Hoppe Präzisionswerkzeuge, der "Elsterwelle", der Stadtverwaltung, der "Krabat"-Milchwelt in Kotten und dem Altenhilfezentrum Haus "Rosengarten".

Im Polizeirevier warteten 14 Mädchen im Alter zwischen 13 und 16 Jahren mit Sozialarbeiterin Sandra Neuber voller Neugier und ein bisschen Ungewissheit. Doch schon als sie Polizeihauptmeisterin Iris Paul herzlich in Empfang nahm, war dieses ungewisse Gefühl im Nu verflogen. Mit einem Kurzfilm wurde den Mädchen der breit gefächerte Bereich des Streifendienstes nahegebracht, in dem auch Iris Paul arbeitet - wobei sie in letzter Zeit verstärkt in der Prävention tätig ist, wie sie ergänzte. Auch die Leiterin des Streifendienstes, Polizeihauptkommissarin Kathrin Gutte-Kaltschmidt, sowie der Leiter des Polizeireviers, der Erste Polizeihauptkommissar Peter Reginka, schauten vorbei und hofften mit Iris Paul, vielleicht einige Mädchen einmal als Kolleginnen wieder begrüßen zukönnen.

Aber dass bis dahin noch viel zu tun ist, wurde den Schülerinnen nicht nur durch den dreiseitigen Eignungstest deutlich, den sie probehalber schon mal ausfüllen durften. Zu den Tipps für Bewerber gehörte auch der Ratschlag, sich gesund zu ernähren und unbedingt fit zu halten. Wer sich für den Polizeidienst interessiert, kann mittlerweile auch ein Schülerpraktikum machen. Über Bewerbungen entscheidet die Polizeidirektion.

Emily Fritsch (16), Sina Radegast (15) und Jessica Nagler (15) haben sich bereits für so ein Praktikum beworben. Ihr Pech: Ihre Praktikumszeit fällt es in den Zeitraum des G7-Gipfels, weswegen sie eine Absage bekamen. "Aber das entmutigt mich keinesfalls. Ich bleibe dran. Auch sportlich!", bekräftigte Jessica, die nun erstmal bei der LMBV ihr Praktikum absolvieren wird. "Total cool" fanden es alle Mädchen, dass es schließlich nicht nur theoretisch zuging. Iris Paul führte sie noch in verschiedene Abteilungen wie zur Wache, ins Waffenlager sowie in die Kriminalistik. Auch in einen hoch technisierten Streifenwagen durften sie schauen und in die Zellen für vorübergehende Inhaftnahme. Wer sich traute, durfte unter Anleitung einen Probe-Fingerabdruck sichtbar machen und so fixieren, dass er für die Auswertung verwendbar bleibt.

Die vier Stunden im Revier waren für die Mädchen so beeindruckend, dass Sozialarbeiterin Sandra Neuber mit ihnen einen Bus später als geplant zum Abschlusstreffen fuhr. Pünktlich waren sie trotzdem noch. Dort wurden die Eindrücke aller Teilnehmer in einer Erfahrungs-Box gesammelt. Auch der Erfahrungsaustausch untereinander zeigte sich lebhaft, wobei jeder wieder um eine wichtige Erfahrung reicher war, wie der Grundtenor lautete.